Eigentlich sollte die Triathlon-Saison für Thomas Geiger mit der Weltmeisterschaft in Kanada Ende August beendet sein. Diese startete für ihn mit dem Gewinn der Callenge-WM in Samorin ziemlich gut. Nach dem 30. "Jubiläumsfinish" in Roth belegte er bei der WM in Penticton Platz 5. Er machte sich schon gedanklich an die Planung der Saison 2018, doch dann musste er umdisponieren.
Der Triathlon in Roth findet am 1. Juli statt, und für die Titelverteidigung in Samorin ist er auch schon angemeldet. Diese ITU-WM war als nächster Wettkampf geplant, doch sie findet schon zwei Wochen nach Roth statt. Das würde nicht funktionieren.
Was nun? Über das Internet erfuhr Thomas Geiger dann, dass 30 Quali-Plätze für die Ironman-WM auf Hawaii nicht in Hefei (China), sondern in Phuket (Thailand) ausgeschrieben sind. Die Reise zum Ironman 70.3 in Hefei wäre relativ umständlich gewesen. In Thailand hatte es schon 2011 für die Quali nicht gereicht. Er hatte also noch eine Rechnung offen. Zudem kann man sich hier auch für die "70.3 WM" in Südafrika qualifizieren. Und weil ihn die Teilnahme am 40. Jubiläum des Ironman Hawaii reizt, meldete er sich für Thailand an.
Geplant war ein relativ kurzer Aufenthalt: am Donnerstag von Frankfurt nach Phuket, Ankunft dort am Freitag um 10 Uhr, Rennen am Sonntag und Rückflug am Montag um 10 Uhr. Das deutete nicht gerade auf ein entspanntes Wochenende hin.
In Thailand gibt es den "Rolling Start": Dabei werden die Triathleten zu sechst im Abstand von fünf Sekunden ins Wasser geschickt. Dies soll die Starterfelder entzerren und somit das Thema "Windschatten fahren" unterbinden. Allerdings hat man dadurch keine direkte Konkurrenz. Es kann also sein, dass ein Triathlet vermeintlich als Erster seiner Altersklasse ins Ziel kommt, aber er von einem später gestarteten Sportler noch verdrängt wird. Thomas Geiger: "Besser wäre es, mehrere Altersklassen zusammen zu starten; dann ist der direkte Vergleich wieder möglich."
Beim Schwimmen sortierte er sich in die schnellste Startgruppe ein (unter 30 Minuten). Er fand Thomas schnell einen guten "Wasserschatten", konnte also viel Kraft sparen. Mit seiner Zeit von 29:07 Minuten lag er voll im Plan. Nach einem schnellen Wechsel durch die relativ lange Wechselzone sollte seine stärkste Disziplin folgen, das Radfahren. Die ersten Kilometer waren sehr unrhythmisch, steile Anstiege und steile technisch schwierige Abfahren folgen einander auf den ersten 20 Kilometer. Und bei den Verpflegungsstellen hatten die Veranstalter nicht wirklich nachgedacht, denn die lagen auf abschüssiger Strecke mit Linksverkehr auf der linken Seite. Beim ersten Mal (bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h) konnte er die Flasche nicht greifen. Beim zweiten Mal - mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit - klappte es dann, was da aber auch dringend nötig war.
Bis etwa Kilometer 60 lief es ganz gut. Dann merkte er aber, dass er seit August nicht mehr auf der Zeitfahrmaschine gesessen war. Er konnte die Aeroposition nicht mehr durchgängig fahren, und so stand am Ende eine Zeit von 2:35:40 Stunden auf der Uhr. Normalerweise fährt er diese Distanz 10 bis 15 Minuten schneller.


Hohe Luftfeuchtigkeit

Beim abschließenden Halbmarathon (zwei Runden zu je 10,5 Kilometer) ging es sehr zäh los. Die Temperatur war mit 30 Grad für Thailand nicht besonders hoch, aber da es die ganze Nacht vorher geregnet hatte, war die Luftfeuchtigkeit bei über 90 Prozent. So kämpfte sich der Triathlet des ASC Kronach-Frankenwald von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle, um sich mit Schwämmen und Wasser zu kühlen.
Ab Kilometer 15 wurde es plötzlich besser, und er konnte noch einen Schnitt von unter fünf Minuten auf den letzten fünf Kilometern laufen. Dennoch benötigte er 1:43:46 Stunden für den Halbmarathon, was für ihn sehr unbefriedigend war. Seine Gesamtzeit von 4:53:59 Stunden reichte nur für Platz 5 in seiner Altersklasse. Der Sieger (4:32 Std.) war schon sehr weit weg, doch Platz 2 hätte Thomas Geiger mit seiner geplanten Zeit von 4:45 Stunden geschafft. Dies wäre auch ein Startplatz für Hawaii gewesen, und Platz 4 hätte zumindest für Südafrika gereicht.
Er tröstete sich nach dem Rennen mit dem bombastischen thailändischen Finisher-Buffet und dem einen oder anderen Singha. Und für das Training über den Winter hat er wichtige Erkenntnisse aus dem Rennen gezogen. tg