von unserem Korrespondenten Nikolas Pelke

Erlangen — Ein 27-jähriger Student ist vom Landgericht Nürnberg-Fürth wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung, Bedrohung und Hausfriedensbruch schuldig gesprochen worden. Das Gericht hat den Angeklagten zu Beginn dieser Woche zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt. Die Vollstreckung dieser Freiheitsstrafe hat Richter Ulrich Flechtner zu Bewährung ausgesetzt.

Junge Frau beendete Beziehung
Was war passiert? Zwei Studenten lernen sich in einem Wohnheim in Erlangen im April 2013 kennen. Die junge Frau trägt als gläubige Muslima ein Kopftuch. Der junge Mann hat als Teenager die Mutter verloren und ist bei der Großmutter alleine aufgewachsen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und kommen sich schließlich näher.

Nach den Weihnachtsferien 2013 folgt nach einer kurzen Liebesromanze das jähe Ende. Die junge Frau will die intime Beziehung beenden. Aus welchem Grund, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Die Geschädigte tritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugin auf.
Kurze Zeit später soll der 27-Jährige eines Abends in das Zimmer der Studentin spaziert sein und sich nackt auf das Bett in dem kleinen Studentenzimmer der Frau gelegt haben. Als die Geschädigte den Angeklagten vor die Tür setzen will, wird der Student plötzlich handgreiflich und zudringlich. Offensichtlich kann er nicht akzeptieren, dass die Liebesbeziehung plötzlich beendet sein soll. Daraufhin soll der junge Mann laut Anklageschrift in dem Zimmer des Opfers damit gedroht haben, dass er seine ehemalige Freundin nun vergewaltigen wolle. Die Studentin gerät in Panik und versucht den Angeklagten vehement von sich fernzuhalten.

Anschließend soll er sie rücklings auf den Boden geworfen haben. Da sich die Studentin weiter wehrt, soll er ihr das Kopftuch vom Kopf gerissen und damit den Mund zugehalten haben. Schließlich kann sich die Geschädigte doch von dem Kopftuch befreien und im Wohnheim um Hilfe rufen. Zwei Mitbewohner stürmen in das Zimmer hinein und ziehen den Angeklagten von der Studentin weg.
Auf der Anklagebank hatte der Student unter Tränen zugegeben, dass es in dem Zimmer des Opfers zu der körperlichen Auseinandersetzung gekommen sei. Allerdings bestritt er, dass er die Frau tatsächlich habe vergewaltigen wollen. Auch wenn ihm die Worte womöglich über die Lippen gekommen seien.
Das Gericht glaubte dem Angeklagten offensichtlich, denn der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung wurde fallengelassen. Freilich spielte die Höhe des Strafmaßes trotzdem eine entscheidende Rolle.

Rechtsanwalt Malte Magold forderte für seinen Mandaten zehn Monate auf Bewährung, die Staatsanwaltschaft plädierte auf elf Monate zur Bewährung. Bei einer Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe ab einem Jahr hätte der Student sein Jura-Studium wohl nicht erfolgreich beenden können.

Kann Studium beenden
Am Ende wurde der junge Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Student hat zudem die Kosten des Verfahrens und Auslagen der Nebenklägerin zu tragen. Die beiden Studenten sollen inzwischen nicht mehr in Erlangen leben und studieren. Verteidiger Malte Magold ist mit dem Urteil sehr zufrieden. "Mein Mandant hat nun die Chance, sich zu bewähren, und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Entscheidend ist, dass er sein Jura-Studium abschließen kann", freut sich Magold. Zufrieden ist auch die Nebenklage mit dem Urteil und dem Strafmaß.