Verbraucherzentralen könnten Romane füllen über schwarze Schafe unter den Strom- und Erdgasanbietern. Auch Simon Weber, Marketing- und Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Neustadt (SWN), bekommt es immer wieder mit deren Auswirkungen zu tun. "Die unseriösen Bewerber nutzen die Unwissenheit und Freundlichkeit ihrer potenziellen Kunden aus. So bekamen Kunden nach einem Anruf von einem anderen Lieferanten gleich einen abgeschlossenen Stromvertrag zugeschickt, obwohl sie nur Informationen angefordert hatten. Diese Kunden hatten am Telefon entweder Stromzähler- oder Kundennummer sowie Name und Wohnort weitergegeben", erklärt Simon Weber. Er beschreibt das daraus resultierende Dilemma: "Mit diesen hochsensiblen Daten kann jeder Stromanbieter beim ursprünglichen Lieferanten kündigen, auch wenn der Kunde davon nichts weiß oder es nicht möchte. Erst als unsere Kunden den neuen Stromvertrag in der Post hatten, merkten sie, dass sie die Daten nicht hätten herausgeben dürfen."

Widerrufsrecht wird ausgehebelt

Andere erstaunte SWN-Kunden erhielten erst mit der Kündigungsbestätigung der SWN Kenntnis von ihrem Anbieterwechsel. Der SWN-Vertriebsleiter weiß auch warum: "Jeder Kunde hat ein 14-tägiges Widerrufsrecht und sollte das in so einem Fall auch sofort nutzen. Allerdings verhinderten die dubiosen Anbieter in vielen Fällen dies, indem sie die Schreiben verzögerten oder Ablauffristen verstreichen ließen."

Zum Glück will der Gesetzgeber die Kündigung ohne Unterschrift nun verhindern, doch bis ein entsprechendes Gesetz in Kraft tritt, sieht Simon Weber eine andere Gefahr: "Im Moment sind die unseriösen Anbieter verstärkt auf Kundenfang. Wir raten deshalb jedem eindringlich, keine persönlichen Daten wie Zähler-, Kunden- oder gar Kontonummern herauszugeben!"

Von betroffenen Kunden wissen die Stadtwerke, wie schwer es teilweise ist, hier nichts preiszugeben: "Viele wurden am Telefon geradezu überfahren und wussten sich nicht anders zu helfen, um dem ausgeübten Telefonterror ein Ende zu bereiten."

Doch damit beginnt der Ärger meist erst. Simon Weber rät zu einer anderen Möglichkeit: "Auch, wenn es schwerfällt: Lassen Sie sich mit den Anrufern in kein Gespräch verwickeln und antworten Sie möglichst nicht auf Fragen. Auch, wenn Sie höflich bleiben wollen - manchmal ist einfach auflegen oder die Haustür schließen die beste Lösung!" Das gelte auch für Anbieter, die sich als angebliche SWN-Mitarbeiter ausgeben und an Kunden wenden. Auch dies sei schon mehrfach geschehen.

SWN: keine Haustürgeschäfte

Simon Weber betont: "Egal, ob jemand am Telefon oder vor der Haustür scheinbar im Namen der SWN Strom- und Erdgasverträge oder Verträge der Telenec anbietet: Wir bieten grundsätzlich keine dieser Verträge durch Haustürgeschäfte oder Drittanbieter am Telefon an!" Wer Fragen hat oder Hilfe braucht, könne sich an die Mitarbeiter der SWN-Verbrauchsabrechnung unter Telefon 09568/8520 wenden. "Wir helfen Ihnen weiter", verspricht Simon Weber. red