Daniel Ruppert

Wenn Cristiano Ronaldo ein Tor schießt, kriegt es die ganze Welt mit, weil der Stürmer von Real Madrid am nächsten Tag mit angespannten Bauchmuskeln die Titelseiten sämtlicher Zeitungen schmückt - auch wenn es das unbedeutende 4:1 per Elfmeter war. Ein Angreifer aus dem Landkreis Forchheim versucht dagegen seit zwei Jahren, sein Mitwirken bei einer Kreisklassen-Mannschaft zu verbergen. Was sich für einen regelmäßigen Torschützen besonders schwierig gestaltet.
"Vor zwei Jahren wurde ich nach einer Verletzung am Knie operiert und war drei Wochen krank geschrieben", erzählt der Stürmer. Daraufhin habe ihm sein Arbeitgeber aus dem Großraum Nürnberg mündlich mitgeteilt, dass er das Fußballspielen besser lasse. Eine Reaktion, die der Kicker nicht nachvollziehen kann: "Ich arbeite seit 20 Jahren in diesem Betrieb und habe so gut wie nie gefehlt. Wenn ich regelmäßig Sport treibe, lebe ich doch gesünder und habe ein besseres Immunsystem."
Der Trend gibt ihm Recht: Ob Lauftreffs in der eigenen Firma oder Zuschüsse zum Besuch eines Fitness-Studios - immer mehr Arbeitgeber fördern die sportlichen Aktivitäten ihrer Mitarbeiter. Klar, die Verletzungsgefahr beim Fußball ist sicher größer als beim Schwimmen, aber darf der Chef einen bestimmten Sport untersagen?
"Grundsätzlich nein", sagt Bernd Behr von der Bamberger Kanzlei AfA-Rechtsanwälte. "Der Arbeitgeber darf dem Arbeitnehmer in Sachen privater Lebensführung keine Vorschriften machen, darunter fällt Sport als Hobby", erklärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Jedoch könne die Ausübung von besonders gefährlichen Freizeitaktivitäten dazu führen, dass der Arbeitgeber im Falle einer Arbeitsunfähigkeit durch diese Betätigungen keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall an den Arbeitnehmer leisten muss. Eine klare Definition, was eine besonders gefährliche Aktivität ist, gebe es nicht. Auch die Rechtsprechung dazu sei wenig aufschlussreich. "Fußball fällt meiner Meinung nach klar nicht darunter", sagt Behr, der einschränkt: "Wenn ich aufgrund meiner privaten Lebensführung häufig Kurzzeiterkrankungen aufweise oder sehr lange verletzt bin, hat der Arbeitgeber möglicherweise ein Interesse, mich zu ersetzen."
Erst kürzlich landete die Deutsche Post in den Schlagzeilen, weil sie befristet eingestellte Mitarbeiter - legalerweise - nicht weiterbeschäftigte, wenn sie innerhalb von zwei Jahren mehr als 20 Tage krank waren.


Haken setzen nicht vergessen

Deshalb gibt sich der Kreisklassen-Stürmer aus dem Landkreis Forchheim Mühe, seine sonntäglichen Einsätze zu verbergen. "Beim elektronischen Spielberichtsbogen kann man hinter dem Namen einen Haken bei ,nicht öffentlich' setzen", erklärt der Abteilungsleiter des Vereins. Somit taucht der Spieler zwar mit seiner Rückennummer sowie eventuell erzielten Toren und kassierten Verwarnungen in der Statistik des Bayerischen Fußball-Verbands auf, allerdings unter dem Kürzel k.A. für keine Angabe. Zudem hat der Klub bei unserem Partnerportal anpfiff.info ein "k.A.-Profil" erstellen lassen.
Gleichwohl ist Fußballer und Funktionär bewusst, dass sich eine Veröffentlichung nicht immer verhindern lässt. So könne derjenige, der den Spielberichtsbogen ausfüllt, den Haken vergessen oder der Berichterstatter des Vereins nennt dem Zeitungsredakteur den Namen, weil er nichts von dessen beruflichem Dilemma weiß. Im Übrigen können auch Schiedsrichter öffentlich anonym bleiben, müssen das aber im Vorhinein dem Einteiler oder dem Obmann mitteilen.