Marco Meissner Dichte Wälder, weite Felder, welliges Terrain, historische Gebäude - es gibt viele Gründe, den Landkreis Kronach zu durchwandern. Trotzdem ist die Vermarktung als Wanderregion kein Selbstläufer. Markus Franz, Geschäftsführer des Frankenwald Tourismus Service Center, weiß, der moderne Wanderurlauber erwartet Qualität und den Blick über den Tellerrand.

Zentrales Thema für Region

"Wandern ist aus touristischer Sicht, aber auch für die Region insgesamt ein zentrales Thema", erklärt Franz im Gespräch mit dem Fränkischen Tag. Dass unsere Heimat inzwischen als "Qualitätsregion wanderbares Deutschland" firmieren darf, passt da gut ins Bild. Dieses Siegel wurde bisher nur vier Regionen in ganz Deutschland verliehen. Mit diesem Pfund möchte der Tourismusfachmann daher noch mehr wuchern. "Wandern kann man überall", stellt er hierzu fest, "aber es geht darum, besser aufgehoben zu sein."

Franz sieht in einem hochwertigen Angebot beispielsweise auch die Verknüpfung mit anderen Themenbereichen, zum Beispiel mit Genuss und Kultur. "Die Leute wollen ja nicht nur wandern", sagt er. Dem einen stehe neben dem Fußmarsch der Sinn nach Radausflügen, der andere gehe abends gerne mal ins Theater. Die Interessen der Wanderurlauber seien heute ebenso vielfältig gestreut wie ihre Alters- und familiären Strukturen. Junge Leute, Senioren, Familien - es gilt vielen verschiedenen Ansprüchen an das Thema "Wandern" gerecht zu werden.

Ein Konzept hat schon jetzt "eingeschlagen wie eine Bombe": der Frankenwald-Steig und die 31 Steigla. Sie sind in Franz' Augen die Essenz der Wanderregion, die von Landschaft und Wegbeschaffenheit her schönsten Touren. Selbst die einheimischen Wanderfreunde seien durch dieses Angebot auf den Geschmack gekommen, öfter mal nicht nur vor der eigenen Haustür, sondern im gesamten Frankenwald die Wanderstiefel zu schnüren, stellt Franz fest. Die Steigla würden regelrecht "gesammelt". Und kostenlos erhältliche Wanderkarten führten von Steigla zu Steigla. "Auch das verstehen wir unter dem Stichwort Qualitätsregion - auf einfachem Weg an Informationen zu kommen", betont der Tourismusexperte. Ein guter Onlineauftritt und der Service vor Ort sind für ihn selbstverständlich ebenso Qualitätsmerkmale. Über 40 Kriterien seien für das Siegel der Qualitätsregion zu berücksichtigen. "Da geht es um mehr als ,nur‘ einen schönen Wanderweg."

Flächendeckendes Angebot

Dabei verlangt alleine schon ein gutes, gepflegtes Streckennetz allen Beteiligten einiges ab. "Denn in der ganzen Region und mit entsprechender Dichte Wege anzubieten, ist schon ein bisschen tricky", so Franz. Deshalb ist er froh, dass der Ball von vielen helfenden Händen wie Wandervereinen oder Gastgebern so engagiert aufgenommen wird.

Wie gut die Wanderregion inzwischen angenommen wird, zeigt sich auch an ihren Zentren. In Kronach und Kulmbach standen früher laut Franz vor allem die Stadt- oder Festungsführungen im Fokus der Besucher. Die "Zugpferde Steigla" führen nun dazu, dass auch aus den beiden Kreisstädten mehr Anfragen von Gästen zu den Wandermöglichkeiten kommen. Durch die Zertifizierung als Qualitätsregion wurden also viele Verbesserungen erreicht. Dennoch will Franz die Augen weiter offen halten. Hier und da kann noch an einigen Kleinigkeiten gefeilt werden, wie zum Beispiel an der Ausschilderung der Einkehrmöglichkeiten. An anderer Stelle wird sich allerdings nicht so einfach nachjustieren lassen. "Ein leidiges Thema ist die Gastronomie. Da müssen wir sehen, wo sich's hinentwickelt", meint Franz zur Schwierigkeit, bei möglichst vielen Wanderwegen naheliegende Gaststätten anbieten zu können.

Fest steht für ihn, dass alle Beteiligten die Möglichkeit zur Optimierung der Wanderregion fortwährend auf dem Schirm behalten müssen. Und dass noch stärker nach Vernetzungen gesucht werden sollte. Wie lassen sich beispielsweise die Flößerei in Wallenfels, die neuen Angebote auf der Festung oder die Walderlebnisse im Oberen Rodachtal in ein attraktives Wanderprogramm einbinden? Diese Fragen gilt es zu klären. Denn für Franz ist eines klar: "Es gibt ganz viele tolle Sachen in unserer Region. Man muss nur aufspringen."