Marion Krüger-Hundrup Eine neunköpfige Familie lebt in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung. Nachdem die älteste Tochter selbst Mutter geworden ist, sucht die Großfamilie nach einer passenden Bleibe. "Doch bei Besichtigungen werden sie von Vermietern als erste aussortiert", beklagt Ute Böhm von der Sozialen Beratungsstelle des Caritasverbandes Fürth. "Extrem verschlechtert" habe sich auch die Situation der Geflüchteten bei der Wohnungssuche: "Das ist ein riesengroßes Problem, weil sich die Einstellung der Bevölkerung drastisch verändert hat."

Aufmerksam hört Erzbischof Ludwig Schick zu, macht sich Notizen. Weitere Berater der Caritas im Erzbistum Bamberg liefern weitere Informationen über die prekäre Lage von Familien mit mehreren Kindern. Da gerät der äußere Anlass für dieses Zusammentreffen von Erzbischof und Caritas fast in den Hintergrund: Nämlich die Übergabe von 30 500 Euro aus Ludwig Schicks Familienstiftung "Kinderreich", die mit der Caritas zusammenarbeitet. Diözesan-Caritasdirektor Helmar Fexer nimmt am Schluss des Fachgesprächs den symbolischen Scheck entgegen: "Das Samenkorn Familienstiftung und der Grundauftrag der Caritas, nahe am Menschen in Not zu sein, gehen zusammen", sagt Fexer.

Insgesamt wurden 31 Anträge auf Einzelfallhilfe von 25 250 Euro bewilligt sowie 5 250 Euro als Zuschuss an zwei Caritas-Projekte in Coburg und Erlangen vergeben. "Ich schaue mir jeden Antrag selber an, weil ich wissen möchte, wie es Menschen mit vielen Kindern geht, wenn staatliche Maßnahmen nicht greifen", betont Schick.

Der Erzbischof will mit seiner Stiftung "Lobbyarbeit für Familien" leisten, also denen eine Stimme geben, die mit gesellschaftlichen Vorbehalten und finanziellen Risiken leben müssen. "Kinderreiche Familien sind frohe Familien, und natürlich hat nicht jede Probleme", weiß Schick, der selbst mit 30 Cousins und Cousinen aufgewachsen ist. Doch um das Klientel der Caritasberatungsstellen geht es an diesem Nachmittag im Haus des Caritasverbandes.

Von "Multi-Problem-Familien" spricht etwa Verena Zepter von der Sozialen Beratung der Caritas Erlangen. Ihre Kollegen berichten von Belastungen durch Krankheit, Arbeitsplatzverlust - und eben Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Die Caritas-Fachkräfte fordern eine "Lern- und Denkinitiative": flächendeckende Wohnraumbörsen und lokale Runde Tische, um das Thema anzugehen.

Der Erzbischof sichert den Caritasvertretern zu, sich an die Pfarrer im Erzbistum zu wenden mit der Aufforderung, beispielsweise Seniorenclubs für die Wohnungsfrage zu sensibilisieren. Denn viele alte Menschen leben allein in großen Wohnungen. Das Stichwort "Wohnraumtausch" fiel: "Singles könnten ihre große Wohnung gegen eine kleinere tauschen und dabei konkret Unterstützung durch die Caritas bekommen", lautet ein Vorschlag.

Passend zu "Nikolaus" übergibt der Caritas-Berater Klaus Will dem Erzbischof einen handgeschriebenen Brief. Schick ist sichtlich berührt, als er ihn vorliest. Eine alleinerziehende Mutter von fünf Kindern bedankt sich mit herzlichen Worten bei Erzbischof Schick, dass er aus seiner Familienstiftung einen Wäschetrockner finanziert hat. "Im Winter ist es schwer, die viele Wäsche an der Luft zu trocknen", heißt es in dem Brief.