In Deutschland grassiert das Usutu-Virus und befällt vor allem Amseln. Vor zwei Tagen wurden auch in Nürnberg tote Singvögel gefunden, die mit dem Virus infiziert waren. Doch auch in Forchheims Gärten sind Amseln kaum noch zu sehen.

Helmut Schmitt, Kreisvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz, glaubt jedoch nicht, dass das am Usutu-Virus liegt. Tote Amseln seien im Landkreinicht gefunden oder nicht gemeldet worden. Er vermutet, das Verschwinden der Amseln liegt an der Brutbiologie der Amseln.

"Die Amsel brütet mehrmals im Jahr und wenn sie im Garten Junge versorgen muss, dann bleibt sie auch dem Garten treu." Meist sind die Bruten im Juli abgeschlossen und die Amseln verteilen sich wieder. "Wäre der Grund das Virus, dann würde man auch tote Tiere finden", meint Helmut Schmitt. Eine Amsel, die an dem Virus erkrankt ist, würde apathisch wirken und nicht mehr flüchten.

Hilfe gibt es für infizierte Tiere nicht. Sie sterben meist innerhalb weniger Tage. Übertragen wird das Virus durch die Stechmücke, wie sie ganz normal in Regentonnen vorkomme. Die gemeine Hausmücke beispielsweise kann den Virus zwischen Vögeln übertragen, die als Hauptwirt fungieren.

"Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika und vermutlich haben Zugvögel das Virus vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt. Spätestens seit Mitte der 90er Jahre sorgt das Virus für kleinere, wiederkehrende Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen. In Deutschland wurde es erstmals 2010 nachgewiesen.

"Weiter lässt sich sagen, dass, je wärmer der Sommer, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung ist", erklärt Schmitt. Tatsächlich ist es so, dass fast ausschließlich Amseln oder Kleiber von dem Virus infiziert werden. "Teilweise brach in manchen Gebieten die Amselpopulation fast ganz zusammen. Allerdings konnte sich diese in den nächsten Jahren meist vollständig erholen", weiß Schmitt.

Das Virus ist durch einen Mückenstich auch über den Menschen übertragbar, was jedoch eher selten der Fall ist. Würde sich ein Mensch mit dem Virus anstecken, zeigt er Symptome wie bei einer leichten Grippe.

Allerdings rät Helmut Schmitt, tote Vögel nicht mit bloßen Händen anzufassen. "Ein toter oder kranker Vogel sollte nur mit Handschuhen angefasst werden. Melde- oder anzeigepflichtig, wie eine Pressemitteilung informierte, ist die Krankheit aber nicht, und sie befällt auch kein Geflügel.

Parasiten fühlen sich wohl

"Konsequenzen wie bei der Vogelgrippe gibt es nicht", sagt Bernhard Hauser, Leiter des Veterinäramts in Forchheim. Neben dem Usutu-Virus, der von der normalen Stechmücke übertragen wird, müssen sich die Menschen aber auf andere durch Stechmücken oder Zecken übertragene Krankheiten einstellen, die im Reisekoffer eingeschleppt wurden.

"Diese früher nur in den Tropen vorkommenden Parasiten fühlen sich inzwischen auch hier wohl." Vor 30 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen", informiert Hauser.

Die Blauzungenkrankheit, von der 2008 erstmals zu hören war, ist ein Beispiel davon. Diese Krankheit befällt Wiederkäuer und war eigentlich in Afrika beheimatet. "Auch mit dem Westnilfieber muss hier sicher gerechnet werden", meint Hauser. "Das sind eigentlich alte Krankheiten, um die man sich hier nie kümmerte." So würden auch hier weitere Krankheiten mit Namen bekannt werden, die bislang nur in Afrika grassierten wie die Babesiose, die durch Zecken bei Hunden hervorgerufen wird.

"Was der Winter früher weggefroren hat, friert er nicht mehr weg", begründet Hauser, dass der Klimawandel für die Einreise der Parasiten und somit für Krankheiten verantwortlich ist.