Ekkehard Roepert Kreis Forchheim — Rückblickend wirkt die Vorgehensweise skandalös: Jahr für Jahr haben auch die Gemeinden im Landkreis Forchheim große Summen investiert, um das eigene Ökosystem zu zerstören. Es fehlte schlicht an Bewusstsein für die Bedeutung der Blühstreifen an den Rändern der Straßen. Die Debatte um das Volksbegehren für die Bienen hat einen Bewusstseinswandel bewirkt.

Das sogenannte Mulchen, also das Mähen der Grünflächen an den Wegrändern, wird jetzt drastisch eingeschränkt. Landrat Hermann Ulm (CSU) hat die Angelegenheit zur Chefsache gemacht. Wie Kathrin Schürr (Pressesprecherin am Landratsamt) betont, sei das Thema gerade "im Umbruch".

Auslöser war im Mai der CSU-Vorstoß im Kreistag. Sämtlichen Fraktionen hatten den Antrag mitgetragen. Daher macht sich Hermann Ulm nun in den 29 Gemeinden des Landkreises für das neue Konzept stark: Nur noch dort darf drei Mal pro Jahr gemäht wird, wo es der Verkehrssicherheit dient. Sämtliche Grünstreifen, die an Böschungen liegen, werden demnach bis zur Grundstücksgrenze nur noch einmal im Jahr gemulcht. "Auch auf sogenannten Ausgleichsflächen genügt einmaliges Mähen pro Jahr", betont Kathrin Schürr.

Naturaktivisten wie Heinz Marquart (Eggolsheim) hatten diese Vorgehensweise seit Jahren vergeblich gefordert. In den Gemeinden, Landkreisen und auf den Flächen des Bundes seien es mindestens 200 000 Hektar Ökofläche, "die tagtäglich durch Mulchgeräte zum Kampfplatz öffentlicher Interessen gemacht werden", kritisiert Marquart. Er sieht darin einen "Krieg gegen die Artenvielfalt". Auch deswegen, weil moderne Mähtechniken mit ihren rotierenden Ketten 90 Prozent der Insekten vernichten. Konsequenz: Jedes gemähte Hektar Wiese bedeute das Sterben von fünf Vogelfamilien, weil sie mangels Insekten verhungern. Daher fordert Heinz Marquart nicht nur, dass weniger, sondern dass auch schonender gemäht werde.

Marquart ist erbost, dass sich die gängige Praxis über das bayerische Umweltgesetzgebung hinwegsetze. "Die öffentlichen Flächen müssten endlich ökologisch bewirtschaftet werden."

Immerhin scheint ein Anfang gemacht zu sein. Wobei Kreisrat Edwin Dippacher (CSU) betont, dass der Antrag seiner Fraktion schon vor der Debatte um die Bienen formuliert worden war. "Ich bin selbst seit 30 Jahren Imker. Ich habe seit langem kritisiert, dass in manchen Gemeinden fünf Mal im Jahr gemäht wurde." Kritik übt Dippacher auch an jenen Gemeinden, die das Mähen an Maschinenringe vergeben. Das Geschäft mit dem Mähen habe dazu geführt, "dass man in manchen Gemeinden selbst im Winter drüber geht."

So gesehen war die Gemeinde Hallerndorf ihrer Zeit voraus. "Extensiv und restriktiv" werde hier gemulcht, betont Bürgermeister Torsten Gunselmann (FWG Schnaid-Stiebarlimbach). Um Geld zu sparen, würden nur wenige Aufträge an ansässige Landwirte vergeben: "Wir mähen nur dort, wo es sein muss, alles andere bleibt am Straßenrand stehen", sagt Gunselmann. "Gräben werden grundsätzlich nur einmal im Jahr gemäht."

"Wir setzen das schon um", sagt der Eggolsheimer Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB/OEB/AS) in Bezug auf die neue Strategie des Landkreises. "An den Straßen und Wegen halten wir uns mit dem Mähen zurück", betont er. "Die Devise lautet: Wir mulchen nur noch dort während des Frühjahrs und Sommers, wo es die Verkehrssicherheit erfordert. Das Umdenken ist in den Köpfen, das Handeln läuft."

Der Bürgermeister spricht von "win-win": Der Bauhof sei weniger im Einsatz: "Es spart Geld und nützt der Artenvielfalt."