Josef Hofbauer

In der Schulstadt Ebermannstadt begrüßte MdL Michael Hofmann (CSU) den bayerischen Bildungsminister Bernd Sibler (CSU) am Vorabend des Altstadtfestes mit dem Bekenntnis, jedes Kind müsse nach seinen Talenten und Möglichkeiten, Fähigkeiten und Neigungen gefördert werden. Der "Gleichmacherei einer Einheitsschule" erteilte Hofmann ebenso eine klare Absage wie der Teilnahme am Bieranstich für das Altstadtfest, eine Zeremonie, zu der er eh keine Einladung bekommen habe.
Eine Steilvorlage für den "Jungspund" (Originalton Michael Hofmann) Sibler (47) aus dem niederbayerischen Plattling. "Mit Ideologie kann man keine Bildungspolitik betreiben", unterstrich der Vater zweier pubertierender Söhne. Bildungspolitik müsse sich orientieren an den Bedürfnissen der Menschen, an den Dingen, die ihnen wichtig sind.



Alle Bildungswege fördern

"Der Mensch beginnt in Bayern nicht erst mit dem Abitur", betonte Sibler. Deshalb schauten die Politiker anderer Bundesländer neidvoll auf Bayern. Hier kämen mittlerweile 43 Prozent der Studenten über die Fachoberschule und die Berufsoberschule. Auch Handwerksmeistern stünden die Türen zu den Universitäten offen. "Wenn sie das wollen", so Sibler, der ganz nebenbei über eine "zu trockene Luft" am Rednerpult klagte. Immerhin hatte er den Auftakt des Gäubodenvolksfestes in Straubing für seinen Auftritt in Ebermannstadt sausen lassen.
"Wenn wir viel Geld für Studenten ausgeben (der Höchst-Fördersatz für Studierende, die nicht mehr bei den Eltern leben, liegt bei monatlich 735 Euro, Anm. d. Red.), müssen wir auch für die Handwerksausbildung etwas tun", bekräftigte Bernd Sibler. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die zusätzlichen mobilen Reserven an den beruflichen Schulen und die aufgestockten Fördermittel für den sogenannten Meisterpreis und die Aktion Elternstolz, eine konzertierte Aktion des Kultusministeriums und der Handwerkskammer.
Bis 2025 würden tausend Lehrerstellen zusätzlich geschaffen, versprach der Minister, der ein "Bildungspaket im umfassenden Sinn" ankündigte. Zum Schuljahresbeginn 2018/19 würden 4200 Pädagogen neu in den Staatsdienst übernommen.
Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle seien 1300 Klassen an beruflichen Schulen neu geschaffen worden. "Nur so kann Integration gelingen", betonte Sibler.


Digitalisierung schreitet voran

Der Chef von 6000 Schulen, 150 000 Lehrern und 1,7 Millionen Schülern unterstrich auch die Anstrengungen der Staatsregierung auf dem Weg der Digitalisierung der Schulen. 45 000 Klassenzimmer erfüllten diesen Standard bereits, weitere 50 000 sollen im nächsten Schuljahr auf den aktuellen Stand gebracht werden. Möglich mache das eine 90-prozentige Förderung der Ausstattung durch den Freistaat. Noch in diesem Jahr gebe das Kultusministerium dafür 150 Millionen Euro aus.
Dabei betonte Bernd Sibler: "Die Technik muss der Pädagogik dienen. Der Mensch muss die Technik beherrschen, nicht umgekehrt." Und: Die Ausbildung an den Gymnasien solle praxisorientierter werden. Als ersten Schritt nannte der Bildungsminister Berufspraktika, die für die neunte Klassenstufe der Gymnasien verbindlich vorgeschrieben werden sollen. "Schüler, die in den Ferien gearbeitet haben, finden Schule plötzlich wieder durchaus attraktiv", urteilte Sibler.


Bilden und ausbilden

Er betonte: "Wir müssen es schaffen, dass die jungen Menschen ausgebildet und gebildet gleichzeitig sind. Im Sechs-Augen-Gespräch mit MdL Hofmann und unserer Zeitung bekräftigte Sibler: "Erziehung beginnt im Elternhaus." Angesichts zunehmender Defizite müsse der Erziehungsarbeit an den Schulen wieder ein größerer Stellenwert beigemessen werden. So sei es ihm ein persönliches Anliegen, Lehrer zu haben, die für die Sache brennen. Sein Argument: "Mir sind nur die besonders guten und besonders schlechten Lehrer in Erinnerung geblieben. Menschen, die mich nicht kalt gelassen haben."
Ebenso wichtig: Die Lehrer müssten nicht nur Wissensvermittler, sondern in erster Linie Vorbilder sein. "Wir müssen den Kindern unsere Ideale vorleben", forderte der Bildungsminister, der zum ersten Mal in Ebermannstadt zu Gast war. Damit er die "Hauptstadt der Fränkischen Schweiz" - das heimlich hatte Sibler selbst gestrichen - in guter Erinnerung behält, kredenzte ihm der CSU-Ortsverband ein fränkisches Schäuferla und ein zweites Seidla Bier. Nicht, dass die Ebermannstadter in München als "Hungerleider" gelten.