Nach der Sommerpause ist vor den großen Aufgaben: Der Strullendorfer Gemeinderat behandelte in seiner Septembersitzung primär Projekte, die mit Dynamik zu tun haben.
Ein attraktiver Mix aus Genuss und sportlichem Elan: Der erste Brauereienlauf soll ein breites Publikum in die Region bewegen - und zwar nachhaltig. Das neue Projekt der Tourismus-Kooperation Fränkische Toskana kombiniert den Hype rund um Marathon & Co. mit dem flüssigen Lieblings-Kulturgut und plant die Premiere vom 28. bis zum 30. September 2018 als dreitägiges Event mit Volksfest-Charakter. Von der Kloß-mit-Soß-Carbo-Party am Freitag über diverse Läufe am Samstag und Brauereibesichtigungen plus Bierverkostung am Sonntag setzt der sporterfahrene Veranstalter Tricamp aus Gundelsheim auf lokalen Charme durch maximales Einbeziehen hiesiger Produzenten und kreativer Gastronomie.
Minimal sollen die Strecken sieben Brauereien anlaufen, die als sogenannte Stimmungsnester je nach Kapazitäten für die besondere Verpflegung und die Unterbringung der Läufer, das Entertainment und die Bewirtung der Gäste und für die speziellen Sonntagsangebote zuständig sind. Laut Stefan Perchthaler vom Tricamp Brauereienlauf Marketing hat sich für den Lauf-Abschnitt der Gemeinde Strullendorf bisher die Roßdorfer Brauerei Sauer definitiv startbereit gemeldet. "Als eventuelle weitere Teilnehmer haben außerdem die Geisfelder Brauereien Griess und Krug ebenso wie diverse Gastrobetriebe, Bäckereien und Metzgereien aus den anderen Ortsteilen und aus dem Kernort Interesse signalisiert."
Was Versorgungs-Stationen, Absperrungen, Auf- und Abbau und Orga-Personal betrifft, wirbt man außerdem um die Assistenz von Vereinen: Die Region soll zeigen, was sie hat und was sie kann, weil die Brauereien-Variante als regelmäßiges Großereignis angepeilt ist - und zwar immer in den Jahren ohne Weltkulturerbelauf. Während Profi-Läufer und deren Fan-Gemeinden mit dem Gesamtpaket überregional per Marketing-Instrumente wie Flyer gelockt werden, setzt Tricamp bei den Strullendorfer Gemeinderäten auf die Überzeugungskraft der finanziellen Entspanntheit: Die Agentur streckt vor und investiert 50 000 Euro ins neue Baby. Bei ordentlichem Gewinn gibt es danach 500 Euro für jede teilnehmende Gemeinde, bei groben Verlusten jeweils im Höchstfall 2500 Euro Entschädigung. Die Aussicht auf überregionale Furore und die durchdachte Finanzplanung sorgen bei der Abstimmung für hundertprozentiges Einverständnis. Dass sich inzwischen auch Gundelsheim und Scheßlitz für den Beitritt zur Fränkischen Toskana interessieren, registriert das Plenum zusätzlich als Erfolgs-Beleg für die Projekte der Toskana-Tourismus-Liaison.


Schnelleres Netz fürs Gewerbe

Auch die fixere virtuelle Beweglichkeit der ortsansässigen Betriebe steht außer Frage. Glasfaser gilt als optimale Lösung - und natürlich haben die Strullendorfer Gewerbetreibenden Interesse gemeldet. Ob die Gemeinde den notwendigen Ausbau des Gewerbegebietes allerdings komplett selbst angehen soll, bedarf professioneller Abwägung. Nach dem Vorschlag des Bürgermeisters für eine flächendeckende Lösung vom Juli 2017 beauftragte die Gemeinde Reuther NetConsulting zwecks technischer Planung und Grobkostenschätzung. Siegbert Reuther hält drei Lösungsansätze für denkbar.
Als Möglichkeit Nummer eins kann man den ohnehin geplanten Ausbau durch Internetanbieter abwarten - mit den Nachteilen unklarer Zeitplanung, Ausbau in mehreren Abschnitten und mit deren vorgegebenen Produkten. Lösung zwei wäre eine langfristige Vollendung mittels angekündigtem staatlichem Förderprogramm "Graue Flecken" ab ungefähr 2019 mit einer Ausbaudauer von zwölf bis 36 Monaten und angepeilter Inbetriebnahme irgendwann zwischen 2020 und 2022 - mit begrenzter finanzieller Unterstützung.
Lösung Nummer drei wäre der aktive eigenwirtschaftliche Ausbau durch die Gemeinde mit schnellem Vollzug bis Mitte 2019 und mit von Internet-Anbietern unabhängigen Produkten: Ein hoher Invest, der erst nach circa 25 Jahren rentabel sein würde. Vorschlag zur Vorgehensweise vom Profi: Bis zum November 2017 eine Markterkundung durchführen, prüfen welche Netz-Anbieter überhaupt eigenwirtschaftlich ausbauen und gleich danach die Eigeninitiative starten. Bei unverhältnismäßig teuren Ergebnissen allerdings in Vertragsverhandlungen mit möglichen Netz-Anbietern wie STNB, Telekom oder Vodafone einsteigen. Dabei auch Themen wie Pachthöhe der Glasfaser-Leitung und Service-Vertrag angehen und gleichzeitig die Anzahl realisierbarer Hausanschlüsse checken und die Gesamtkosten ermitteln. Laut Beschluss des Gemeinderates wird der Erste Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) aktuell ermächtigt, ein für die benötigten Recherchen und Beratungen geeignetes Ingenieurbüro zu beauftragen, wenn die Beratungsleistung vom Bund gezahlt wird. Diese Anfrage läuft.


Nervöse Unruhe in Sachen Bahn

Das Mobilisierungsprojekt der Bahn mit dem schicken Namen "Deutsche Einheit Schiene Nr. 8.1" sorgt allerdings für nervöse Unruhe. Nachdem der Detail-Plan der deutschen Bundesbahn zum Ausbau der ICE-Trasse bis zum 4. Oktober zur kritischen Begutachtung auslag, bemühte sich die Gemeindeverwaltung sogar einschließlich samstags mit zusätzlichem Personal um maximale Hilfestellung beim Sichten der zehn dicken Ordner und beim Anbringen zahlreicher aufpoppender Betroffenheiten.
Weil auch die zweite Bürgerversammlung vom 31. August erheblichen Informations- und Handlungsbedarf signalisierte, ist eine dritte zum Thema angedacht: Hier sollen Maßnahmen zu den Themen Schallschutz, Grunderwerb und Flächennutzung für die Bauzeit, Baustellenverkehr, Südanbindung, Barrierefreiheit, Durchlass Zeegenbach und weitere Problempunkte, die sich erst beim Sichten der Aktenberge ergeben, ausführlich kommuniziert und dabei befriedigende Lösungsmöglichkeiten offeriert werden.
Zur Behebung diverser Schwierigkeiten durch den Ausbau der ICE-Trasse hat die Gemeinde auch hier Profis beauftragt und lässt sich von Anwälten, Ingenieuren und Architekten unterstützen. Bis zum Ende der Einspruchsfrist am 6. November wird mit Hochdruck am Thema gearbeitet.