Bernhard Panzer

Den Ausführungen von Walter Pander war anzumerken, welch schwieriges Unterfangen der Stadt ins Haus steht. Da muss ein kleines, altes Gebäude vor dem Verfall gerettet und saniert werden. Ein Haus, das schon lange baufällig ist und nur deshalb nicht eingestürzt ist, weil seit Jahren seine Wände und Decken im Innern abgestützt werden.
Doch das Häuslein im Herzen Herzogenaurachs steht unter Denkmalschutz, gehört zur Stadtgeschichte und bildet, wenn es erst saniert und wieder hübsch ist, zusammen mit dem Stadtmuseum einen prägenden Teil der Idylle am Kirchenplatz. Deshalb stehe eine Sanierung auch außer Zweifel, wie Bürgermeister German Hacker (SPD) Panders Ausführungen in der Sitzung des Planungsausschusses ergänzte: "Das Haus ist prägend, wir müssen das machen." Erste vorsichtige Kostenschätzung: 650 000 Euro.
Gemeint ist das kleine Spital am Kirchenplatz (Adresse Kiliansplatz). Es bildete einst eine Einheit mit dem großen Spital, dem heutigen Stadtmuseum. Schon 2006 hat man das Häuslein im Innern mit Balken abstützen und mit Drahtseilen sichern müssen. Die Einsturzgefahr ist nach wie vor gegeben, und sogar größer geworden, wie Pander in der Sitzung erläuterte.
So musste man im Innern massiv abstützen, denn "sonst wäre uns das Haus zusammengefallen", sagte der für die Gebäudewirtschaft der Stadt zuständige Mitarbeiter. Aber die Südwand sei im Lauf der Jahre dennoch nach außen gedrückt worden und es haben sich laut Pander alle Verstrebungen gelöst. Die habe man behelfsmäßig erneuern müssen, um das Gebäude zu halten. Pander: "Wenn wir die rausmachen, fällt uns das Haus ein." Hinzu kommen Pilze, die das Holz zerstören.


Knapp hundert Quadtratmeter

Der Herzogenauracher Architekt Helmut Popp ist nun damit beauftragt worden, eine Sanierung zu planen. Vorgesehen ist eine Nutzung als Wohnraum. Popp gab zwei Alternativen: Einmal drei Mini-Appartments oder eine größere Wohnung (98 Quadratmeter), die sich auf alle drei Etagen erstreckt. Die Stadtverwaltung schlug die zweite Lösung vor, der Ausschuss folgte einstimmig.
Als nächstes stehen die Gespräche mit dem Denkmal- und Brandschutz aus sowie mit Sonderingenieuren. Dann wird sich zeigen, wie teuer die Maßnahme wirklich kommt. Immerhin könne man mit einem hohen Zuschuss rechnen, Hacker geht von einem sechsstelligen Betrag mit einer "Zwei" vorne dran aus.
In der Debatte fragte Peter Maier von den Grünen an, ob man das Haus nicht dem Stadtarchiv zuschlagen könnte, für Schulungszwecke. Hacker antwortete, dass jeder Mitarbeiter in diesem Rathaus sich mehr Räume wünsche. Man solle schon die Wohnnutzung verfolgen. Franz-Josef Lang (CSU) freute sich "ganz kolossal", dass man das Vorhaben endlich angeht. Er zollte Pander und allen an der Sanierung Beteiligten seinen Respekt: "Ein neues Haus kann jeder bauen. Aber ein solches instand zu setzen, das ist eine Herausforderung."
Geplant ist auch, abweichend von der bisherigen Form und mit dem Denkmalschutz noch nicht abgestimmt, eine Terrasse zu schaffen und dafür eine Tür in eine Außenwand einzubauen. Das habe der Vorbesitzer schon so beabsichtigt und die Genehmigung sei auch in Aussicht gestellt worden, sagte Anja Wettstein vom Planungsamt der Stadt. Sie gehe davon aus, dass das noch gilt.
Erste Untersuchungen des kleinen Hauses haben im Jahr 2000 stattgefunden. Laut Beschlussvorlage zur Sitzung wurde das Haus im 15. Jahrhundert errichtet und im 17. oder 18. Jahrhundert erweitert. Die Untersuchungen haben damals aber auch ergeben, dass der untere Teil des Gebäudes sogar schon bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen könnte.


Erster Versuch 2006

2006 hatte die Stadt erste Anstalten gemacht, das Gebäude zu sanieren, aber erst 2010 sollten dann Gelder in den Haushalt eingestellt werden. Damit wurde es aber auch nichts, stattdessen suchte die Stadt nach einem Partner respektive Investor. Den hat man dann auch gefunden: Ein Privatmann aus dem Raum Bamberg erwarb das Gebäude für einen Euro und verpflichtete sich, es innerhalb von fünf Jahren zu sanieren. Doch auch das hat nicht geklappt, und das Haus fiel in das Eigentum der Stadt zurück. Jetzt soll ein weiterer Versuch erfolgen, es zu retten.