Eine Überfallserie auf Geschäfte, Lebensmitteldiscounter und eine Tankstelle im Raum Kronach und Coburg hielt im vergangenen Jahr die Polizei in Atem. Wegen räuberischer Erpressung in fünf Fällen muss sich nun ein 31-jähriger Mann aus Thüringen vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg verantworten. Die Verhandlung wurde am Montag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Die Beweisaufnahme soll unter anderem klären, ob es sich bei dem Angeklagten tatsächlich um den Serientäter handelt. Zu den Tatvorwürfen schweigt der 31-Jährige.


Rote Bomberjacke

Rechtsanwalt Andreas Kittel ließ zu Beginn der Verhandlung die sichergestellten Asservate in den Gerichtssaal holen. Darunter befanden sich eine rote Jacke und ein Rucksack, die beide in dem Fall eine Rolle spielen. Im Fall der roten Jacke zeigen die Aufnahmen einer Videoüberwachung den Täter bei einem der Überfälle. Das Gesicht des Mannes ist nicht zu erkennen, aber die Kleidung: Der Räuber trägt eine rote Bomberjacke und eine schwarze Arbeitshose. Es ging Richter Gillot darum, ob es sich dabei um die Arbeitskleidung des Angeklagten handeln könnte. Dies verneinte eine Zeugin, die als Betriebswirtin bei dem ehemaligen Arbeitgeber des Angeklagten beschäftigt ist. "Nein, es war eine andere rote Jacke. Es ist nicht die Kleidung, die wir an unsere Mitarbeiter ausgeben." Auch eine ehemalige Partnerin des Beschuldigten erkannte in den Videoaufnahmen weder Jacke noch Hose oder Schuhe des Angeklagten wieder.
Die Verkäuferin, die in dem Schuhhaus in Neustadt arbeitete, das im Mai des vergangenen Jahres überfallen wurde, leidet laut eines ärztlichen Gutachtens an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Da die Frau dem mutmaßlichen Täter nicht gegenüber treten konnte, wurde sie per Videoschaltung in einem anderen Zimmer vernommen. Wie sie aussagte, habe sie das Gesicht des Mannes nicht erkennen können. Er habe eine Basecap tief in sein Gesicht gezogen und eine verspiegelte Sonnenbrille getragen. Der Täter habe einen Rucksack und Schuhe auf das Kassenband gelegt. Als sie kassieren wollte, habe er eine Waffe gezogen, Geld gefordert und sei anschließend mit dem Bargeld im Rucksack geflohen, schilderte die Zeugin den Hergang der Tat. Bei dem entwendeten Rucksack handele es sich um eine Eigenmarke des Schuhhauses, erklärte die Zeugin.
Einen solchen Rucksack wiederum stellte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung einer Freundin des Angeklagten sicher. Das sichergestellte Asservat lässt Rechtsanwalt Andreas Kittel nicht als Indiz gelten. Er beantragte stattdessen neue Zeugenvernehmungen und ein Sachverständigengutachten. "Es wird bestritten, dass es sich um den Rucksack handelt, welcher entwendet worden war. Es macht keinen Sinn, dass mein Mandant den Rucksack sechs Wochen verborgen hält, um ihn dann seiner Freundin zu schenken." Der Angeklagte habe den Rucksack vielmehr kurz vorher gekauft. Wie Kittel weiter ausführte, wurden Rucksäcke in diesem Design im Tatzeitraum in vielen Filialen des Schuhhauses, auch in Kronach oder Lichtenfels, verkauft.
Von einem Kripobeamten wollte Richter Gillot beispielsweise auch wissen, wie die Phantombilder, die den Zeugen vorgelegt wurden, gestanden seien. Gillot:"Man kennt das ja aus dem Fernsehen, aber da stimmt ja auch nicht alles.”


20 Jahre lang süchtig

Der Angeklagte hatte beim Auftakt der Verhandlung vor vier Wochen von einer 20-jährigen Alkohol- und Drogenabhängigkeit berichtet. Seit seinem elften Lebensjahr konsumiere er Alkohol, später seien Drogen hinzugekommen.
Die Verhandlung wird am Mittwoch, 27. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt.