Ein Jahr und neun Monate Jugendstrafe lautete das Urteil des Jugendschöffengerichtes für einen 21-Jährigen aus Syrien. Der Mann hatte seine deutsche Lebensgefährtin ein halbes Jahr lang immer wieder geschlagen, getreten und an den Haaren gezogen. Als er mit Gewalt Geld von ihr erpresste, um sich Drogen zu kaufen und ihr mit dem Tode drohte, ging die 25-Jährige aus Bamberg im März 2019 endlich zur Polizei.

"Ich bin nervlich so am Ende. Ich wollte nie hier sitzen." Die Verzweiflung ist Sonja D. (Name geändert) nicht nur anzusehen, sie ist ihr auch anzuhören. Der 25-jährigen Frau fällt es schwer "neben einem zu sitzen, der mir so viele Schmerzen zugefügt hat". Doch von ihrer Aussage hängt es ab, ob ihr Ex-Freund aus dem Verkehr gezogen wird. Damit er ihr nicht weiter wehtun kann.

Kennengelernt hatte sie ihn im April 2018, als beide in der Aufnahme-Einrichtung Oberfranken (AEO) Bamberg arbeiteten. Er als Dolmetscher, denn seine Deutschkenntnisse waren sehr gut. Sie als medizinisches Personal. Als das Paar dann im Oktober 2018 in eine gemeinsame Wohnung zog, obwohl er seine Gemeinschaftsunterkunft in Bamberg eigentlich nicht verlassen durfte, da war er bereits zweimal gewalttätig geworden. Er hatte Sonja D. angeschrien und an den Haaren gezogen sowie sie am Hals festgehalten, um an ihr Mobiltelefon zu kommen. Was der "ganz großen Liebe" zu Beginn aber offenbar nicht im Wege stand. "Wie dumm ich doch war", weiß Sonja D. heute.

"Er war voll eifersüchtig"

Wenige Wochen später aber begann das Martyrium. "Er wollte die Kontrolle über mich. Er verbot mir den Kontakt zu meinen Eltern und Freunden." Ständig habe er sie unterwegs und während ihrer Arbeit angerufen, um zu erfahren, wo sie gerade und wer bei ihr sei. "Er war voll eifersüchtig."

Immer wieder riefen Nachbarn die Polizei, weil die Schreierei unerträglich geworden war. "Er warf dann auch Sachen durch die Wohnung. Ich hatte Todesangst." Dann hätte es immer öfter auch Tritte gegen ihre Oberschenkel gegeben. Es war dies der berühmte letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Zuvor hatte sie sich nicht getraut.

Nach einem Vorfall im März 2019 ging Sonja D. zur Polizei und zeigte ihren Peiniger an. Der sitzt seither in Untersuchungshaft in der JVA Bamberg. Sie lebt inzwischen an einem unbekanntem Ort.

Am Ende werden es acht Fälle der vorsätzlichen Körperverletzung bleiben, auf denen Staatsanwältin Christiane Schütte beharrt. "Weil Sonja D. präzise, widerspruchsfrei und detailreich ausgesagt hat." Allerdings gibt es neben der Aussage Sonja D.s auch ärztliche Atteste über Blutergüsse und Prellungen, Lichtbilder und eine Zeugin, die für ihre Version und gegen seine Geschichte sprechen. Ein seltener Glücksfall bei häuslicher Gewalt, weil durch Aussage gegen Aussage immer wieder Verfahren ohne Schuldspruch eingestellt werden müssen.

Der schwerwiegendste Vorwurf aber ist die räuberische Erpressung. Dabei hatte der Angeklagte Sonja D. gezwungen, ihm 50 Euro zu geben, die sie sich erst bei einer Arbeitskollegin hatte borgen müssen. "Ich hatte nicht einmal mehr Geld für Essen." Auf der Fahrt zur Geldquelle hatte er Sonja D. mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, um seiner Forderung den nötigen Nachdruck zu verleihen. Dabei platzte die Lippe auf. Er drohte, sie und sich selbst umzubringen.

Geld für Drogenkonsum

Er habe das Geld für Drogen gebraucht, die er sich immer in Nürnberg verschafft hätte. "Er traf sich immer mit komischen Leuten." Ein Haargutachten, das beim Angeklagten Cannabis und Ecstasy-Konsum nachwies, sowie sein polizeibekannter Drogenkonsum von Kräutermischungen untermauerten diese Vermutung Sonja D.s. Auch kommt noch eine Vorstrafe wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung zur Sprache. Am Amtsgericht Nürnberg war der Syrer 2016 zu einem Jahr und zehn Monaten Jugendstrafe verurteilt worden, die er bis zum letzten Tag abgesessen hatte.

Noch bei der Polizei hatte der Angeklagte seine Ex-Freundin der Lüge bezichtigt, vor Jugendrichter Martin Waschner und seinen beiden ehrenamtlichen Schöffen schweigt er. Und erst als nichts mehr zu retten ist, ringt er sich zu einem knappen Geständnis durch. Eine Entschuldigung folgt erst, als sein Pflichtverteidiger Thomas Drehsen aus Bamberg ihn mehr oder weniger eindringlich dazu auffordert. Trotzdem bleibt das Jugendschöffengericht deutlich unter den zweieinhalb Jahren, die Staatsanwältin Schütte gefordert hat.