Neun verschiedene Planungsvarianten haben Florian Kirfel und sein Team des Studio Gründer Kirfel auf ihre Machbarkeit geprüft. Und all die verschiedenen Möglichkeiten - Totalabriss, Teilabriss und Erhalt - wurden überprüft. Der Planer stellte in einem mehr als einstündigen Vortrag all die Varianten vor, legte Kosten, Vor- und Nachteile offen. "Meine Empfehlung wäre die Variante zwei", sagte Florian Kirfel bei der Bürgerversammlung in Kasendorf klipp und klar. Das bedeutet: Der ehemalige Brauereigasthof "Schwarzes Ross" bleibt erhalten. Denn der linke, ursprüngliche Gebäudetrakt mit der markanten Durchfahrt stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Der Gebäudetrakt auf der rechten Seite, der an das Haupthaus angrenzt und in dem der Düllsaal untergebracht war, allerdings müsste weichen. "Trotz aller emotionaler Verknüpfungen mit dem Saal ist es doch entscheidend, dass der ehemalige Braureigasthof ein guter, lebendiger Ort wird. Es ist wichtig, diesen Ort wieder zu beleben", sagte Kirfel: "Wenn man den Saal erhalten möchte, dann muss der komplette Dachstuhl erneuert werden."


Bürgerverein gibt auf

Für den Erhalt des Düllsaals, der im späten 19. Jahrhundert im Stile des Historismus an den Gasthof angebaut worden war, hat sich in den letzten Monaten der Bürgerverein starkgemacht. "Wir haben uns umgeschaut. Letztlich geht der Erhalt des Saales nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Wir haben aber gemerkt, dass das nicht der Fall ist, dass andere nicht mitziehen", sagte Rainer Friedmann resigniert. "Wir haben gedacht, dass für Kasendorf mehr drin wäre. Aber wir gehen nicht mehr in die Diskussion", merkte Friedmann an.
Der Grund für diese kampflose Haltung bei der Bürgerversammlung ist wohl die Entscheidung des Diakonievereins gewesen: "Wir haben uns eindeutig für die Variante zwei entschieden. Wir möchten einen lichtdurchfluteten, hellen, freundlichen Aufenthaltsraum und einen freien, barrierefreien Zugang von außen", sagte Günther Pfändner, der Vorsitzende des Diakonievereins Kasendorf-Wonsees. Pfändner ging sogar noch weiter: "Wenn der Saal erhalten werden soll, haben wir nichts dagegen. Aber wir scheiden dann eben als Nutzer aus", so Pfändner. Die Diakoniestation sieht die öffentliche Nutzung eines Saales und die Nutzung als Tagespflegeeinrichtung als nicht möglich an. Außerdem überlegt die Diakoniestation bereits, ob nicht auch Nachtpflege angeboten werden könne. Auch diese "Erweiterungsmöglichkeit" wäre mit einem öffentlichen Saal nicht vereinbar.
"Ich sehe die Erinnerungen an den Düllsaal, aber ich sehe kein Nutzungskonzept. Das Gebäude steht seit 1976 leer", merkte Harald Greulich an und besann sich darauf, "etwas Sinnvolles" aus dem alten Brauereigasthof zu machen.
"Wenn der Saal gehen muss, dann muss er eben gehen. Wir vom Bürgerverein haben uns Gedanken gemacht, aber wir stehen hinter der Diakonie", sagte Hans-Jürgen Lauer. Die Diskussion um den Brauereigasthof und die damit verbundene Neugestaltung des Kasendorfer Ortskernes hatte mehr als 90 Kasendorfer Bürger ins Musikheim gelockt. "Dass so viele Leute da sind, ist doch gut", befand Lauer.
Max Angel gab zu bedenken, dass den Preis für den 3,9 Millionen Euro teuren Umbau letztlich auch der Bürger bezahlen würde. "Wir haben aber das Gebäude, das erhalten werden muss. Das ist doch eine Milchmädchenrechnung", konterte Pfarrer Stefan Lipfert.
Bürgermeister Bernd Steinhäuser schloss die Diskussion mit der Feststellung, dass die Doppelnutzung durch die Diakoniestation und durch die Öffentlichkeit Probleme machen würde. Mit der Umsetzung werde sicherlich erst im nächsten Jahr begonnen werden. Denn das Vorhaben muss europaweit ausgeschrieben werden.
Neu gestaltet wird übrigens auch das Haus Marktplatz 2. Es soll für 1,5 Millionen Euro umgebaut und in einen Jugendtreff umfunktioniert werden. Außerdem könnten auf der Fläche überdachte Stellplätze für die Diakonie-Autos eingerichtet werden.
"Ich hatte so manches Gespräch mit dem Bürgerverein, aber letztlich will jeder nur das Beste. Wir machen jetzt einen Strich drunter und wählen die beste Lösung für Kasendorf", sagte Steinhäuser. Bei der Bürgerversammlung ging der Bürgermeister auf die Investitionen des vergangenen Jahres ein.
In diesem Jahr werde die Planfeststellung der Ortsumfahrung Döllnitz erwartet. Außerdem müsse das Gewerbegebiet Krumme Fohre vorangebracht werden. Große Investitionen stehen außerdem im Bereich Abwasser Azendorf an. Steinhäuser betonte, dass in diesem Jahr erhebliche Gewerbesteuereinbußen zu erwarten seinen. Die Gewerbesteuereinnahmen reichen nicht mehr aus, um die Kreisumlage zu finanzieren.