18 Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde St. Hedwig starteten Mitte Januar mit Pater Thomas nach Indien - in ein Land voller Gegensätze und Überraschungen.
Zunächst ging es in die Hauptstadt Delhi (elf Millionen Einwohner), von deren Smog, dem immensen Verkehr auf sechs- bis achtspurigen Straßen und dem Müll an den Straßenrändern die Reiseteilnehmer wie erschlagen waren. Entschädigt dafür wurden sie bei der Stadtrundfahrt durch Neu Delhi, beim Anblick der gewaltigen Parlaments- und Regierungsgebäude, der herrlichen Parks und Grünanlagen.
Im weiteren Verlauf bestaunte die Gruppe in Agra das imposante Mausoleum Taz Mahal, das der Großmogul Shah Jahan für seine Frau Mumtaz Mahal errichtet hat, außerdem die Festungs- und Palastanlage Agra Fort aus der Epoche der Mogulkaiser, im 16./17. Jahrhundert Residenz der Moguln und seit 1983 Weltkulturerbe.
Per Flug ging es dann nach Cochin, einer Stadt im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens, die als "Königin des Arabischen Meeres" bezeichnet wird. Der Naturhafen war einer der wichtigsten für Wirtschaft und Handel bei den Briten, Chinesen, Portugiesen und Holländern. In Bharanganam wurde die Kirche St. Alphonsa besucht.
Alphonsa war eine katholische Franziskanernonne, die als erste Frau indischer Abstammung 2008 heilig gesprochen wurde.
Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch beim Onkel von Pater Thomas sowie seiner Familie in Cheticode mit einem Riesenwillkommensempfang, köstlichem Essen, grazilen Tänzen von jungen Mädchen in bunten, farbenfrohen Gewändern und indischer Musik. Zudem durfte man der Taufe von Cristal Anna, der Nichte von Pater Thomas beiwohnen, einer Taufe, die er selbst vollzog.
Durch das Projekt "Behindertenheim", das von Pater Thomas und zwei weiteren Patres 1997 initiiert wurde, kam man mit hirngeschädigten Kindern im Alter zwischen sechs und 16 Jahren zusammen, die den Kulmbachern mit Gesang und Tanz einen wunderbaren Empfang bereiteten. Frappierend für sie war die Tatsache, wie die körperlich und geistig gehandicapten Kinder zu großer Selbständigkeit und äußerster Hilfsbereitschaft innerhalb der Gruppe erzogen werden und eine unwahrscheinliche Freude und Zufriedenheit ausstrahlen. Den Tag der Republik am 26. Januar gestalteten die Behinderten völlig selbständig, indem eines der Kinder eine Rede hielt, auf die Bedeutung des Tages hinwies, die Nationalhymne gesungen wurde und die Nationalflagge im Beisein aller Kinder gehisst wird, wobei Pater Thomas, die Älteste der Gruppe ( 81 Jahre) und der Jüngste aller Kinder (vier Jahre) vor der zu hissenden Flagge standen.
In ein weiteres Projekt, ebenfalls von Pater Thomas gegründet (2002), das Straßenkinderheim in Mumbai (18 Millionen Einwwohner) bekam man ebenfalls Einblick.
Den nächsten Höhepunkt stellte das "Rom des Orients", nämlich Goa, dar. Hier stand die Basilika "Bom Jesus", die die Gebeine von Franz Xaver und Dona Paul beinhaltet, auf dem Programm, außerdem ein Stadtrundgang durch Old Goa - allerdings in Ruinen - vorbei an der St.-Katharina-Kathedrale, der größten Kirche Asiens. Sie wurde vom Orden der Dominikaner errichtet, im erhaltenen Südturm hängt die berühmte "Goldene Glocke". 16 reich geschmückte Kapellen, der vergoldete Hauptaltar mit Darstellungen des Martyriums der Hl.. Katharina von Alexandria sind bemerkenswert. Am kilometerlangen Sandstrand von Mumbai war auch Gelegenheit, sich im Arabischen Meer zu erfrischen.
In Aleppy schiffte man sich auf drei Hausboote zu einer traumhaften Bootsfahrt in den einzigartigen Backwaters von Kerala (Netz von Kanälen, Seen und Lagunen) ein: Zeit zum Erholen, die Sonne und die Ruhe zu genießen mit interessanten Gesprächen und Begegnungen, zumal man dort wunderbar verköstigt wurde und eine Nacht verbrachte.
Fazit der Reisegruppe: Es war keine Kulturreise im herkömmlichen Sinn. Neben den vielen Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Kirchen, Kathedralen, Basiliken, Museen, erhielt man auch tiefe Einblicke in das tägliche Leben der Inder, in die Familie von Pater Thomas, in Gottesdienste, Schulen, in Heime mit Behinderten, mit Straßenkindern, in Slums. Der Dank der Gruppe galt Pater Thomas für die einmalige Organisation und seinen großen Einsatz.
Helgart Kastner