"Ich bin noch gerne jeden Tag in der Tankstelle und freue mich über jeden Kunden, vor allem, wenn sie mich so freundlich auf Fränkisch begrüßen wie vor ein paar Tagen: ,Ach, du bist ja a nuch do.‘" In diesen Worten kommt die Lebensfreude von Eugenie Hümmer zum Ausdruck, die gestern ihren 95. Geburtstag feierte. Es war für sie schon etwas ungewöhnlich, ihre geliebte Tankstelle mit dem Wohnzimmer zu tauschen, weil sich viele Gratulanten bei der Jubilarin einstellten. Darunter waren stellvertretender Landrat Michael Ziegler und Bürgermeister Karl-Heinz Kandler.

Eugenie ist einfach ein Urgestein, das auch in diesem hohen Alter zum Leben in Kirchlauter fest dazugehört und es sich auch selbst nicht vorstellen kann, in den Ruhestand zu gehen oder mit dem "Altenteil" zufrieden zu sein. Die Tankstelle Hümmer von Kirchlauter ist ein Kommunikationsmittelpunkt, und in diesem mischt Eugenie Hümmer noch richtig mit und sucht auch das Gespräch.

"Diese Frau ist unglaublich"

Im Bayerischen Rundfunk sagte kürzlich ein Zeitzeuge über Eugenie Hümmer: "Diese Frau ist wirklich unglaublich. Wenn ich durch Kirchlauter fahre, tanke ich hier, weil das die herzlichste Tankstelle ist, die ich kenne. Hier geht es noch persönlich und familiär zu, was man woanders nicht hat. Diese Frau ist superfit."

Diesen Eindruck konnte man nun auch bei ihrem 95. Wiegenfest gewinnen, zu dem Eugenie Hümmer ihre Gäste wie immer freundlich empfing. Sie zählt zu den ältesten Einwohnern der Gemeinde und hat nach wie vor keine Langeweile, weil sich an ihrem täglichen Leben nicht viel geändert hat. "Wenn sie ihren Kaffee getrunken hat, kommt sie noch täglich rüber in die Tankstelle, hilft und bedient gerne die Autofahrer, und das bis in die Abendstunden. Der beste Ausdruck für sie ist eisenbereift", meint ihre Schwiegertochter Roswitha, die sich über die große Unterstützung von Schwiegermutter Eugenie freut.

In diesem Jahr können die Hümmers das 70-jährige Bestehen ihrer Tankstelle feiern, denn im Jahr 1949 hat man diese in Kirchlauter eröffnet. Kurz nach dem Krieg war natürlich noch alles ganz anders: Das Benzin schlummerte noch in Fässern, wurde dann ins Schauglas hochgepumpt und von da entsprechend den Eichstrichen in die Tanks gefüllt. Von dem damals im Vergleich zu heute extrem niedrigen Preis braucht man erst gar nicht zu sprechen.

Eugenie Hümmer war von Anfang an die "Seele der Tankstelle" und ist es bis heute geblieben. Bis vor drei Jahren hat sie auch die Buchführung erledigt.

1946 hat Eugenie Hümmer, geborene Muckelbauer, August Hümmer geheiratet. Aus der Ehe gingen fünf Kinder, vier Söhne und eine Tochter, hervor. Zu den Gratulanten zählten ferner zehn Enkel und acht Urenkel. Der jüngste Urenkel wurde vor nicht einmal einer Woche in Singapur geboren. "Die Enkel sind inzwischen ganz weit verstreut", sagte das Geburtstagskind. "Mein Ziel und mein Bestreben war es immer, dass die Kinder in der Schule durchhalten und etwas Gescheites aus ihnen wird."

Bei diesem Worten kamen in ihr Erinnerungen aus dem Zweiten Weltkrieg hoch. "Die Kriegszeit war keine einfache Sache und man hat Dinge erlebt, die uns heute noch in den Knochen stecken." 1924 geboren, hatte sie nämlich schon mit 14 Jahren im nachbarlichen Schloss derer von Guttenberg mitgearbeitet und half dann auch in der Milchsammelstelle des Ortes aus. Anscheinend waren ihr aber die Lebensfreude, die Aufgeschlossenheit für alles Neue, der Fleiß und vieles andere mehr mit in die Wiege gelegt worden. Dies war auch notwendig als junge Frau in einem Spenglerbetrieb, den ihr Mann gegründet hatte. So war sie auch die erste Frau im weiten Umkreis, die in die männliche Domäne der Autofahrer einbrach. "Mit 30 Männern zusammen habe ich den Führerschein gemacht, und bei uns in den Heiligen Ländern gab es höchstens drei Autos", erinnert sich Eugenie Hümmer und zeigt dabei stolz ihren Führerschein mit Ausstellungsdatum 17. Mai 1949 vor.

70 Jahre unfallfrei gefahren

Mit besonderem Stolz erzählt Eugenie Hümmer, dass sie in den 70 Jahren ohne jeglichen Unfall, ohne einen Punkt in Flensburg und auch ohne Bußgeld für ein Parkvergehen ausgekommen sei und eigentlich manchmal sogar noch gerne ins Auto einsteigen würde. "Aber irgendwann muss man ja einmal mit dem Autofahren aufhören. Und was wäre, wenn ich dann einen Unfall bauen würde?", fragt sie fast etwas schelmisch. Dazu gibt es ja Kinder und Enkel, die sie fahren. "Erst vor einigen Wochen bin ich deswegen nach Kassel mitgefahren, wo meine Enkeltochter Martina, die Sängerin ist, in der Oper aufgetreten ist. Und vor kurzem war ich mit Enkeln im Kino."

Bis vor wenigen Jahren war sie jedenfalls selbst Fahrerin mit Leidenschaft und erinnert sich noch an das erste Auto mit Namen "Hansa". Nach der Gründung des Omnibusunternehmens Hümmer war es an der Tagesordnung, dass sie Kleinbusse fuhr und viele Dienste leistete, vor allem auch beim Fahren von Kindern in Förderschulen nach Würzburg oder Bayreuth oder auch für die Lebenshilfe im Landkreis Haßberge. Sie begleitete auch viele Reisen und betreute beispielsweise Wallfahrten mit dem Bus nach Altötting. Auch im vergangenen Jahr war sie wieder dabei und fungierte noch als Vorbeterin. gg