Alles beginnt mit einer Wette. Entgegen den Unkenrufen seiner Kollegen über unmotivierte Jugendliche gilt es für den Zimmerermeister Paul Ballmer, in Rekordzeit einen Vorzeigelehrling zu bekommen. Doch statt eines Bewerbungsschreibens erhält Paul einen Brief, der ihn zurück in seine Vergangenheit katapultiert. Er beginnt, aus seinem Leben zu erzählen, das einige Brüche aufweist. Als Kunstfigur Ballmer rekapituliert Richard Betz seinen Lebensweg und bearbeitet dabei Holzstücke nach Leonardo da Vincis Skizzen.
Es sei ein harter Wettbewerb um die Schüler ausgebrochen, sagt Betz. "Um nicht weiter ins Hintertreffen gegenüber der Industrie zu geraten, ist es für das Handwerk notwendiger denn je, an die Schulen zu gehen." Und damit es auch gleich praktisch wird, baut Betz während seines Vortrags die sogenannte Leonardo-da-Vinci-Brücke auf.
"Die Erzählung, flankiert vom Verfugen des Holzes, [...] nimmt Hürden des Lebens in den Blick: Es geht um ein ungeliebtes Studium auf Elternwunsch, um Lehr- und Wanderjahre, um Selbstzweifel, wenn Feile und Hammer noch fremd in Händen liegen, und um die unbändige Freude, aus eigener Kraft etwas zu schaffen."
Richard Betz ist Zimmerman mit Leib und Seele und mit eigenem Betrieb. Als Theater "Kleine Welten" tourte er bereits durch Hessen. "Mit Herz und Hand" entstand als Koproduktion mit dem Theater Transit. Theater Transit erarbeitet Inszenierungen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche und führt generationsübergreifende Projekte durch.


Berufliche Perspektiven

"Schlaflose Nächte" hätten sie nach der Aufführung gehabt, sagten Schüler einer 9. Klasse der Pater-Rupert-Mayer-Realschule in Pullach ihrer Lehrerin Ursula Cieslinski. "Meine Eltern wollen unbedingt, dass ich Abitur mache, aber ich will das gar nicht. Und nun weiß ich, dass es auch andere Wege für mich gibt", sagte ein Pullacher Schüler. So hat das Stück den Jugendlichen neue, für viele bisher ungeahnte berufliche Perspektiven im Zimmererhandwerk aufgezeigt.
Richard Betz ist selbst ältester Sohn eines Bauern und lebt auf dem Land. Sein letztes Theaterstück "Mit Herz und Hand" haben seit der Premiere im April 2015 bundesweit mehr als 20 000 Jugendliche gesehen. Als "Hans im Glück" zog er 2015 als Theater spielender Wanderbursche von Bensheim zum Hessentag nach Hofgeismar.
Bei der Aufführung am Mittwoch, 18. April, ab 19.30 Uhr in der Aula der Freien Waldorfschule in Haßfurt nach einer Idee von Richard Betz hat Ann Dargies die künstlerische Leitung. Autorin des 70-minütigen Stückes ist Michaela Bochus-Hirsch. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwölf und für Schüler sechs Euro. red