Beim Besuch des Kronacher "Büchertreffs am Melchior-Otto-Platz", einer kirchlich-öffentlichen Bücherei im Sankt Michaelsbund, tauschte sich die Ehrenamtsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer mit der Diözesanbibliothekarin Melanie Dirauf, der Büchereileiterin Birgitta Staufer sowie der Leiterin des KoBE, Sabine Nuber, und Ehrenamtlichen vor Ort aus.
24 Frauen und ein Mann teilen sich an vier Tagen in der Woche den Büchereidienst und leisten dabei übers Jahr circa 1200 ehrenamtliche Stunden. Dazu kommen noch einmal rund 1000 Stunden hinter den Kulissen, zum Beispiel für das Aufbereiten und Einpflegen der Medien.
"Besonders erfreulich ist", so Brendel-Fischer, "dass die Bücherei neben der Kirche auch am Sonntag für zwei Stunden geöffnet ist. Ideal für Familien! Ich danke den vielen Ehrenamtlichen, die hier eine qualifizierte Arbeit leisten, nicht nur in bibliothekarischer Hinsicht mit der Pflege des Buchbestands und der Buchausgabe, sondern auch in menschlicher Hinsicht."
Seit zehn Jahren arbeitet das Team in nahezu unveränderter Besetzung nun schon in Kronach. Damals gelang ein genialer Schachzug, in dem die Büchereien der Stadt und der Pfarrei den Schulterschluss zu einer Fusion vollbrachten. Seitdem stellt die Pfarrei die Räumlichkeiten, die Logistik und das engagierte Personal zur Verfügung, die Stadt dauerhaft einen festen Betrag für die Anschaffung von Medien.


Gekürzte Fördersummen

"Eine glückliche Konstellation", freut sich Melanie Dirauf vom St. Michaelsbund aus Bamberg, "das ist nicht selbstverständlich". Gleichzeitig appelliert sie aber auch an die Ehrenamtsbeauftragte, sich intensiv für die Büchereien und insbesondere für die Höhe der Fördermittel einzusetzen. Es sei enttäuschend, zu verfolgen, dass seit 20 Jahren die Fördersummen drastisch um mehr als die Hälfte gekürzt wurden. Überall werde propagiert, wie wichtig Lesen gerade für Kinder sei, aber dazu bedarf es auch der nötigen Mittel um attraktive Angebote und aktuelle Medien in den Bibliotheken vorzuhalten.
Stammgäste des Büchertreffs berichteten voller Freude und Stolz von der heimeligen Wohlfühlatmosphäre, dem vielseitigen Literatur-, Film- und Hörbuchangebot und dem kompetenten Team. Gerade Kinder im Grundschulalter, wie Katharina und Franziska, sind regelmäßig anzutreffen. "Ich finde es toll, dass man hier sagen kann, was man gerne lesen möchte und meistens wird das dann auch angeschafft", strahlt Katharina über das ganze Gesicht und hält ihr Wunschbuch "Elena" aus einer neuen Pferde-Reihe in Händen.
Regine Ferner, ehrenamtliche Koordinatorin des im Landkreis im Aufbau befindlichen Lesepaten-Projektes, berichtet, dass man die Bibliothek neben der üblich Medienausleihe auch gerne für Schulung und Netzwerktreffen der Lesepaten nutze. Im richtigen Ambiente ließe es sich nochmal so gut arbeiten.


Flexibilität erleichtert Einsatz

Sabine Nuber, Leiterin des KoBE (Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement) im Landkreis Kronach, blickt von zwei Seiten auf den Büchertreff. "Als KoBE freut es mich zu sehen wie individuell in diesem Team Ehrenamt geleistet werden kann und darf. Vom zweistündigen Engagement einmal im Monat bis zum mehrstündigen Einsatz jede Woche ist alles möglich und wird wertgeschätzt als Teil eines Ganzen. Das ist modernes und attraktives Ehrenamt." Aus Sicht einer Ehrenamtlichen weiß sie gerade das zu schätzen. "Nur weil diese Flexibilität von Beginn an in der Bücherei gelebt wird, kann ich mein Engagement und meine Leidenschaft je nach Lebensphase hier einbringen."
Birgitta Staufer resümiert: "Wir haben hier einen sozialen Treffpunkt geschaffen für alle, die sich gerne mit Büchern beschäftigen, sowohl für unsere Besucher als auch für unsere Ehrenamtlichen. Wir freuen uns jetzt schon auf unser zehnjähriges Jubiläum, das am 12. Oktober 2018 begangen wird, und hoffen noch viele Jahre dieses tolle Angebot für alle Generationen in Kronach aufrecht zu erhalten."