Den SPD-Ortsverein Buch am Forst gibt es nicht mehr. Einwohner jeder politischen Coleur bedauern die Auflösung eines politischen Traditionsvereins, der über ein knappes Jahrhundert das Geschehen in der damaligen selbstständigen Gemeinde mitgeprägt hat.


Schramms Tod schwerer Verlust

Auch nach der Eingemeindung nach Lichtenfels am 1. Januar 1978 spielte die SPD unter ihrem damaligen Vorsitzenden Alfred Schramm eine wichtige Rolle in der Forstgemeinde. Mit den Stadträten Schramm und Hannelore Knorr war die SPD Buch im Stadtparlament vertreten. Alfred Schramm verstarb einen Tag nach seinem 80. Geburtstag im November vergangenen Jahres. Ein neuer Vorsitzender konnte nicht gefunden werden.
Anfang 2018 leitete der SPD-Unterbezirk mit seinem Vorsitzenden Simon Moritz die Auflösung ein. Die Mitglieder wurden zunächst informiert und der Versuch unternommen, doch noch einen Vorsitzenden zu finden. Den verbliebenen acht Mitgliedern wurde freigestellt, entweder in den Ortsverein Schney oder den Ortsverein Lichtenfels zu wechseln. Die in Buch lebenden Mitglieder zogen es vor, nach Schney zu gehen, die Lichtenfelser wechselten in den dortigen SPD-Verein. Das Vermögen des Vereins wurde in beiden Vereinen aufgeteilt.
Auch SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Müller bedauert die Auflösung des Bucher Vereins. "Buch ist für uns ein wichtiger Stadtteil. Mit Hannelore Knorr und Alfred Schramm war Buch im Stadtrat gut vertreten", sagte er unserer Zeitung. Es sei heute sehr schwer, kleinteilige Strukturen zu erhalten, begründete er die Auflösung des Bucher Vereins. Früher war in Buch immer etwas los, sagen die älteren Einwohner in Buch. Die Landtagsfahrten nach München, die von der SPD organisiert wurden, haben sie noch gut in Erinnerung. Auch die kleineren Streitigkeiten der beiden politischen Vereine waren Anlass zur Heiterkeit. Beide zählten nach der Eingemeindung rund 20 Mitglieder, beide warben um Anhänger: Schramm für die SPD und Angermüller für die CSU. Auch im Vereinsleben spielte die Politik eine Rolle. Der Vorsitzende des Sportvereins war zeitweise ein Schwarzer, während der Leiter der damals großen Wanderabteilung immer ein Roter war. Meinungsverschiedenheiten wurden öffentlich ausfochten.


Es ging hoch her

Bei den Versammlungen des TSV ging es immer hoch her. Bäckermeister Helmut Leicht erinnerte sich: "Die SPD war nach dem Krieg mit bis zu 70 Mitgliedern dominierend bei uns." Der damalige Bürgermeister Schneyer machte Buch zu einer Hochburg der SPD. Der Sportverein war fest in roter Hand. Unvergessen sei das 50. Jubiläum, das mit allem Drum und Dran gefeiert wurde. Einträchtig beieinander standen die Kontrahenten Schramm und Angermüller beim Pflanzen der Helmut-G-Walther-Linde am 3. April 1982. Wenn es um das Wohl der Gemeinde ging, spielte die politische Gesinnung keine Rolle. awe