Das neue Jahr hat für den Schachclub Forchheim mit noch größeren Problemen begonnen, als das alte Jahr aufgehört hat. Nach den beiden Niederlagen beim Zweitliga-Wochenende in Garching hat sich der Abwärtstrend nun bei der Doppelrunde in Augsburg fortgesetzt. Zwei verlorene Wettkämpfe im Stadtteil Göggingen markieren nun endgültig den Beginn des Abstiegskampfes. In dem haben die Franken nicht unbedingt die besten Karten, aber noch die besten Gegner vor sich.
Dabei sollte es in Schwaben eigentlich einen Befreiungsschlag geben, doch ausgerechnet gegen den Liganeuling SF Neuberg, vor Saisonbeginn schon als Absteiger gehandelt, gerieten Kapitän FM Manfred Heidrich und seine Kollegen unters Brett. Dabei war die 3:5-Niederlage gegen den direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt bei näherer Betrachtung sogar noch schmeichelhaft für die zu harmlos auftretenden Forchheimer. Nicht eine Partie ging an die Oberfranken. Am Spitzenbrett hatte Großmeister (GM) Milos Jirovsky gegen den jungen Internationalen Meister (IM) Nikolas Lubbe das berühmte Stellungsglück und konnte sich wie sein Brettnachbar GM Vlastimil Jansa, der gegen WGM Melanie Lubbe antrat, in verlorener Stellung gerade noch ins Remis flüchten. Dass auch die favorisierten IM Alexander Seyb und FM Manfred Heidrich nicht zum ganzen Punkt kamen, sollte sich an den hinteren beiden Brettern bitter rächen. Hier hatte es Hans-Jürgen Döres mit einem bärenstarken FM Klaus-Jürgen Lutz zu tun, und FM Dieter Seyb unterlag dem gleichwertigen Hendrik Schaffer. Dass ausgerechnet in den entscheidenden Runden zwei der stärksten Stammspieler fehlten, war für den SC doppelt ärgerlich. IM Andreas Rupprecht und FM Christian Schramm wurden durch GM Milos Jirovsky und FM Dieter Seyb ersetzt.
Nach der unerwarteten Pleite gegen die Hessen kam es gegen den SF Bad Mergentheim zu einem weiteren 3:5-Verlust. Während Döres seine Scharte des Vortages wieder auswetzen und IM Grigoriy Bogdanovich sensationell besiegen konnte, gingen drei Spiele an die Mannschaft aus Baden-Württemberg. GM Vlastimil Jansa, IM Alexander Seyb und FM Berthold Bartsch mussten ihre Stellungen aufgeben. Erstere gegen die beiden Großmeister Aleksandr Karpatchev und GM Mikhail Ivanov, Letzterer gegen Johannes Raps. Geburtstagskind Florian Ott durfte sich wie Teamchef FM Manfred Heidrich und GM Milos Jirovsky über eine Punkteteilung freuen.
Die Brettstrategen des SC stecken nun mitten im Abstiegskampf, weil die Verfolger SF Neuberg, SG Aufbau Elbe Magdeburg und SG Leipzig alle zwar einen Zähler Rückstand, aber noch einen Wettkampf mehr zu spielen haben. Außerdem bleiben in den letzten Runden nur noch Favoriten übrig: Der scheinbar unschlagbare Spitzenreiter SK Göggingen, der frühere Erstligist ESV Nickelhütte Aue und der oberfränkische Rivale TSV Bindlach. Wenn da nicht mindestens zwei Wunder geschehen, dann war es das mit der 2. Bundesliga Ost.


Reserve: ein bitteres Szenario

Weil die Reserve des SC unerwartet erfolgreich spielt und die Zweitliga-Mannschaft vor dem Abstieg steht, könnte es zu einem kuriosen Szenario kommen. Dann nämlich, wenn die Landesliga-Meister nicht in die Oberliga aufsteigen dürften, weil dort bereits die Erste aufgeschlagen ist. Und das ist gut möglich: Mit 8:4 Punkten liegt der SC II punktgleich mit Spitzenreiter SW Nürnberg Süd auf Rang 3. Dabei haben die Forchheimer noch das leichtere Restprogramm. Das Spitzenspiel gegen Schweinfurt dürfte dann das Meisterstück werden. ug