Veronika Schadeck In einem Pressegespräch am Mittwochmittag zeigte sich die SPD-Kreistagsfraktion im Wesentlichen zufrieden mit der Arbeit im Kreistag. Aus ihrer Sicht kommt es jetzt aber darauf an, am Ball zu bleiben und Erkenntnisse der letzten Monate nicht im Sand verlaufen zu lassen.

Die Realisierung des Nahverkehrskonzepts, die Konkretisierung des Projekts Lucas-Cranach-Campus, die Erstellung eines Klimaschutzplans für Einrichtungen des Landkreises, die Ansiedlung einer Landesbehörde im Landkreis und die bevorstehenden Kommunalwahlen, das sind die Schwerpunkte, die sich die SPD für den Rest des Jahres 2019 auf die Fahne geschrieben hat.

"Die Sommerpause ist vorbei, es könnte ein heißer Herbst werden", so Richard Rauh. Es war nichts Neues, als er betonte: "Die Umsetzung des Nahverkehrskonzepts ist für mich eine Herzensangelegenheit." Er wies darauf hin, dass mittlerweile viele Angebote von Unternehmen eingegangen seien, Ende September solle die Auswahl erfolgen. Für seine Fraktion gehöre zur Umsetzung auch ein attraktives Preismodell. Deshalb sei ein Antrag gestellt worden, dass die Bürger in den ersten zwei Monaten nach Einführung kostenlos die Angebote für den Linien-, Schüler- und Bedarfsverkehr nutzen können. Zudem soll danach nur ein Euro bis zu zehn Kilometern und je weitere zehn Kilometer ein Euro mehr verlangt werden. Außerdem fordert seine Fraktion die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickes. Ihm sei durchaus bewusst, dass die geschätzten Kosten in Höhe von rund sechs Millionen Euro nicht durch die Fahrtkosten und den Landkreis gestemmt werden können, hier sei auch die Staatsregierung gefordert.

Weiterhin wurde die Erstellung eines Klimaschutzplans für die Einrichtungen des Landkreises beantragt. Der Klimaschutzplan soll für die energetische Gebäudesanierung, für die Installation von LED-Beleuchtung und Photovoltaik gelten. Außerdem soll auch über die Nutzung von Elektro- und Wasserstofffahrzeugen beim kreiseigenen Fuhrpark nachgedacht werden.

Ferner müssten Gespräche mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder geführt werden. Nicht zuletzt aufgrund dessen, dass die Region stark von der wankenden Autoindustrie abhängig sei, müsse eine Behörde in den Landkreis verlagert werden. Dadurch entstünden viele gute, qualifizierte und sichere Stellen im Dienstleistungssektor.

Wie bereits berichtet, wurden über 100 000 Euro in die Erstellung einer Wohnraum-Bedarfsanalyse und in ein seniorenpolitisches Konzept investiert. Man müsse nun darauf achten, dass die Ergebnisse nicht, wie vor einigen Jahren beim Sozialbericht passiert, in einer Schublade landen, so Rauh. "Wir müssen darauf aufbauen."

Rauh wies zudem auf die Sondersitzung des Kreistags am 4. November mit dem Schwerpunkt "Lucas-Cranach-Campus" hin. "Ich sehe den Campus durchaus als eine Chance!" Allerdings, so betonten er und auch sein Stellvertreter Ralf Pohl, müssten Fragen nach Inhalten, Ausgestaltung, Strategien, Kosten und Trägerschaft beantwortet werden. Deshalb wäre es schön, wenn jemand vom Kultusministerium und der Regierung von Oberfranken anwesend wäre, um auch deren Ansichten zu hören, meinten die Sozialdemokraten.

Kritisch äußerte sich Richard Rauh über das Demografie-Kompetenzzentrum, das mit 1,3 Millionen Euro gefördert werde und von Januar 2017 bis 2020 laufe. Die Frage der SPD: Wo sind die "innovativen Lösungsstrategien?". Und: "Außer Statistiken hat das bisher nichts gebracht!" Für Rauh gehen die von diesem Zentrum auf den Weg gebrachten Mitfahrbänke an der Realität vorbei. Er begründete das damit: "Wenn ich einen Arzt- oder Behördentermin habe, kann ich nicht auf den Meister Zufall warten."

Weiterhin sollte der Kreistag mehr Druck auf die Staatsregierung ausüben, wenn es um Industrieansiedlungen gehe. Es könne nicht sein, dass die Agentur Invest Bavaria 80 Prozent aller neuen Firmen dahingehend unterstütze, sich in Ballungszentren anzusiedeln. Hier müsse auch Söder aktiv werden. Schließlich gehe es der CSU um die Schaffung von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Bayern.

Ein Lob bekam Klaus Löffler vom SPD-Fraktionsvorsitzenden: "Der Landrat strampelt sich schon ab, aber er wird ja auch dafür bezahlt!"