Wolfgang Schoberth Gibt es für eine Lesung von Jean Pauls "Leben des vergnügten Schulmeisterleins Maria Wutz in Auenthal" einen besseren Ort als die alten Dorfschule in Wartenfels? Mit Wutz hat der obefränkische Schriftsteller den liebenswürdigsten Sonderling der deutschen Literatur geschaffen.

Wutz ist ein Habenichts und Armeleute-Sohn. Nach dem frühen Tod des Vaters wird er an dessen Stelle selbst zum Dorfschulmeister. Trotz seines jämmerlichen Einkommens beherrscht er trotz aller Dürftigkeit "die Kunst, stets fröhlich zu sein".

Bett als Rückzugsort

Sein Bett ist der Rückzugsort, der ihm auch an "Hatztagen" immer sicher ist, wenn die ganze Erde ein "Hatzhaus" ist: "Abends lieg' ich auf alle Fälle, sie mögen mich den ganzen Tag zwicken und hetzen, wie sie wollen, unter meiner warmen Zudeck und drücke die Nase ruhig ans Kopfkissen", so sagt er sich. Bücher kann er sich keine leisten. So spinnt er sich ihren Inhalt selbst zurecht, sodass aus "Werthers Leiden" schon mal "Freuden" werden.

Viel Selbsterfahrung Jean Pauls ist in die Erzählung eingegangen, der sich zur Entstehungszeit 1790 als Hauslehrer in Schwarzenbach durchschlagen musste.

Der Profi-Schauspieler Gerhard Palder wird den Text am Freitag, 3. Januar, 19 Uhr, lesen. Begleitet wird er von seiner Schwester Renate, langjährige Musiklehrerin am MGF-Gymnasium, die Musikstücke von dem Jean-Paul-Zeitgenossen Friedrich Kuhlau und modernen Komponisten auf der Querflöte spielt.

Erlesenes Programm

Im dritten Jahr hat der Arzt Erich Hohenberger, ein gebürtiger Kulmbacher, der die Dorfschule restauriert hat, ein erlesenes Programm mit künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträgen organisiert, das diesmal Jean Paul gilt.

Am zweiten Veranstaltungstag, Samstag, 5. Januar, wird um 11 Uhr die Ausstellung " Hommage à Jean Paul" mit zwei Dutzend Radierungen des Neudrossenfelder Zeichners Stephan Klenner-Otto eröffnet. Hierzu wird die Theologin Margret Schoberth Einblicke in das Leben und Werk des fränkischen Dichters geben, der Akademische Maler Hans-Dieter Ernst über die Radiertechnik Klenner-Ottos sprechen und Wolfgang Schoberth zum Thema "Stephan Klenner Otto - Caspar Walter Rauh - eine Wahlverwandtschaft" referieren.

An beiden Veranstaltungstagen ist die alte Schule (Wartenfels 28) bis 16 Uhr geöffnet. Alle Interessenten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist jeweils frei.