Die beiden Tabellennachbarn in der Fußball-A-Klasse Schweinfurt 5, SpVgg Untersteinbach und SC Stettfeld, hatten sich für ihr Duell sehr viel genommen. Es ging darum, in der Spitzengruppe zu bleiben. Kurz vor dem Ende sah es danach aus, als könne die Heimmannschaft als Sieger vom Platz gehen, denn bis zur 88. Minute führte sie. Doch in der 91. Minute schossen die Gäste den 3:2-Siegtreffer.
Beide Mannschaften waren ganz gut in die Saison gestartet und mussten bisher nur eine Niederlage hinnehmen. Sie hielten damit in der Tabelle Kontakt zu den führenden Mannschaften des TSV Zell und des FC 08 Zeil. Der Stettfelder Spielleiter Herbert Hümmer erklärte selbstbewusst vor dem Spiel: "Wir spielen voll auf Sieg, das ist doch klar. Wenn wir gewinnen, sind wir nämlich weiter voll im Rennen dabei." Natürlich wollten das die Untersteinbacher verhindern, auch wenn sie im ohnehin dünnen Kader Verletzte zu beklagen hatten. Auch der Untersteinbacher Spielertrainer Kari Reyr Jonsson-Beck konnte nicht auflaufen und musste die Partie von der Trainerbank verfolgen. Er war zu Beginn dieser Saison neu zur Mannschaft gekommen, nachdem bisher Joachim "Joe" Kaiser drei Jahre lang die Steigerwälder trainiert hatte.
Jonsson-Beck stammt aus dem 330 000 Einwohner zählenden Island, das spätestens seit der EM 2016 in der Fußballwelt einen guten Namen hat. Kari Reyr Jonsson-Beck hatte das Fußballspielen in Island gelernt durch alle Nachwuchsgruppen, spielte sogar in der 2. Liga des Landes und hatte schon an das Tor der 1. Liga geklopft.
Ihn reizte dann auch das Fußballland Deutschland, wo er Probetrainings machte. 2003 kam er nach Viereth und spielte bei dem dortigen FC. Danach kamen weitere Stationen bei der SpVgg Lauter, die er von der Kreisklasse in die Kreisliga führte, beim SV Walsdorf und dem TSV Kirchaich. Nun also trainiert er die SpVgg Untersteinbach.
"Als Trainer bin ich mit dem Verlauf der Saison bisher sehr zufrieden, und es lief eigentlich besser, als ich es mir vorstellte. Jetzt müssen wir aber schauen, dass wir oben bleiben. Ich habe alle Gegner gesehen, und wir haben auch gute Chancen, mit an der Spitze zu bleiben, solange wir keine weiteren Ausfälle und Verletzte haben," betonte der Trainer, den man wegen der schwierigen Aussprache seines Namens inzwischen einfach "Iceman" nennt. Es war an diesem Spieltag wirklich sehr windig, aber dass es am Schluss für die Untersteinbacher sogar so "eisig" werden würde, hätten sich die heimischen Zuschauer nicht träumen lassen.
In der ersten Halbzeit tasteten sich die beiden Mannschaften ab und spielten mehr aus einer sicheren Deckung. Zunehmend spürte man aber Vorteile der Gäste. Aber es dauerte bis in die 43. Minute, ehe der Stettfelder Spielertrainer Marco Wagner das 0:1 erzielte. Nach der Pause kamen die Steigerwälder besser ins Spiel und hatten auch Chancen. Doch erst in der 78. Minute stellte Kevin Marschall den Ausgleich her. Der gleiche Spieler brachte in der 81. Minute seine Mannschaft sogar in Führung, und die drei Punkte schienen in greifbarer Nähe. Die Stettfelder setzten nun aber alles auf eine Karte. Einen Angriff in der 88. Minute konnte Chris Neidnig im Strafraum nur mit einem Foul stoppen und sah hierfür "Gelb-Rot". Christoph Hümmer ließ sich die Chance des Elfmeters nicht entgehen und verwandelte sicher. Eine weitere Nachlässigkeit in der Abwehr der SpVgg ermöglichte den Stettfeldern dann in der Nachspielzeit (91.) sogar noch den Siegtreffer durch Fröhling. Die Spieler der SpVgg Untersteinbach zogen da schon etwas die Köpfe ein und mussten sich an die alte Fußballerweisheit erinnern lassen, dass ein Spiel eben erst nach 90, oder diesmal sogar erst nach 91 Minuten zu Ende ist.