Michael Memmel

Bamberg und Bautzen. Die beiden Städten trennen 335 Kilometer. Doch sie standen sich einst sehr nahe, gerade zu Zeiten, als sie ein eiserner Vorhang voneinander trennte. Und das nicht nur wegen der Gemeinsamkeit der beiden Anfangsbuchstaben. Sie teilten sich auch die Zahl 8600. Die war fester Bestandteil jeder Ba-Adresse. Die Rede ist natürlich von der Postleitzahl.
Bis 1990 stellte es kein großes Problem dar, dass diese in den zwei Städten identisch war - gehörten doch beide zu unterschiedlichen Staaten. Doch als sich die DDR auflöste und mit der BRD wieder vereinigte wurde, drohte das Chaos. Also musste jeder Bautzener ein O und jeder Bamberger ein W vor seine PLZ schreiben. Oh weh! Das konnte keine Lösung auf Dauer sein. Und so führte die Post am 1. Juli 1993, also gestern vor 25 Jahren, die neuen Postleitzahlen ein und trennte damit die siamesischen Adress-Zwillinge. Die Sachsen erhielten die unscheinbare 02625, bei den Franken sind nur noch die ersten drei Zahlen 960 sicher, danach geht es kreuz und quer - je nachdem in welchem Ortsteil man wohnt oder ob es sich um ein Postfach oder einen Großkunden handelt.
Tja, da droht die Postalgie: Früher war alles besser - also einfacher, kürzer (um eine Ziffer) und völkerverbindender. In diesem Sinne: Liebesgrüße von Bautzberg nach Bamben!