Schon bevor man das Haus der Schüllers betritt, kann man sehen, welche Bedeutung sein Beruf für Karl Schüller hatte. Dies unterstreicht an der Außenwand ein Mosaik eines Schreiners an der Hobelbank - mit integrierter Sonnenuhr.

Aber für ihn und seine Frau Gertrud gab es nicht nur die berühmten heiteren Stunden. Beide sind als Kinder mit zehn und neun Jahren aus Südmähren vertrieben worden und kamen direkt nach Kriegsende über Österreich nach Forchheim und dann nach Gräfenberg. Dort haben sie sich in der Schule in einer Klasse für katholischen Religionsunterricht kennen gelernt. Der Kontakt blieb über die Schulzeit hinaus. Bei der Geburtstagsfeier einer gemeinsamen Bekannten hat es dann - Karl war damals 18 - wirklich gefunkt.

Da Gertrud damals mit ihrer Familie schon in Forchheim lebte, Karl aber noch in Gräfenberg - und ohne Auto -, nahm der junge Mann, der jetzt 84 ist, für jedes Treffen mit seiner Angebeteten vor allem an den Wochenenden eine hoch umständliche Fahrt über Erlangen auf sich.

"Das war Liebe", betont deraSenior temperamentvoll mit einem spitzbübischen Lächeln. Am 9. Mai 1959 haben die Beiden dann in der St. Anna-Kirche geheiratet; ein Jahr später kam Tochter Karin zur Welt und längst sind mit Michael (30) und Nina (23) auch zwei Enkel da.

Karl Schüller hat kurz nach der Schule in Forth eine Lehrstelle als Schreiner bekommen und arbeitete dann als angestellter Meister für Bau-, Möbel- und Erdmöbel 38 Jahre lang in einem renommierten Betrieb in Nürnberg. In diese Zeit hat er 34 Lehrlinge ausgebildet.

Stolz ist er darauf, dass er an der Boxdorfer Kirche und der Meistersingerhalle in Nürnberg mitgebaut hat.

Die Bürokauffrau Gertrud Schüller arbeitete bis zur Geburt ihrer Tochter in diesen Beruf. Für Karl gab es als dritte Liebedie Feuerwehr, speziell die Forchheimer Feuerwehrkapelle, die er gegründet und lange geleitet hat. Nun blicken beide auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück. Die Glückwünsche der Stadt Forchheim überbrachte dem Jubelpaar Bürgermeister Franz Streit. Trotz nicht allzu viel gemeinsamer Zeit konnte das Ehepaar Schüller aber doch auch einige Reisen machen, vor allem in die frühere Heimat nach Tschechien und ins Zillertal. Vor ihrer Hochzeit waren sie dorthin mit dem Motorrad unterwegs, das immer noch in der Garage steht!