Im Juni gab es lange Gesichter in Kalbach: Tennet präsentierte im Süden des Landkreises Fulda eine neue Trassenvariante - über Uttrichshausen. Diese Variante hatten die Gemeinden Künzell, Petersberg und Eichenzell vorgeschlagen. Durch Osthessen verläuft die Alternativtrasse. Wahrscheinlich ist der Verlauf durch Thüringen. Betroffene Bürger und Kommunen können noch Stellung nehmen. Die Hinweise fließen aber nicht mehr in die Unterlagen von Tennet ein, da diese bereits praktisch fertiggestellt sind, erklärt Tennet-Sprecher Tim Sommers. Möglich sei, sich im späteren Beteiligungsverfahren der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu äußern. "Auch hier wird der Landkreis, wie bereits in der ersten Phase, fachlich fundiert Stellung nehmen und Einwände formulieren - und dies ebenfalls wieder in Absprache mit den Gemeinden tun", kündigt der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) an.

Tennet will im Herbst/Winter die Unterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen. Voraussichtlich Anfang 2019 beginnt die Agentur das Beteiligungsverfahren mit Veröffentlichung der Unterlagen. Bürger können zwei Monate lang Einwendungen einreichen, Kommunen eventuell drei. Danach führt die Agentur Erörterungstermine mit den Einwendern durch und legt dann einen Trassenkorridor fest. Hier fällt die Entscheidung: Hessen oder Thüringen. Tennet erwartet, dass dies Mitte 2019 sein wird.

Der Trassenkorridor, den die Agentur - wohl 2019 - festlegt, ist 1000 Meter breit. Der Schutzstreifen, in dem Südlink verlegt wird und der nach den Bauarbeiten von Bebauung und tiefwurzelnden Gehölzen freibleiben muss - Ackerbau bleibt möglich -, beträgt maximal 30 Meter. Der konkrete Leitungsverlauf innerhalb des Korridors wird am Ende des Planfeststellungsverfahrens 2021/2022 von der Bundesnetzagentur festgelegt. 2025 soll Südlink in Betrieb gehen. Für den 700 Kilometer langen Korridor von Südlink und einen weiteren haben die Übertragungsnetzbetreiber nun europaweit den Kauf von Erdkabeln ausgeschrieben. Voraussichtlich Ende 2019 sollen die Lieferanten gefunden sein.

Laut Tennet-Chef Lex Hartmann sind mehrere Tausend Kilometer Erdkabel für die beiden Projekte notwendig: "Darauf muss sich der Markt vorbereiten, damit es nicht zu Engpässen kommt." Daher habe man die Ausschreibung so früh begonnen. Die Spannungsebene wurde noch nicht festgelegt, es seien sowohl 320-kV- als auch 525-kV-Leitungen möglich. Tennet und Transnet BW investieren rund zehn Milliarden Euro in Südlink. Tennet bietet online einen Überblick über die aktuelle Datengrundlage für seine Planungen und die Hinweise.