JOhannes Schlereth Ein Metzger will Wurst räuchern, doch etwas geht schief. Es brennt, und das Gebäude ist verraucht. Der Metzger: vermisst. Zum Glück handelte es sich dabei lediglich um ein Übungsszenario, dem sich Feuerwehrleute aus den beiden Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld stellen mussten. In einer alten Metzgerei in Sandberg durchliefen die Atemschutzgeräteträger mehrere Stationen, bevor sie den verunglückten Metzger retten durften.

Vor Ort waren etwa 20 Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren Burkardroth, Langenleiten, Sandberg und Schmalwasser. Die praxisnahe Ausbildung war den Organisatoren wichtig. Das zeigte sich an den Inhalten des Nachmittags. Die Wehrleute übten das Funken - im Ernstfall die einzige Verbindung nach draußen, um die Einsatzleitung über die Verhältnisse am Brandherd aufzuklären. An einer anderen Station lernten die Atemschutzgeräteträger den Umgang mit der Wärmebildkamera. Die verschiedenen Stadien eines Brandes und die dabei auftretende Hitzeentwicklung ließen sich durch die Linse der Kamera verfolgen. Dafür verbrannten die Organisatoren Holzreste in einer feuerfesten Metalltonne im Außenbereich der Metzgerei.

Richtig retten

Ariel Karwacki, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Burkardroth und mitverantwortlich bei der Ausbildung am Atemschutzzentrum in Oberthulba, vermittelte den Atemschutzgeräteträgern notwendiges Wissen für den Atemschutznotfall. "Was macht ihr, wenn euer Kamerad nur noch wenig Luft hat, oder regungslos am Boden liegt?" Im Team erarbeiteten die Feuerwehrler die Lösung. Darunter beispielsweise das Verwenden eines Rettungspack-Systems. Dabei handelt es sich um eine Tasche, in der eine gefüllte Pressluftflasche untergebracht ist, über die sich der verunglückte Geräteträger weiterhin mit Atemluft versorgen lässt. Karwacki wies dabei auf die Probleme bei der Beurteilung des Gesundheitszustands hin, die durch die klobige Ausrüstung und dicke Schutzkleidung bedingt sind. "Puls fühlen? Das ist nicht so einfach wegen der Jacke und den Handschuhen." Wichtig sei bei einem Atemschutznotfall stets, die eigene Sicherheit nicht zu gefährden. "Es soll nicht sein, dass aus einem Notfall plötzlich zwei werden", betonte Karwacki.

Daher übten die Feuerwehrleute im Trupp aus jeweils zwei Mann das Öffnen des Notreißverschlusses und ließen sich von Karwacki in der Bergung eines verunglückten Kameraden unterweisen. Dazu lässt sich eine Bandschlinge gut verwenden", sagte der stellvertretende Burkardrother Kommandant. Über die Brust und unter den Achseln durchgeführt, erleichtert sie das Tragen des Verletzten.

Vollausgerüstet rückten die Wehrleute schließlich in die alte Metzgerei vor. Die Sicht war gering. Um möglichst realistische Bedingungen zu simulieren, nahmen die Organisatoren den Atemschutzgeräteträgern die Sicht. Dafür kam künstlicher Nebel zum Einsatz. In den verwinkelten Räumen der Metzgerei mussten die Feuerwehrleute den vermissten Metzger - eine Puppe mit Lebendgewicht - suchen und bergen. Die Trupps arbeiteten dabei sauber und machten nur wenige Fehler. Kreisbrandinspektor Michael Omert war mit dem Engagement der Atemschutzgeräteträger und der Organisatoren und Ausbilder zufrieden. "So etwas ist eine gute Sache." Die Zusammenarbeit der verschiedenen Wehren fördere nicht nur die soziale Komponente, sondern lasse sich auch als Kompetenztransfer sehen.