Was Schüler auf die Beine stellen, wenn man ihnen etwas Freiheit lässt und Verantwortung überträgt, das zeigte sich am Frankenwaldgymnasium (FWG). Sie gründeten kurzerhand ein Parlament mit sechs Bundestagspräsidenten und fünf Parteien. Anlass war die Nachjustierung des Gesetzes "Handyverbot an Bayerns Schulen". Kultusminister Ludwig Spaenle will nämlich klären, ob eine Lockerung des generellen Verbots sinnvoll ist. Die SPD möchte dazu einen Gesetzesentwurf vorlegen. Sollte es dazu kommen, hat man beim Frankenwaldgymnasium jetzt schon eine Regelung für alle Schüler in der Schublade.


Entwurf wird geprüft

"Die finale Entscheidung liegt natürlich beim Direktor", räumte "Bundestagspräsident" Rafael Zwosta ein. "Dieser Entwurf muss vom Elternbeirat und den Lehrern geprüft und gegebenenfalls noch geändert oder ergänzt werden. Aber unser Direktor hat auf jeden Fall signalisiert, dass er unseren Vorschlag respektiert." Die Präsidenten Marco Troche, Lea Schütz, Christoph Bauer und Sophia Schütz (Schülersprecher der Mittel- und Oberstufe) beschreiben den Projekttag, der der Gründung des Parlaments vorausgegangen war: "Wir haben uns hauptsächlich mit zwei Themen beschäftigt: Wie funktioniert es im Bundestag und Informationen zur Handynutzung. Zwei Tage danach hingen die ersten Wahlplakate der Parteien, Buttons, Kugelschreiber und Schokolade wurden verteilt." Ein Traum sei danach die Wahlbeteiligung gewesen. Lea Schütz: "Über 66 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben gewählt."
Stärkste Fraktion wurde die WwW (Wir werden Web), die für eine altersgerechte Handynutzung und für Workshops zum Umgang mit Medien plädiert. Ähnlich stellt sich das auch die "Smarte Zukunftspartei" (SZP) vor. Für absolute Gleichberechtigung aller Stufen plädiert die RbP ("Realitätsbezogene Partei"). UZmS, das steht für "Unser Zeug macht Sinn" und die Parteimitglieder hätten gerne eine Handynutzung während des Unterrichts. Allerdings sind sie auch sehr um den Datenschutz besorgt. VuV ("Vertrauen und Vernunft") hat sich gleiche Rechte für alle und freie Nutzung der Handys auf die Fahne geschrieben.
Diese unterschiedlichen Ziele führten aber letztlich doch zu einem einstimmigen Ergebnis. Der Gesetzesentwurf zur Handnutzung am FWG kümmert sich im Kern um die Einbindung der Handys im Unterricht, um Verbotszonen und um den verantwortungsvollen Umgang. Weiter sind darin auch Sanktionen bei Verstößen und die Zusammenarbeit mit Elternbeirat und Polizei geregelt. Vor allem ist angedacht, dass jeder Schüler des FWG diesen Regeln erst schriftlich zustimmen muss, da ansonsten keine Handynutzung möglich wäre. "Ich bin erstaunt über das hohe Sprachniveau, auf dem die Debatte geführt wurde", meinte am Ende Christoph Bauer. "Außerdem haben wir uns gesiezt und jeder, der das Wort erteilt haben wollte, musste aufstehen", ergänzte Rafael Zwosta.
Auch Lehrer Tobias Pohl, der die Schüler zu diesem Projekt ermutigt hatte, war stolz und zufrieden mit der Debatte und ihrem handfesten Ergebnis. Schade fanden es alle, dass man das Parlament noch am gleichen Tag wieder auflösen musste. "Aber wir können uns vorstellen, in ähnlichen Situationen wieder auf diese Möglichkeit zurückzugreifen", so Rafael Zwosta abschließend.