Die Glocken riefen am Samstag in Weisendorf die Gläubigen in die Pfarrkirche. Dort versammelten sie sich im Gebet, während vor dem Altar ein Reliquienschrein und eine Bild des Gründers des Säkularinstituts Notre-Dame-de-Vie, Pater Maria-Eugen vom Kinde Jesus, positioniert waren. Der Schrein wurde nach einem feierlichen Gottesdienst in die Schlosskapelle überführt.
Den Festgottesdienst zelebrierte der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl, der zehn Jahre in Hannberg und Weisendorf als Seelsorger gewirkt hatte. Unterstützt wurde er von Pfarrer Johannes Saffer, Pater Claus Bayer, Mitglied im Säkularinstitut Notre-Dame-de-Vie, Michael Dotzauer, Spiritual des Priesterseminars Bamberg, und Pfarrer i.R. Franz Reuß.
Am Gottesdienst nahmen auch die Karmelitenpatres Peter Schröder und Johannes Nützel aus Bamberg mit ihrem Mitbruder Pater Semmy aus Indien teil. Außerdem waren Bruder Timotheus vom Benediktinerkloster Münsterschwarzach und Marie-Thérèse Rouxel mit Vertreterinnen des Säkularinstituts Notre-Dame-de-Vie in der Kirche.
In seiner Einleitung merkte Weihbischof Gössl an, dass man mit Pater Maria-Eugen vom Kinde Jesus die Reliquie eines Menschen in Empfang genommen werden, der dem Ruf Gottes gefolgt sei und von der Sehnsucht getrieben war, Gott zu schauen.
Das Evangelium mit der Heilung der Schwiegermutter des Petrus trug Michael Dotzauer vor. In seiner Predigt ging Weihbischof Gössl auf dieses Thema ein. In unserer heutigen Welt sei die Effizienz wichtig, es gelte vor allem im wirtschaftlichen Bereich möglichst gute Erfolge erreichen. Die Versuchung sei groß, alles berechenbar zu machen, auch beim Faktor Mensch. Diese Überlegungen würden schlussendlich beim vermehrten Einsatz von Robotern und Maschinen enden.


"Gott ist uns zugetan"

Im Text des Evangeliums könnten die Jünger viel von der Effizienz ihres Meisters spüren. Für Jesus sei aber nicht die Zahl der Heilungen wichtig gewesen, sondern die Tatsache, das Evangelium möglichst überall zu verkünden, so dass die Botschaft bei den Menschen ankomme. "Gott ist uns zugetan", schloss Gössl daraus. Daher sei die Zeit, die ein Mensch mit dem Beten verbringen würde, nicht vergeudet, vielmehr eine bewusste Hinwendung zu Gott.
Auch Pater Marie-Eugen vom Kinde Jesus sei ein großer Beter, aber auch ein guter Organisator gewesen. "Unser Gott ist nicht ein Gott der Zahlen, sondern der tiefen Begegnung", stellte Gössl fest.
Im Prozessionszug wurde die Reliquie in die Schlosskapelle von Weisendorf übertragen. Nach einer kurzen Andacht verbrachte Weihbischof Gössl den Reliquienschrein an seine endgültige Position am rechten Chorbogenpfeiler neben einer Marienfigur, wo er für die Gläubigen zur Verehrung verbleibt. Die musikalische Umrahmung wurde zum Teil durch Formationen des Kisi-Club sichergestellt.