Chancengleichheit, Geschlechtergerechtigkeit, Kronachs faire Zukunft - die Ideenwerkstatt im Pavillon der Sparkasse brachte ein paar erstaunliche Ergebnisse. Spontane Brainstormings entwickelten eine Eigendynamik, die viele zum Längerbleiben animierte. Die Ideenwerkstatt war Teil der Veranstaltungsreihe "Geschlechtergerechtigkeit - Gleiche Chancen durch fairen Handel", die vom Verein zur Förderung des fairen Handels gemeinsam mit dem Karibu-Weltladen und der Fairtrade-Stadt Kronach organisiert wird.

Moderiert hatte Lars Hofmann, zeichnerisch unterstützt von Graphic-Recorderin Ulrike Mahr, die an diesem Abend aus dem Illustrieren quasi nicht mehr herauskam. "Haben Frauen gleiche Chancen? Wie ist es überhaupt um die Genderfrage bestellt? Ist der Geschlechterkampf auch heute noch Thema?" Viele Fragen, die nach Antworten riefen. Als Einsteig zeigte Thomas Klatte von der Film-AG des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums einen kurzen Clip, der schon mal ein Gefühl vermittelte, wie denn die Kids die Geschlechtergerechtigkeit so beurteilen.

Dabei sollten alle erst einmal Stellung beziehen. "Gibt es im Landkreis eine starke Geschlechter-Ungerechtigkeit, oder eine hohe Gerechtigkeit" war die Gretchenfrage, und jeder durfte sich auf einer Skala von eins bis zehn auf dem Punkt platzieren, der ihr oder ihm angemessen erschien. Tatsächlich fanden viele, dass es in und um Kronach gar nicht so schlecht mit der Gerechtigkeit bestellt ist, aber an ein paar Schrauben könne man schon noch drehen.

Gerecht ginge es vor allem im Bildungs- und Schulsystem zu. Das Problem beginne erst dann, wenn Frauen Kinder bekämen und wieder zurück in den Beruf wollen. Oder auch bei der Bezahlung. Außerdem werde man als Frau leider auch immer noch in Bezug auf manche Berufe, Sportarten oder Hobbys belächelt, die lange Zeit als Männerdomäne galten. Und so drehte sich der weiterführende Gedanke auch um Klischees wie "typisch Mann" oder "typisch Frau".

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit Frauen in der Politik. Als Ergebnis nahm Lars Hofmann das Fazit mit: Männer kämpfen eher als Kontrahenten, während Frauen sich um die Sozialpolitik kümmern und darum, dass etwas vorangehe. Auch gebe es die sogenannten "Rollenbilder" wohl eher noch im ländlichen Raum.

Am Ende stand dann die Frage: Was bräuchte es, um mehr Geschlechtergerechtigkeit in Kronach herbeizuführen? Die Ideen dazu waren vielfältig. Mehr Austausch untereinander und mehr Austausch der Kompetenzen zum Beispiel. Oder auch Mentorinnen und Mentoren für den Übergang von der Schule ins Berufs- und damit ins Erwachsenenleben. Auch in der Politik fehlten solche Ansätze noch. Hier könnten Vorbilder in die Bresche springen, um den Einstieg zu erleichtern. Außerdem müssten Männer ihre Sichtweisen verändern, um alte Rollenvorstellungen loszuwerden. Darüber hinaus sollten künftig in der Politik genauso viele Frauen wie Männer vertreten sein.

Die Gruppendynamik reichte dann auch noch für den Weg von der Idee zur Umsetzung. Hier entstanden konkrete Vorschläge: Vorbilder einladen, Frauen für politische Ämter stärken oder ein Aktionstag unter dem Motto "Klischee ade".