Die Villa Remeis oberhalb des Michelsbergs bietet nicht nur den wohl schönsten Blick, den man bei Kaffee und Kuchen auf Bamberg haben kann, sondern seit 20 Jahren auch psychisch kranken Menschen eine sinnvolle Betätigung: Bewirtschaftet wird das Café vom Agnes-Neuhaus-Heim (ANH), in dem der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) psychisch kranke Menschen betreut. 2014 erhielt der Trägerverein dafür den Bayerischen Miteinander-Preis. Was die Villa Remeis für den SkF und dessen dort beschäftigte Schützlinge bedeutet, sagen SkF-Geschäftsführerin Brigitte Randow und Simone Stroppel, die Leiterin des Agnes-Neuhaus-Heims in der Bamberger Ottostraße, im nachfolgenden Kurzinterview.

Wie kam es dazu, dass der SkF 1997 in die Gastronomie eingestiegen ist?
Brigitte Randow: Die Idee reifte im Team des Agnes-Neuhaus-Heims. Eine Arbeitstherapiemöglichkeit für die psychisch kranken Bewohner zu finden, die nicht im Haus ist, sollte noch mehr Realitätsnähe und Trainingsmöglichkeiten eröffnen und auf das Leben außerhalb einer Einrichtung vorbereiten. Den Schwerpunkt in der Gastronomie zu suchen war sehr naheliegend, da der bisherige Arbeitstherapiebereich Küche bereits Erfahrung bei der Ausrichtung von Feiern im caritativen Bereich hatte.

Hat der Café-Betrieb die Erwartungen erfüllt, die Sie damit verbunden haben?
Brigitte Randow: Der Betrieb hat unsere Erwartungen mehr als gesprengt. Das Café wird sowohl von der Bamberger Bevölkerung als auch den Besuchern der Stadt angenommen. Somit wurde das vorrangigste Ziel, Berührungsängste zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen abzubauen, erfüllt. Zudem nutzen viele Bewohner dieses tagesstrukturierende Angebot und haben eine Aufgabe, die wertvoll und gesellschaftlich anerkannt ist. Wir sind sehr zufrieden!

Wie viele Leute aus dem Agnes-Neuhaus-Heim sind für die Villa Remeis in welcher Form tätig?
Simone Stroppel: Wir betreuen im ANH und den dazugehörigen Außenwohngruppen 44 Menschen, die nahezu alle durch ihre Tätigkeit in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen zum Gelingen beitragen.
In der Villa Remeis direkt sind circa 14 Bewohner tätig, sowohl in der Café-Küche als auch im Service. In der Großküche des Heims sind etwa zehn Bewohner für die Herstellung der Torten, Kuchen, Tagessuppen und Tagesgerichte verantwortlich.
Die Gartengruppe ist für die Pflege des Anwesens zuständig, die Wäscherei zum Beispiel für die Pflege der Stuhlkissen und vieles mehr. Der Arbeitstherapiebereich Schreinerei renoviert jährlich im Winter die Außenbestuhlung und erledigt Arbeitsaufträge des Cafés. Alle Bereiche werden stets fachlich professionell angeleitet und betreut.

Hat jemand gezählt, wie viele Kuchen in den 20 Jahren gebacken wurden?
Simone Stroppel: Bisher nicht! Aber das gäbe sicherlich eine Mega-Zahl! Überschlagen und geschätzt: vielleicht 50 000!? Nageln Sie mich nicht fest!
Welches Gebäck essen die Besucher am liebsten?
Simone Stroppel: Die Remeistorte ist natürlich der Dauerrenner. Viele Gäste kommen nur wegen dieser Torte, von der sie gehört haben und die sie unbedingt mal testen wollen. Allerdings sind unsere saisonalen Blechkuchen, wie beispielsweise der Rhabarber-Baiser oder der Zwetschgenkuchen auch echte Reißer!

Die Fragen stellte
Jutta Behr-Groh
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