"Sie glauben gar nicht, was das für ein erhebendes Gefühl ist, wenn man die ganze Woche in Berlin ist, wenn man am Wochenende wieder ins gelobte Land zurückkehrt." Bundesinnenminister Horst Seehofer durfte sich am Freitag in der Frauengrundhalle in Ebern eines überaus herzlichen Empfangs gewiss sein. Über 400 Zuhörer waren zum Neujahrsempfang der CSU Ebern gekommen, um die bayerische Politgröße live miterleben zu dürfen. Zuvor nahm sich Seehofer eine knappe halbe Stunde Zeit für die Landwirte, vor der Halle ihren Ärger über die Landwirtschaftspolitik kundtaten.

Claus Hochrein, der Sprecher für Unterfranken der unabhängigen und parteipolitisch neutralen Organisation "Land schafft Verbindung", drückte den Unmut seiner Mitstreiter aus, die mit rund 50 Traktoren in die ehemalige Bundeswehrkaserne gekommen waren. Sei es die neue Düngeverordnung, ein wachsender Berg an Bürokratie oder immer mehr Importe landwirtschaftlicher Produkte: Die Landwirte fordern eine Vereinfachung ihrer Arbeits- und Produktionsbedingungen. Eine Umsetzung des Maßnahmenpakets der Bundesregierung heize, wie es hieß, den negativen Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter an, so dass die heute noch vielfach regional verankerte Landwirtschaft und somit viele Arbeitsplätze in realer Gefahr sind.

Seehofer will Antwort geben

Seehofer bekannte sich zu den Bauern: "Ich kämpfe für Euch und wer mich kennt, weiß, dass ich mich auch dran messen lasse." Der deutsche Innenminister versprach, alle Argumente ernst zu nehmen und zeitnah zu versuchen, den Landwirten eine Antwort zu geben.

Die Jugendblaskapelle Unterpreppach unter Leitung von Stefan Groh bereitete dem Minister und früheren bayerischen Ministerpräsidenten mit dem Bayerischen Defiliermarsch einen standesgemäßen Einzug in die Halle. Mit einem einstündigen Streifzug durch die Bundespolitik zog Seehofer die Aufmerksamkeit auf sich. "Wir können nicht für die ganze Walt das Sozialamt sein", sagte der Bundespolitiker in Bezug auf die Asyl- und Migrationspolitik. Das könne kein Staat leisten, auch die nicht, die größer als die Bundesrepublik seien. Eine richtige Balance zwischen der Humanität und der Ordnung seien wichtig. Eine Lanze brach Seehofer für die Polizei und deren wertvolle Arbeit. Wenn die Bevölkerung eine hochmotivierte und qualifizierte Polizei auch in Zukunft haben wolle, müssten zwar die Politiker dafür sorgen, dass sie die richtigen Befugnisse und eine moderne Ausrüstung haben. Gleichzeitig sei es sehr wichtig, dass die Bevölkerung hinter der Polizei stehe: "Wir müssen die schützen, die uns schützen." Die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich bezeichnete Seehofer als eine "schändliche Angelegenheit". Die Fehler, die man hier gemacht habe, werden auf lange Zeit bleiben: "Wir haben erlebt, dass man das Vertrauen der Bürger innerhalb weniger Sekunden buchstäblich zertrümmern kann."