Karl-Heinz Hofmann

In Neukenroth herrscht seit Sonntag der Trachtenvirus. Die damit verbreitete Fieberwelle wird bis 2021 anhalten, prognostizieren die Experten vom Gautrachtenverband Oberfranken. Der Grund dafür: Der Volkstrachtenverein Zechgemeinschaft Neukenroth feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen mit dem Trachtengaufest Oberfranken.
Doch damit nicht genug. In der Frühjahrsversammlung des Trachtengauverbandes Oberfranken am Sonntag im Gasthaus Fillweber in Neukenroth sprachen sich Vorstandsmitglieder und Delegierte einstimmig für die Neukenrother Trachtler als Veranstalter der Landestagung des Bayerischen Trachtenverbandes aus. In ihm sind 165 000 Erwachsene und über 100 000 Kinder und Jugendliche in 22 Gauverbänden als Mitglieder engagiert.


Vertreter von 4500 Mitgliedern

Zuvor hatten die Vorsitzende des Volkstrachtenvereins Zechgemeinschaft Neukenroth, Bettina Rubel, und der Vorsitzende des Trachtengauverbandes Oberfranken, Manfred Bär, die zahlreichen Vorstände und Delegierten aus Oberfranken aus 38 Ortsverbänden als Vertreter von 4500 Mitgliedern, willkommen geheißen. Die Freude war groß, als Bär, nach längeren Ausführungen über das Für und Wider eines Veranstaltungsortes für eine Landestagung, endlich einen Vorschlag nannte: "Wir haben uns lange Gedanken gemacht und möchten Neukenroth und den Volkstrachtenverein Zechgemeinschaft Neukenroth als Ausrichter der Landestagung zur Abstimmung vorschlagen."
Dies begründete der Vorsitzende damit, dass der Trachtenverein Neukenroth einer der aktivsten Vereine im Gauverband sei und mit seiner Gesangsgruppe eine Ausnahmestellung einnehme. Außerdem sei auf die Neukenrother stets Verlass. "Sie werden unser Vertrauen rechtfertigen", meinte Bär. Nach ein paar Wortmeldungen fiel die Abstimmung einstimmig für Neukenroth aus.
Bettina Rubel war hocherfreut über das große Vertrauen, das in den Verein gesetzt wird. "Wir werden das schaukeln und niemanden enttäuschen", sagte sie optimistisch. Ähnlich wohlwollend äußerte sich auch Bürgermeister Rainer Detsch (FW): "Wenn das jemand schafft, dann sind das unsere Zecher!" Das Gemeindeoberhaupt von Stockheim fügte gleich hinzu, die Gemeinde werde alles für ein wunderbares Treffen tun.
Auch Bezirkstagspräsident Günther Denzler gratulierte zur Wahl von Neukenroth. Der Bezirk Oberfranken sei neben vielen weiteren Aufgaben auch zuständig für Brauchtums- und Heimatpflege sowie Trachtenberatung. "Die Tracht erlebt eine Renaissance", sagte er und bat die Vereine, am Ball zu bleiben.
Globalisierung, Individualisierung und Wertewandel nannte Bürgermeister Detsch als Herausforderungen für das Zusammenleben der Menschen - gerade auch auf den Dörfern. Er hob daher das segensreiche ehrenamtliche Engagement der Vereine in der Gemeinde hervor.


Brauchtum hat hohen Stellenwert

Landratsstellvertreter Bernd Steger betonte, im Landkreis Kronach werde die Brauchtumspflege groß geschrieben. Gerade in Neukenroth sei eine Hochburg der Heimat- und Brauchtumspflege zu finden. Der gesamte Landkreis sei stolz auf die Zecherhalle und die vielen schönen Veranstaltungen die dort abgehalten würden.


Finanzielle Aspekte abgeklopft

Im weiteren Verlauf der Sitzung kamen auch finanzielle Fragen zur Landestagung im Jahr 2021 in Neukenroth zur Sprache. So wurden Bedenken geäußert, dass die Vereine eventuell finanziell belangt werden könnten. Bär verneinte dies. Es werde nach heutigem Stand kein Verein für mögliche finanzielle Einbußen einstehen müssen. Aber auch für den Trachtengau Oberfranken sei das finanzielle Risiko äußerst gering, war sich Bär sicher und verwies auf die Chance, die man nur alle 22 Jahre einmal erhalte, eine solche Veranstaltung ausrichten zu dürfen.
Die harmonisch verlaufene Versammlung endete mit Einladungen zu verschiedenen Veranstaltungen, unter anderem zum Trachtengaufest und zum 40. Jubiläum am Samstag, 8., und Sonntag, 9. September, in Neukenroth.
Die Versammlung eröffnete und umrahmte die Gesangsgruppe des Volkstrachtenvereins Zechgemeinschaft Neukenroth unter Leitung von Alexander Fröba, die unter anderem ein Lied aus der Feder ihres langjährigen Leiters und jetzigen Trachtengau-Ehrenmitglieds Gregor Lorsbach vortrug.