Marco Meissner Als am vergangenen Freitag die Meldung über den erneuten Insolvenzantrag des TV-Geräteherstellers Loewe veröffentlicht wurde, läuteten bei Insidern, Angestellten und Beobachtern die Alarmglocken. Kann das Kronacher Unternehmen diesen Schritt nach 2013/14 ein zweites Mal überstehen?

"Ja, durchaus", beantwortet Rüdiger Weiß die Frage, ob die von der Geschäftsführung angestrebte Sanierung Erfolg haben kann. Seinen Teil dazu will auch er beitragen. Weiß wurde ja vom Coburger Gericht als Sachwalter für das Verfahren eingesetzt. Das heißt, er wird die Sanierung begleiten und die Interessen der Gläubiger vertreten.

"Loewe hat ein tolles Produkt", ist er überzeugt und zeigt ein aktuelles Beispiel seiner Recherchen auf. Bei der Folge "Die lange Nacht" der Kultserie "Game of Thrones" habe es in den Internet-Foren eine eindeutige Aussage gegeben: "Die Gewinner waren die Loewe-Kunden!" Bei den vielen dunklen Szenen habe so mancher in die Röhre geschaut, während die Loewe-Fernseher ihre Qualitäten hätten ausspielen können. Doch die Leistung der Kronacher Produkte ist nicht das einzige, was Weiß Hoffnung auf einen erfolgreichen Fortbestand des Unternehmens macht. Bei Loewe hat man seiner Ansicht nach in den vergangenen Monaten auch die Hausaufgaben gut erledigt. Dies macht er an drei Punkten fest.

1. Dadurch, dass der Finanzunternehmer Mark Hüsges als Vorsitzender der Geschäftsführung in den Beirat gewechselt ist, hat mit dem vormaligen Chef des Einkaufs, Ralf Vogt, nun ein Mann aus der Unternehmenspraxis die Produktion im Blick. Für Weiß ein klarer Pluspunkt.

2. Loewe hat sich laut dem Sachwalter auf der Passivseite (Kapitalherkunft) wieder besser aufgestellt. Wenn es in diesem Bereich zu bereinigenden Maßnahmen kommt, wächst der Anreiz für Interessenten, in ein solches Unternehmen zu investieren.

3. Der unbedingte Sanierungswille ist zu spüren und wird auch außerhalb des Unternehmens wahrgenommen. Erste Lieferanten- und Kundenreaktionen zeigen, dass die Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit mit Loewe besteht.

Dass es zu einem zweiten Insolvenzantrag gekommen ist, stellt für Weiß keinen Grund zur Panik dar. Am meisten bedauert er dabei die Situation für die rund 500 Angestellten, welche "leidgeprüft sind", da sie nun schon zum zweiten Mal eine derartige Lage erleben. Doch ungewöhnlich sei die Entwicklung bei Loewe nicht. "Dort ist man auf dem komplexen Weg einer Umstrukturierung", stellt Weiß fest. "Da kann es durchaus passieren, dass es im zweiten Anlauf nicht gleich klappt und es noch einen dritten Anlauf braucht."

Worauf die Loewe-Geschäftsführung in ihrer Stellungnahme besonderen Wert legt, ist die Eigenverwaltung der Sanierung. "Die unternehmerische Verantwortung bleibt in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert", ließ das Unternehmen verlauten. Welchen Einfluss kann der Sachwalter dann überhaupt auf das Verfahren nehmen? Weiß kann sich beim Telefonat ein kurzes Lachen nicht verkneifen und greift zu einem aussagekräftigen Beispiel: "Welche Entscheidungsgewalt hat ein Schiedsrichter bei einem harten Foul? Er pfeift!" Im Falle von Loewe stecke er sozusagen in der Rolle des Referees. Er sei der Treuhänder der Gläubiger und könne jederzeit einschreiten. "Das Unternehmen kann nicht machen, was es will. Die Geschäftsleitung muss in erster Linie darstellen, dass eine Entscheidung die beste Lösung für die Gläubiger ist."

Das eigentliche Insolvenzverfahren wird laut Weiß wohl Anfang Juli oder Anfang August eröffnet werden. Nicht nur über diesen Zeitpunkt wird in den kommenden Tagen noch diskutiert werden. Dann geht es auch darum, mit allen Beteiligten ein belastbares Konzept auf die Beine zu stellen und dieses nach außen zu tragen. Denn Transparenz schreibt Weiß groß.