Eckehard Kiesewetter

Die katholische Kirchengemeinde in Ebern bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor. Der Bau der Marienkapelle, das ist die Kirche am Friedhof, wurde vor 500 Jahren vollendet. Laut Karl-Heinz Krebs, Mit-Organisator des Fests, hätte die Gemeinde das Jubiläum fast übersehen. Nun jedoch sei man "mittendrin, eine Reihe von Veranstaltungen zu planen (siehe Übersicht im grauen Kasten).
Beim Termin für die 500-Jahr-Feier baut die Gemeinde auf die Jahreszahl 1518, die ein Schlussstein im spätgotischen Chor der Kirche ausweist. In diesem Jahr soll der Neubau abgeschlossen worden sein. Wappen im Innen- und Außenbereich der Kirche deuten darauf hin, dass die Stadt Ebern, die Freiherren von Rotenhan und die Stein von Altenstein das Bauprojekt gefördert haben.
Eigentlich hat die Kapelle, die einst den Heiligen Georg und Veit geweiht war, eine viel ältere Geschichte. "Das Äußere und Innere der Gottesackerkirche trägt Kennzeichen eines ziemlichen Altertums an sich", hat Georg Ludwig Lehnes 1841 in seiner "Geschichte des Baunachgrundes" geschrieben. Zahlreiche Merkmale, fand er, "weisen auf die Zeiten des 12. bis 14. Jahrhunderts hin".


Weit draußen

Frühe Ansichten zeigen die Kapelle jenseits von Spitaltor und Vorstadtmauer außerhalb der Stadt, fast schon auf halbem Weg zu den Eyrichshöfer Rotenhan. Alten Dokumenten zufolge war die Flur außerhalb Eberns bei der Gottesackerkapelle bewohnt. Hier standen Hütten, das Siechenhaus, ein Friedhof und ein Beinhaus, welches 1804 abgerissen wurde.
Urkundlich wurde die Kapelle bereits 1437 erstmals erwähnt, im Zusammenhang mit einer "Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes." Kreisheimatpfleger Günter Lipp geht davon aus, dass dieses gefragte Wallfahrtsziel sich auch auf dem bis heute erhaltenen ersten Wachssiegel der Stadt abgebildet findet. Vermutlich war die Kapelle aber auch wegen des Stadtbrands 1430, der die Pfarrkirche schwer beschädigte, stärker ins Blickfeld der Bürger gerückt.
"Seit der Stiftung der Zwölfbotenpfründe in der Stadtkirche", berichtet Lehnes, "welche 1438 geschehen, hatte der jeweilige Vikar wöchentlich am Samstag und Sonntag eine heilige Messe in der Marienkapelle außerhalb der Stadt zu lesen." Aus der Zeit des Kirchenbaus im frühen 16. Jahrhundert sind einige Zeugnisse erhalten geblieben: eine Pietà, das Eberner Wappen sowie die aufwendigen Strebepfeiler am Ostchor im Außenbereich, aber auch das Netzrippengewölbe über dem Altarraum der heutigen Kapelle.


Im Zeichen des Barock

Das Langhaus aber wurde in der Zeit zwischen 1720 und 1730 im Stil des Würzburger Hofbaumeisters Joseph Greising (Lehrmeister des Balthasar Neumann) erheblich verändert. Man hat es mit Barockfenstern versehen, heller und lichter gestaltet, erhöht und mit dem heutigen Dachreiter bekrönt. Eine Sakristei wurde angebaut und den Übergang zur Kirche schmückt seither ein rundes Treppentürmchen mit barockem Helm. Im frühen 18. Jahrhunderts entstanden auch die prunkvoll geschmückten Altäre von denen Heribert Keh, Autor des kleinen Kirchenführers von 1981, als "köstliches Stück Rokoko" schwärmt. Die gelungene Einbettung in den gotischen Chor beweise, "wie gut auch weit auseinanderliegende ,Spätstile' zusammenpassen können." So gerate die Innenausstattung zur "eigentlichen Überraschung der Marienkapelle".
Ende des 17. Jahrhunderts war die Kapelle erstmals mit einer kleinen Orgel ausstaffiert worden. Das heutige Instrument besteht aus Teilen einer barocken Otto-Orgel, die bis 1865 in der Stadtpfarrkirche eingesetzt war. 1986 war die Orgel Herd eines Brandes, der damaligen Presseberichten zufolge Stuckdecken und den Boden stark in Mitleidenschaft zog. Wichtige Teile des barocken Instruments konnten gerettet werden.
1841 schreibt G. L. Lehnes: "Die Kapelle wird gut besucht. Sie hat auch ihre eigene Pflege, deren Fond durch Stifter und Gutthäter entstanden ist, und dessen Rente die jährlichen Bedürfnisse deckt."
Das Westportal der Marienkapelle, jahrzehntelang zugemauert, wurde 2013 wieder geöffnet und barrierefrei passierbar gemacht. Heute dient es als Hauptportal, bleibt Besuchern aber meist verschlossen, denn die Friedhofskirche wird nur für Trauerfeiern geöffnet.
Ein Tipp für Kunstinteressierte: Hübsch gemacht und kindgerecht führt ein virtueller Rundgang auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft Ebern-Jesserndorf-Unterpreppach (www.pg-ebern.de) durch die Kapelle. Eine Kirchenmaus (dahinter verbirgt sich Pfarrgemeinderatsmitglied Walter Schmidt) stellt die Details der Innenausstattung und ihre Bedeutung vor.