Beide Vereine sind im Steigerwald zu Hause, beide Vereine haben einen Fußballverrückten an der Seitenlinie. Beide Vereine gewinnen ihr Auftaktspiel in der Kreisklasse Schweinfurt 3 mit 6:2. Trotzdem trennen den RSV Unterschleichach und die SpVgg Untersteinbach mehr als die rund neun Kilometer. Die einen kommen frisch aus der A-Klasse, die anderen wollen unbedingt rauf in die Kreisliga. Ob der Unterschied so deutlich ist, wird sich am Sonntag um 15 Uhr zeigen. Die Trainer Renee Steinmann (RSV Unterschleichach) und Kari Reyr Jonsson-Beck (SpVgg Untersteinbach) blicken auf das Steigerwald-Derby.

Herr Steinmann, wie wichtig war der deutliche 6:2-Sieg gegen Geusfeld?
Renee Steinmann: Der Sieg war enorm wichtig für uns, wir sind übernervös in die Partie gegangen. Als Favorit auf die Meisterschaft musst du dieser Rolle auch entsprechend gerecht werden. Und das ist, wenn ich einmal das Durchschnittsalter von 22,7 Jahren unserer Mannschaft betrachte, schon nicht ganz einfach. Zumal wir am Sonntag auch unsere jungen Spieler belohnen wollten, die fleißig im Training mit dabei waren. Mit Lorenz Holch und Julius Eichhorn haben wir zwei unserer Jüngsten von Beginn an starten lassen.

Die Anfangsphase ging aber deutlich an die Geusfelder.
Ja, wir waren mit 0:2 im Rückstand. Dann haben wir unsere Nervosität abgelegt und die Ärmel hochgekrempelt. Ab diesem Zeitpunkt ist es uns dann eigentlich leicht gefallen, die Geusfelder in Schach zu halten.

Sechs Treffer, fünf verschiedene Torschützen - ist das Team der Star beim RSV?
Im Moment sind wir ein Team, in dem der eine für den anderen einsteht. Auch wenn ein Spieler einen Fehler macht - der wird ohne Diskussionen von seinen Mitspielern glatt gebügelt. Man sieht auch, dass wir Spieler auf dem Platz haben, die den Blick haben für ihre Mitspieler.

Wie wichtig sind die Nachwuchsspieler? Welche Rolle sollen sie übernehmen?
Der Nachwuchs ist der Unterbau jeder erfolgsorientierten Mannschaft. Unsere Nachwuchskicker kommen fast ausschließlich aus Schleichach, das ist ein wichtiger Punkt. Nur so kannst du dauerhaft bestehen. Die jungen Spieler werden Schritt für Schritt an die erste Herrenmannschaft herangeführt. Um sie aber nicht gleich zu verheizen, werden wir hier mit der gehörigen Portion Weitsicht arbeiten.

Was ist die Steinmannsche Idee vom Fußball? Welchen Stil soll der RSV spielen?
Ich möchte erfolgreichen und angriffsorientierten Fußball auf dem Rasen sehen. Ich habe vor sechs Jahren beim RSV eine Mannschaft übernommen, die in die B-Klasse abgestiegen ist. Damals waren wir ein Haufen junger talentierter Spieler, die frisch aus der A-Jugend gekommen sind. Da ich davor im leistungsorientierten Fußball tätig war, unter anderem bei Greuther Fürth in der U15 und U23, wurde ich belächelt als ich anfing, die Viererkette einzustudieren. Ich denke, dass sich gerade das jetzt auszahlt.

Vergangene Saison habt ihr die Relegation nur knapp verpasst. Wie bitter war das? Und: Gilt heuer das Motto "Jetzt erst recht"?
Tatsache ist, dass wir uns selber als Meisterschaftsfavorit sehen. Natürlich muss dabei alles stimmen, die Schlüsselspieler müssen verletzungsfrei bleiben, und etwas Glück gehört auch dazu. Aber unser Kader ist so breit aufgestellt, dass wir gleichwertig auswechseln können - und das bei 16 bis 18 Mann. Das könnte das Zünglein an der Waage sein. Es wird nicht einfacher, wenn du dich mit breiter Brust hinstellst und dir selbst diese Hürde auferlegst. Aber Ziele muss man haben. Und unser Ziel ist der Aufstieg, egal ob als Meister oder in der Relegation.

Welche Mannschaften die Favoriten auf die Meisterschaft? Wer wird sich im Keller im schwer tun?
Wir selbst und Kirchaich. Unten wird es eng. Ich glaube, Dampfach, Geusfeld und die Knetzgauer Reserve werden sich schwer tun.

Am Sonntag geht es gegen Untersteinbach. Wie schätzen Sie die Partie im Vorfeld ein? Was ist der Matchplan?
Untersteinbach ist eine zweikampfstarke Truppe, die einen noch ehrgeizigeren Trainerkollegen hat. Der Isländer Kari ist schon ein wilder Hund, der meiner Meinung nach sehr gut zu den Untersteinbachern passt. Sie werden uns alles abverlangen. Einen Matchplan und Plan B habe ich natürlich. Verraten werde ich den jetzt aber nicht.


Das sagt Kari Reyr Jonsson-Beck


Herr Jonsson-Beck, wie wichtig war der deutliche 6:2-Sieg gegen Dampfach II?
Kari Reyr Jonsson-Beck: Der Sieg in Dampfach war sehr wichtig, wir haben ein super Spiel gemacht. Der Gegner hatte fast keine Chancen, die Gegentore fielen per Elfmeter und nach einer Ecke. Wir haben Dampfach keine Chance gegeben, ihr Spiel zu machen. Mit etwas mehr Cleverness hätten wir noch zwei, drei Tore machen können.

Sechs Tore, vier verschiedene Torschützen - ist das Team der Star in Untersteinbach?
Wir sind ein Team ohne Stars. Wenn wir unser normale Leistung abrufen, können wir jeden Gegner ärgern. Dass wir im ersten Spiel verschiedene Torschützen hatten, überrascht mich nicht. Bei uns sind alle für ein Tor gut.

Wie gut ist der Untersteinbacher Kader aufgestellt? Reicht die Personaldecke?
Wir haben momentan keine Verletzten. Das Problem ist, dass uns bis September in jedem Spiel zwei bis vier Spieler fehlen. Wegen Urlaub, Arbeit und so weiter. Bei unserem Kader mit 15 Mann ist das nicht leicht. Wir haben aber ein paar Fußballrentner in der Hinterhand. Und die sind fast immer bereit, auszuhelfen.

Was ist die Jonsson-Becksche Idee vom Fußball? Welchen Stil soll Untersteinbach spielen?
Das Wichtigste: Spaß haben, auf und neben dem Platz zusammenhalten. Dann ist es egal, welche Taktik wir spielen.

Vergangene Saison sind Sie in ihrer ersten Saison als Trainer gleich aufgestiegen.
Der Aufstieg letzte Saison war einfach geil. Das dramatische Relegationsspiel vor so vielen Zuschauern war der Wahnsinn. Besser konnte es nicht laufen. Das ist nur passiert, weil der Zusammenhalt vorhanden war. Die Jungs haben nie den Glauben an sich verloren.

Welche Mannschaften die Favoriten auf die Meisterschaft? Wer wird sich im Keller im schwer tun?
Der RSV Unterschleichach und der TSV Kirchaich sind für mich die Topfavoriten. Beim Rest wird es spannend. Wer am Ende ganz unten steht, kann ich nicht sagen.

Am Sonntag geht es gegen Unterschleichach. Wie schätzen Sie die Partie im Vorfeld ein? Was ist der Matchplan?
Unterschleichach ist der Favorit. Ich glaube, es wird ein hochintressantes Derby. Wir werden als Außenseiter alles dafür tun, die Steinmann-Truppe zu ärgern. Wie wir das machen, will ich nicht sagen. Aber ich bin mir sicher: Wenn meine Jungs von Anfang an hellwach sind, ist alles möglich. Deswegen ist Fußball der geilste Sport, den es gibt.

Die Fragen
stellte
Felix Mock