Nicole Julien-Mann Über diese gespenstige Erscheinung staunten einige nicht schlecht vor zwei Jahren, als ihnen unversehens der Geist eines Flößers erschien: Beherzt stach er seinen Flößerhaken in die Kronach und hatte dennoch Zeit, den vielen Zuschauern freundlich zuzuwinken.

Die Installation nach einer Idee der künstlerischen Leiterin von "Kronach leuchtet", Karin Siegemund, war einer der Publikumslieblinge im Jahr 2017. Offenbar hat es ihm auf dem Lichtevent gefallen, denn er kommt zurück und bringt dieses Mal zwei Kumpels mit. Die drei werden sich mit dem rauen Charme präsentieren, den man gestandenen Flößern zuspricht. Die haben ebenso hart gearbeitet wie gefeiert, bei vollem Einsatz des Körpers, der Leber oder gar der Stimme. Welches Lied die drei Kumpane auf den Lippen haben, liegt auf der Hand - und weil Singen glücklich macht, ist jeder herzlich eingeladen, mit einzustimmen.

Besondere Rolle

Gibt es einen besseren Einstieg für einen gut gelaunten Spaziergang entlang des Lichtwegs, der heuer an der Spitalbrücke beginnt? Insofern kommt den Flößern eine besondere Rolle zu, denn sie begrüßen die Besucher des Lichtspektakels gleich zu Beginn der Route, die entlang der Kronach hinauf in die Obere Stadt führt.

Wer genau die Idee zur Erweiterung der Flößerinstallation hatte, ist heute gar nicht mehr auszumachen. "Es lag irgendwie auf der Hand", meint Karin Siegemund, "denn wer passt besser auf das Floß auf dem Lieblingsplatz?" Das neu gestaltete Areal an der Uferpromenade der Kronach vor der Lukas-Cranach-Schule hatten die Kronacher Mädchen als ihren Lieblingsplatz auserkoren, den sie "Traum-Allee" nannten.

Die offizielle Eröffnung des Treffpunkts im Freien ist am zweiten Wochenende von "Kronach leuchtet". Aber schon heute ist die Traum-Allee sehr beliebt, freut sich Siegemund. Im Boden sind Trampoline eingelassen, auf denen Kinder herumhüpfen, die Mütter genießen derweil das idyllische Flusspanorama auf den Bänken. Dass dort ein Floß im "Trockendock" liegt, ist kein Zufall, denn schon in Zeiten der aktiven Flößerei wurden auf dem Platz vermutlich Holzstämme gelagert.

Das Floß bleibt

Das Floß bleibt, wenn das Lichtevent geht, als Spielplatz oder Sitzgelegenheit, jeder darf es erklimmen. Dann werden auch die Metallvorhänge verschwunden sein. Das feinmaschige und trotzdem robuste und verformbare Gewebe stammt aus Ludwigsstadt. Karin Siegemund verliebte sich in das Material auf einer Rennsteigmesse. "Ich bin so ein haptischer Typ", bekennt sie, "und ich wusste, dass man irgendetwas daraus machen kann." Es wird einem auf dem Lichtweg noch öfter begegnen, verrät sie. Auf dem Lieblingsplatz jedenfalls dienen die Bahnen als Projektionsfläche für die drei Flößer. Die wurden im Studio mit der sogenannten Green-Screen-Technik gefilmt. Damit können die Schauspieler nachträglich vor beliebige Hintergründe gestellt oder computertechnisch bearbeitet werden.

Das Drehbuch für die Produktion stammt von Klaus Metzler, dem künstlerischen Leiter von "Kronach leuchtet". "Er ist wie Bully Herbig", schmunzelt Siegemund, "vom Drehbuch bis zur Umsetzung und Darstellung macht er alles selbst."

Projektleiter Markus Stirn und Roland Neubauer sind die beiden anderen Akteure.

Die Filmsequenz wird in einer Endlosschleife von einem lichtstarken Diaprojektor auf die Metallvorhänge gebeamt. "Der frische Wind der letzten Tage sorgt für eine ganz besondere Dynamik", sagt Karin Siegemund. Seit etwa einem halben Jahr tüfteln sie und das Team an Testreihen im eigenen Garten, bis das Ergebnis präsentationsreif ist.

Vorstellungsvermögen

Zur Konzeption eines Lichtprojektes gehört viel Vorstellungsvermögen, die meisten Objekte wirken im Tageslicht ziemlich dröge und entfalten erst bei Dunkelheit ihre Faszination. Wie auf dem Floß in der Traum-Allee, wenn die drei Flößerfreunde wie schemenhafte Geister aus der Vergangenheit im Dunkel auftauchen. Und das schon weit vor Mitternacht.