So ernst wie auf der Versammlung der SPD Hofheim hat man Bernhard Ruß, den Bezirksrat und Bürgermeister von Sand, nur selten gesehen. Es sind die jungen Leute, um die er sich Sorgen macht. Immer häufiger erkranken 18- bis 25-Jährige an Depressionen, Angststörungen oder leiden unter Panikattacken, wie er laut einem Bericht des SPD-Ortsvereins deutlich machte. Die Erfahrungen der psychiatrischen Kliniken des Bezirks decken sich nach seinen Angaben mit den Ergebnissen des jüngsten Arztreports einer Krankenkasse. Die Ursachen benennt der Report: Zeit- und Leistungsdruck, finanzielle Sorgen und Zukunftsängste.
"Die SPD", so Bernhard Ruß "hat als Garant der Interessen junger Leute einen wichtigen Erfolg mit dem Koalitionsvertrag erzielt: Das unbefristete Arbeitsverhältnis wird wieder zur Regel. Jeder kann sich vorstellen, wie es ist, wenn man von einem Halbjahresvertrag auf den nächsten hofft." Der "Generation Praktikum" werde so am besten geholfen. Auch an die Studierenden, die in der Studie mit 470 000 Erkrankten vertreten sind - was zweifellos nur die Spitze des Eisbergs sei - habe die SPD im Koalitionsvertrag gedacht: Das Bafög werde erhöht und Wohnraum für Studenten wird gefördert. "Das kann aber nur der Anfang sein. Denn", so Bernhard Ruß, "wir müssen uns noch mehr um die Zukunft der Menschen kümmern. Und zwar konkret. Es kann nicht sein, dass die Wohlstandsschere bei uns immer weiter auseinander geht. Es darf nicht sein, dass Kapitaleinkünfte mit 25 Prozent, die Arbeit von Normalverdienern dagegen mit bis zu 43 Prozent versteuert werden. Es ist Aufgabe der SPD, diese Diskussion in unserer Gesellschaft zu führen."


Kliniken unter einem Dach?

Die Hofheimer Stadträtin Judith Geiling befragte Bernhard Ruß und Kreisrat Paul Hümmer zur Situation der Haßberg-Kliniken. Ein Millionen-Defizit belastet die Krankenhäuser.
"Ich meine, wir sollten die Haßberg-Kliniken unter einem größeren Dach unterbringen", sagte Paul Hümmer. "Nur so haben sie eine Zukunft."
"Unser Haßberge-Kreis gehört wie Schweinfurt auch zur Planungsregion Main-Rhön und deshalb wäre ein Ausbau der Zusammenarbeit auch auf medizinischem Gebiet angebracht und sollte auch möglich sein", betonte Bernhard Ruß. Ein Diskutant bedauerte eventuell längere Wege für Besucher von Kranken, falls es zu einer Neuorganisation käme. "Vom Wunsch des Patienten aus gedacht", so Kreisrat Paul Hümmer, "ist das sicher wichtig. Wichtig wird ihm aber auch sein, dass er die bestmögliche Behandlung erfährt - und das ist heute eine Frage der technischen und personellen Ausstattung. Und da muss sich der Landkreis Haßberge schon fragen lassen, wie viele Mittel er noch ohne tragfähiges Konzept für die Zukunft in die Haßberg-Kliniken investieren will, wohl wissend, dass sie nie die Ausstattung großer Kliniken in der Umgebung erreichen können." red