Mit vier Millionen Euro einen Gebäudekomplex mit 48 Wohnungen und zwei Geschäftseinheiten sanieren, noch dazu nach historischem Vorbild - geht das? Es geht! Diese Leistung, von der Baugenossenschaft Erlangen vollbracht, wurde unlängst vom Bezirk Mittelfranken mit einem Zuschuss von 15 000 Euro gewürdigt.

Es handelt sich um den Häuserblock Nürnberger Straße 113 bis 121 (fünf Gebäude) und Reinhardstraße 1. Im Zuge der Landflucht kamen ab Ende des 19. Jahrhunderts viele Arbeiter nach Erlangen. Ab 1910 sorgte die Baugenossenschaft hier für bezahlbares Wohnen. Die sogenannte Blockrandbebauung in der Nürnberger Straße entstand, wie die bereits sanierten Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ab 1913 nach den Entwürfen von Architekt Emil Zerler. Das Darlehen für den Bau streckte die Volksfürsorge Hamburg vor. 100 Jahre später war der Komplex jedoch ordentlich in die Jahre gekommen.

"Der Denkmalschutz war eine große Herausforderung, aber die Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde war sehr gut", berichtet André Rauscher, Vorsitzender der Baugenossenschaft Erlangen. Ein Gutachter ermittelte die ursprüngliche Farbgebung des Gebäudekomplexes. Ab 2013 wurden die Fassaden nach dem restauratorischen Befund saniert. Die Dachgeschosse wurden ausgebaut und mit neuen Gauben versehen, die Dächer mit Biberschwanzziegeln von der Dachdeckerei Zirm aus Neunkirchen neu eingedeckt. Die uneinheitlichen, einfach verglasten Fenster wurden ausgetauscht und durch historisch passende Holzfenster nach original Farbmuster von der Schreinerei Schickert aus Erlangen ersetzt. Balkone wurden von der Firma Bernd Zienert aus Erlangen angebaut und die Außenanlage neu gestaltet.

"Wir haben Handwerkerkosten sparen können, da unsere technische Abteilung unter der Leitung von Armin Langgut die Fassade, die Maler- und Putzarbeiten übernommen hat", erklärt Rauscher die vergleichsweise günstige Sanierung. Zudem wurde das Projekt über die KfW gefördert für die Dachdämmung, die neuen Fenster und Heizungsanlage. Und für die mit hohem denkmalpflegerischem Aufwand durchgeführte Fassadensanierung überreichte Bezirkstagspräsident Armin Kroder den von der Unteren Denkmalsbehörde befürworteten Zuschuss. So herausgeputzt ist die zentrumsnahe Wohnanlage sicherlich ein begehrtes Objekt für Wohnungssuchende.