Wenn es den Typus eines "progressiven Seniors" gibt, dann verkörpert ihn Theo Gulden in Perfektion: 95 Lenze hat der frühere Studiendirektor inzwischen auf seinem Lebenskonto - und übt mit seiner zukunftsgewandten Art wie eh und je eine Faszination auch auf junge Menschen aus. Die Landesliga-Mannschaft des FC Eintracht, im Schnitt nicht einmal 21 Jahre alt, wollte das Bamberger Urgestein unbedingt bei ihrer Weihnachtsfeier dabei haben. Beim 1. FC 1901 hatte Gulden einst sämtliche erdenklichen Funktionen inne. Doch als es 2006 darum ging, zum Wohle des Bamberger Fußballs seine geliebte sportliche Heimat aufzugeben und mit dem Rivalen TSV Eintracht zu fusionieren, war er einer der ersten Fürsprecher für diese Fusion. Jetzt wurde der beispielhafte Visionär für insgesamt 80 Jahre Mitgliedschaft im 1. FC und im FCE bei einem außerordentlichen Ehrungsabend ausgezeichnet.

Luther spendet 500 Euro

Theo Gulden und Karl Kraus, der es auf mehr als 70 Jahre Mitgliedschaft bringt, waren die herausragenden Protagonisten der Veranstaltung. "Gefühlt habt ihr die Ehrennadel aus Platin bekommen", sagte Fußballabteilungsleiter Sascha Dorsch bei der Übergabe der goldenen Devotionalie. Goldene und silberne Ehrennadeln gab es zuhauf an diesem Abend: "Hier sitzen insgesamt 895 Jahre Mitgliedschaft", betonte Dorsch, der zusammen mit Vorstandschef Jörg Schmalfuß die Ehrungen vornahm. Ein besonderes Präsent hatte der Unternehmer und Gönner Hansjörg Luther dabei, der sich im Gegenzug für die 60-Jahre-Würdigung mit einer 500-Euro-Spende in die Jugendkasse des Vereins bedankte. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre zeigt dieser Ehrungsabend, dass der FC Eintracht auf dem besten Wege zur Vereinsnormalität ist.

Sportlich läuft es überaus erfolgreich, wirtschaftlich hat sich der FCE nach eigenen Angaben konsolidiert - und an der Wiederbelebung des Vereinsleben wird eifrig gearbeitet.

"Die Ehrung verdienter Mitglieder ist in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben", gibt Dorsch selbstkritisch zu. Künftig sollen die Ehrungen dann wieder fester Bestandteil der turnusmäßigen Hauptversammlungen sein.

Der außerordentliche Ehrungsabend repräsentierte jedenfalls außergewöhnliche Bamberger Sportgeschichte. Alle Teilnehmer genossen die Erinnerungen und waren voll des Lobes. Fast pathetisch beschwor der 95-jährige Theo Gulden zum Schluss: "Solange mein Herz noch schlägt, werde ich immer ein FCEler bleiben!" agr