Immer mehr junge Erwachsene müssen einen großen Berg Schulden schultern. Der Start ins selbstständige Leben wird dadurch schwer. Eine Initiative des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft und der Kreissparkasse Höchstadt kämpft dagegen an. In einem zweitägigen Seminar erwarben jetzt über 60 Mittelschüler einen Finanz-Führerschein.
"Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Bankgeschäften, Miete oder Versicherungen." Mit diesem Internet-Kommentar stellte die Kölner Schülerin Naina im vergangenen Jahr das deutsche Bildungssystem an den Pranger. Eine Erkenntnis, die sich auch im Alltag spiegelt, wie Sparkassen-Direktor Reinhard Lugschi betont. So habe sich die Zahl der verschuldeten unter 20-Jährigen seit 2004 verdreifacht.
Bei Erwachsenen seien häufig besondere Ereignisse, etwa Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit, der Auslöser finanzieller Probleme. "Bei jungen Menschen ist es dagegen das Konsumverhalten. Nicht selten kommt durch einen teuren Handyvertrag die Schuldenspirale in Gang."


Diskussion auf Augenhöhe

Geordnete finanzielle Verhältnisse bilden jedoch die Grundlage eines selbstbestimmten Lebens. Darüber waren sich die Mitglieder des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft um den örtlichen IHK-Vorsitzenden Oliver Brehm einig. Kurzerhand wurde deshalb unter Federführung der Höchstadter Kreissparkasse eine Aktionsgruppe ins Leben gerufen. Die Idee: Auszubildende des Kreditinstituts gestalten für Schüler praktischen Wirtschaftsunterricht und werben für verantwortungsvollen Konsum. "Wenn man sich noch vom Schulhof kennt, kann man auf Augenhöhe diskutieren", unterstreicht Lugschi. Ein wichtiges Plus für den Lerneffekt. Dies sieht auch Schulleiter Michael Ulbrich so.
Gleich drei neunte Klassen seiner Ritter-von-Spix-Mittelschule nutzten deshalb das Angebot eines Haushalts-Kurses. "Finanzplanung ist zwar ohnehin Teil des Lehrplanes. Wenn Menschen aus der Praxis erzählen, hat das für die Schüler aber eine ganz andere Wertigkeit", erklärt Rektor Ulbrich. Dies bestätigte sich während der von Sparkassen-Azubi Lukas Herzig geleiteten Unterrichtseinheiten. Beinahe andächtig verfolgten die 14 bis 17 Jahre alten Schüler Herzigs Gedanken zu sinnvollen Finanzierungen, nur scheinbar günstigen Angeboten und der Gefahr von Raten-Käufen.
"Besonders schön war, dass bei Gruppenarbeiten dann heftig diskutiert und beraten wurde", resümiert Herzig. "Es war auch interessant. Wir haben viel dazugelernt", freute sich die 15-jährige Seline. "Auch", so ergänzt die 16-jährige Jana, "weil wir uns vorher mit diesen Themen nie befasst haben."
"Es würde mich freuen, wenn die drei Klassen von mir etwas fürs Leben mitnehmen können. Dafür habe ich mir Mühe gegeben", sagt Herzig. Ob das so ist, überprüften er und Ausbildungsleiterin Johanna Schmuck noch vor Ort. Im Gepäck hatten die beiden einen Prüfungsbogen. "Das ist ja fast wie bei der Roller-Prüfung", hallte es bei Verteilung der Aufgaben durch den Klassenraum. Eine durchaus gewollte Parallele. Denn bei entsprechender Punktzahl wartete tatsächlich ein Finanz-Führerschein auf die Jugendlichen. Ein Ziel, dass zur Freude von Schulleiter Michael Ulbrich tatsächlich alle Neuntklässler erreichten. ez