Fast jeder weiß, was "Erste Hilfe" bei Unfällen bedeutet. Solche Hilfe gibt es nicht nur bei körperlichen Beschwerden, sondern auch für die Seele. Zuständig dafür ist in Stadt und Landkreis Coburg die Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), und das schon seit zehn Jahren. Das Jubiläum wurde am Samstag im Coburger Rathaussaal gefeiert.

Die Mitarbeiter der PSNV leisten Beistand, wenn schwierige Ereignisse bewältigt werden müssen. Sie helfen sowohl Betroffenen als auch den Mitarbeitern der Rettungsorganisationen, die unter belastenden Einsatzsituationen leiden. Sowohl Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer als auch Landrat Michael Busch (beide SPD) lobten die Arbeit der PSNV. Tesssmer zitierte den Schweizer Pfarrer und Erzähler Jeremias Gotthelf: "Es verliert die schwerste Bürde die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann." Mit ihrem Zuhören und Reden würden die PSNV-Mitarbeiter vielen Betroffenen den Weg der Bewältigung ebnen und Traumata vermeiden helfen.

Ohne Blaulicht und Sirene

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft PSNV Stadt Coburg und Landkreis Coburg, Prof. Gerald Jose (Diplompsychologe und Theologe an der Hochschule Coburg) , wies darauf hin, dass man nach zehn Jahren in der PSNV-Arbeit den Staus einer Arbeitsgemeinschaft verlassen habe und eine klarere rechtliche Grundlage benötige. "Entweder wir sind ein Teil des Katastrophenschutzes oder wir sind es nicht!"

Wie Jose berichtete, hatte die PSNV in den Gründungsjahren ein Einsatzfahrzeug mit entsprechender Alarmierung zur Verfügung. Später sei der Arbeitsgemeinschaft das Blaulicht und die Sirene aus rechtlichen Gründen genommen worden, da die PSNV Coburg Stadt und Land lediglich eine Arbeitsgemeinschaft sei. Auch das Einsatzfahrzeug sei nun nicht mehr vorhanden.

Gegründet wurde die die PSNV am 24. November 2008 im Landratsamt Coburg von 15 Vertretern von Behörden, Kirchen und Katastrophenschutzorganisationen. Ziel war es, ein Kriseninterventionsnetz aufzubauen, damit Menschen unmittelbar vor Ort bei belastenden Ereignissen psychosozial betreut werden können. Wer für die PSNV in Einsatz geht, absolviert eine Grundausbildung von 86 Stunden und hospitiert zunächst bei Einsätzen, bevor er oder sie selbst Verantwortung übernimmt.

Circa 120 Einsätze pro Jahr würden von den 36 ausgebildeten Einsatzkräften (Stand Mai 2018) geleistet, sagte Jose. Operative Mitglieder sind derzeit Heinz Rembor (ASB), Matthias Müller (BRK), Gerald Jose (Hochschule Coburg), Dekan Andreas Kleefeld (evangelische Notfallseelsorge, kommissarisch), Christian Beck (katholische Notfallseelsorge) und Michael Reubel (Feuerwehrseelsorger). Dem Leitungsteam gehört außerdem der katholische Dekan Roland Huth an.

Unterstützt wird die PSNV unter anderem von Stadt und Landkreis Coburg, Polizei, Kirchen, Hochschule, BRK, ASB, THW, Feuerwehr. Am Samstagabend wurde gefeiert und diskutiert, musikalisch umrahmt von von der Pianistin und Sängerin Alina Probst. em