Doris Stadelmeyer, Geschäftsführerin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in Westoberfranken, beklagte bei der Jubilarfeier des Verdi-Ortsverbandes Coburg einen Rechtsruck in Deutschland und in der deutschen Politikszene. Das werde es der Gewerkschaftsbewegung schwer machen, ihre Anliegen vorzubringen. "Leider haben soziale Fragen im Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt", sagte Stadelmeyer. Sie räumte in ihrer Rede dem Wunsch nach Frieden die größte Priorität ein, ein gutes Zusammenleben mit Deutschlands Nachbarn und allen Menschen in Deutschland. Weiter bezeichnete sie den Schutz von Umwelt und Natur, die soziale Sicherheit, ein gerechtes Bildungswesen und ein Gesundheitssystem, das nicht auf Profit ausgerichtet sei, als essenziell. "Zum guten Leben gehört eine Wohnung, die bezahlbar ist", fuhr Stadelmeyer fort. "Zu guter Letzt kommt die Frage nach einer auskömmlichen Rente, die uns vor Altersarmut schützt und ein Leben in Würde mit Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ermöglicht."

Sie kritisierte eine weitere Steigerung des Rüstungsetats um etwa 30 Milliarden Euro auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Dabei galt ein Seitenhieb dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. "Das friedliche Miteinander fördert das sicher nicht", so die Verdi-Bezirksgeschäftsführerin. "Aber das Geld fehlt da, wo wir es wirklich brauchen." Stadelmeyer warf auch einen Blick hinter die Fassaden der aktuellen Arbeitswelt. 21,4 Prozent der Beschäftigten würden in Minijobs arbeiten. "Die Arbeitswelt passt nicht mehr zu unserer Lebenswelt."

Stadelmeyer und der stellvertretende Vorsitzende des Verdi-Ortsverbandes Coburg, Michael Blümlein, ehrten zahlreiche Mitglieder für ihre Treue zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft beziehungsweise deren Vorläufern. Martin Koch