Ja, wie kann ich die Beziehung zwischen verschwägerten Frauen am besten beschreiben? Da gibt's doch alle möglichen Abstufungen von "normal" bis "gut", freundschaftlich, sogar liebevoll - aber auch das Gegenteil: vorsichtig, distanziert, ablehnend bis "spinnefeind" im Hochdeutschen, und in Bamberg einfach: "die blöd Kuh!"

Treffen am Friedhof

Obä etz des eigentlicha Gschichtla: Zwei Schwägerinnen treffen sich zufällig am Sonntag auf dem Bamberger Friedhof, und zwar am Grab vom Alfred. Die Rosa war die Schwester des Verstorbenen, die Inge seine Frau.

Und weil sich die Begegnung gleich so gut anlässt, lädt die Rosa ihre Schwägerin zum Nachmittagskaffee in ihr Haus ein. No, der Kääskung wor orch gut und man weiß ja, dass der Kaffee gsprächig macht.

Jetzt konnten sich die zwei Schwägerinnen erst richtig ereifern. Sie ließen sich über die Verwandtschaft aus, die überhaupt nichts mehr von sich hören ließ, seit der Alfred gstorm is. Und die Nachbarn sind auch nicht besser.

Gleich nach dem Kaffee macht die Rosa eine Flasche Wein auf. Und jetzt gehts um die "Bolidigä" und was sie alles verkehrt machen oder auch überhaupt nicht tun.

"Auf an Baa steht mä net!"

Der Wein tut das Seine, und sie reden immer mehr und immer schneller. Gleichzeitig freuen sie sich, dass sie gleicher Meinung sind - und auf einmal ist die Flasche leer. Da spendiert die Rosa der Inge noch einen Zwetschgenschnaps - und dann noch einen zweiten: "Auf an Baa steht mä net!"

Die Inge jammert: "Des bin i fei net gäwöhnt! Wie kumm ich denn etz haam? Iich ko ja fast nimmä steh!!" "Ich glaab", secht die Rosa grod raus, "miä hom alla zwaa unsä Höh! Waßt wos? Etz gehn mä oo die frisch Luft und setzn uns im Höfla nei die Frühjohrssunna, bis mä widdä richtich auf die Baa sän!"

Entspannen im Höfla

Sie setzen sich auf die Staffel zum Höfla hie, ziehn ihr Strümpf aus und strecken nebeneinander ihre Beine in die milde Sonne. "Och, tut des gut!" seufzt die Inge.

Aber die Rosa ist ganz irritiert: vier gleichartige Beine und Füße - oder sind's gar sechs? Ja gell, ich siech doppelt? Dann sagt sie zu ihrer Schwägerin Inge: "Och, sei doch so gut und beweg dei Baa a weng, dass ich donn endlich widdä waaß, welcha mei eigna sän!"

Ja, und des Gschichtla hot miä a orch guta Schwägerin äzehlt!