Ein volles Haus bei der Bürgerversammlung in Pettensiedel. Der Raum reichte nicht aus, die Bürger wichen ins Nebenzimmer aus oder blieben stehen. Die Lindelberghalle ist das Thema, das derzeit allen Bürgern auf der Seele brennt.

Vor allem Werner Losch aus Pettensiedel hatte schon einige Bürgerversammlungen besucht und sich im Rathaus Zahlen besorgt. In seinen Ausführungen bezog er sich zunächst auf die Bürgerversammlung in Pommer. Dort war bereits ein Bürgerentscheid gefordert worden. Vor allem aber bezifferte Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) die Pro-Kopf-Verschuldung auf 1000 Euro und zog einen Vergleich zu den 1500 Euro im bayerischen Schnitt. Der damalige Fragesteller meinte, man liege damit gar nicht so schlecht, so Losch in seinen Ausführungen.

Aber: Diese Verschuldung komme im privatrechtlichen Bereich einem Konkurs gleich, meinte Losch, und hätte erwartet, dass der Bürgermeister oder die Bürgermeisterkandidaten, die alle anwesend waren, das den Bürgern erzählen müssten.

Losch: Fixkosten nicht gedeckt

Damit ging Losch zum Thema Nutzungskonzept für die Lindelberghalle über. Dieses Nutzungskonzept soll aufzeigen wer wann welche Räume nutzt und daraus folgend, wer durch die Nutzung welche Preise zu bezahlen hat und ob sich das Gebäude überhaupt refinanziert. Der Pettensiedler Bürger kritisierte, dass dieses Nutzungskonzept ein internes Arbeitspapier für die Marktgemeinderäte sei und forderte Einsicht. Auch weiterhin würden nur zwischen 30 und 40 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden. Da die Vereine ehrenamtlich arbeiten, würden sie finanziell nicht so stark zur Kasse gebeten, was die Belegungskosten betrifft. Mit diesem Geld jedoch könnten die Fixkosten nicht gedeckt werden. Konzert- und Musikveranstaltungen, Firmenevents und Seminare könne man sich in der Halle vorstellen.

"Hat schon irgendjemand mit irgendwelchen Veranstaltern und Firmen gesprochen, um Erlöse zu generieren? Hat schon irgendjemand mit den Anwohnern um die Halle über Pkw-Verkehr und Lärm gesprochen? Hat schon irgendjemand mit einem eventuellen Gastronomen über die Vermietung und den Bedarf der Gaststätte gesprochen und wie viel Pacht dafür entsteht?", fragte Losch.

Er geht davon aus, dass die sechs Millionen Euro an Investitionskosten der Gemeinde bleiben. Und sie müssten in 15 Jahren zurückbezahlt werden. "Das sind 400 000 Euro pro Jahr Zins und Tilgung und 230 000 Euro pro Jahr für nicht gedeckte Betriebskosten, macht 630 000 Euro pro Jahr Fixkosten für die nächsten 15 Jahre. Tut mir leid, ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll", meinte Losch.

Seiner Meinung nach ist der Gemeinderat für das Wohl der Gemeinde und ihrer Bürger da. Die Einwohner von Igensdorf sollten über ihre finanzielle Zukunft selbst entscheiden. Dazu will Losch ein Aktionsbündnis starten, wie er ankündigte: das Aktionsbündnis für ein Bürgerbegehren "Stoppt die Generalsanierung der Lindelberghalle".

Auf die Veröffentlichung des Nutzungskonzepts, und zwar eines bezahlbaren, wolle er aber noch warten und Losch äußerte die Hoffnung, das Bürgerbegehren doch nicht durchführen zu müssen.