JOsef Hofbauer In einer Halbzeitbilanz der Gesundheitsregion plus berichtete Geschäftsführerin Bärbel Matiaske den Mitgliedern des Kreisausschusses von einem Pilotprojekt zur Sturzprophylaxe, unterstrich die Bedeutung der Gesundheitsförderung in Erzieher-Berufen und verwies auf geplante Aktivitäten. Oberste Priorität müsse aber die Sicherstellung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung haben.

Dies sei durchaus eine Herausforderung stellte Matiaske fest, denn von 89 Hausärzten im Landkreis Forchheim hätten acht das 68. Lebensjahr bereits überschritten. 37 Hausärzte seien zwischen 50 und 60 Jahre alt. Sie alle bräuchten Nachfolger. "Rechnerisch bräuchten wir jedes Jahr drei bis vier jungen Ärzte", verdeutlichte Matiaske, doch nur 47 Prozent der Stellen für Allgemeinmediziner könnten nach der vorliegenden Fächerwahl-Prognose der Studenten besetzt werden.

Für die Zukunft optimistisch

Dennoch zeigte sich die Geschäftsführerin der Gesundheitsregion plus optimistisch. So seien mittlerweile 14 von 16 allgemeinmedizinischen Praxen im Landkreis Forchheim dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin beigetreten. So hätten die Mediziner gegenwärtig sogar eine Auswahl bei den Bewerbern. In Kliniken seien alle Stellen für Weiterbildungsassistenten besetzt. In den Praxen gebe es nur noch drei freie Plätze.

Anlass zur Kritik gebe aber weiterhin die Tatsache, dass 43 800 junge Menschen Medizin studieren wollten, jedoch nur 9 150 Studienplätze zur Verfügung stünden. Mittlerweile sei ein Notendurchschnitt von 0,9 notwendig, um ein Medizinstudium aufnehmen zu können. Laut einer Berufsstudie von Medizinstudenten könnten sich 88 Prozent der angehenden Mediziner eine Tätigkeit in einer eigenen Praxis vorstellen. Zwei Drittel der jungen Ärzte könnten sich vorstellen, in einer Gemeinde mit weniger als 5000 Einwohnern zu arbeiten. Dabei gelte es zu bedenken: "Der Beruf wird weiblicher", so Matiaske. Deshalb komme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine gesteigerte Bedeutung zu.

Zusammen mit der Seniorengemeinschaft Ehrenbürg wurde ein Projekt zur Sturzprophylaxe für zu Hause lebende Senioren erfolgreich umgesetzt. Um aktiv am Leben teilnehmen zu können, muss der Mensch beweglich bleiben. Doch mit zunehmenden Alter nehme die Wahrscheinlichkeit zu stürzen zu. So wurden ehrenamtliche Übungsleiter ausgebildet, die ältere Menschen unterstützen, ihre Mobilität zu steigern. "Menschen, die auf den Rollator angewiesen waren, können sich nun teilweise wieder frei bewegen", freut sich Bärbel Matiaske. Wegen des großen Erfolges soll dieses Projekt, das es bislang nur in Kirchehrenbach und Ebermannstadt gibt, auf andere Kommunen, unter anderem Heroldsbach, ausgeweitet werden.

Hebammen fehlen

Sichergestellt wurde auch, dass alle Apotheken in Stadt und Landkreis alle gängigen Medikamente vorrätig haben. So könnten lange Wege und unnötige Wartezeiten vermieden werden. Bewährt habe sich auch die Notarzt-Infomappe, der eine Notarzt-Infokarte folgte. Bereits drei von vier Rettungsdiensten hätten dieses System umgesetzt. Damit werde eine aufwändige Suchaktion seitens der Pflegedienste vermieden, wenn ein Patient plötzlich nicht mehr da ist, weil er am Wochenende als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Als Schwerpunktthema soll heuer ein Hebammen Vermittlungsportal eingerichtet werden. Besonders akut sei der Bedarf im Landkreis Forchheim, wo 16 Hebammen 1082 Geburten zu betreuen hätten. Im Landkreis Bamberg entfallen auf 35 Hebammen 1325 Neugeborene. "Wir haben nur halb so viele Hebammen wie wir bräuchten", verdeutlichte Matiaske. Zur Sicherstellung der Hebammenversorgung soll deshalb ab September eine Wochenbett-Ambulanz ins Leben gerufen werden. Dazu soll die Kooperation mit der Hebammen-Schule in Bamberg verbessert werden. Ebenfalls ein Herzensanliegen von Bärbel Matiaske: Ein Projekt zur Verhinderung der Digitalen Sucht soll für Kinder und Eltern entwickelt werden.

Kreisrat Manfred Hümmer (FW) sprach von einem Feuerwerk, das Matiaske gezündet habe. Es sei unheimlich viel Positives passiert. Er attestierte: "Es sind genau die richtigen Schwerpunkte gesetzt worden". Nur der Numerus Clausus von 0,9 für Medizinstudenten gehe an der Realität vorbei.

Edwin Dippacher (CSU) attestierte ebenfalls hervorragende Arbeit, klagte aber über lange Wartezeiten bei Fachärzten. Insbesondere bei psychiatrischen Problemen gebe es zu wenig Ablaufstellen.

Sebastian Körber (FDP) unterstrich die Dringlichkeit des Hebammen-Problems. Für das Medizinstudium forderte er eine Männerquote, denn die besten Ergebnisse würden in gemischt-geschlechtlichen Gruppen erzielt.

Wolfgang Fees (SPD) verwies auf zunehmende Zahl psychischer Erkrankungen und die enorm langen Fehlzeiten, die damit verbunden seien. Hier könne eine Diskussionsplattform mit Vertretern von Arbeitgebern und Medizinern hilfreich sein.

Karl Waldmann (Der Grünen) sprach sich für eine komplette Freigabe des Medizinstudiums aus. Ein besonderer Schwerpunkt müsse auf das Thema Spielsucht gelegt werden. Hier gelte es die Mitte zwischen sinnvoller Nutzung und Abhängigkeit von elektronischen Medien zu finden. Über dem digitalen Wahnsinn gingen Grundkenntnisse der Sprache verloren. Außerdem führe er zu einer eingeschränkten Teamfähigkeit.