Marion Krüger-Hundrup

Ob Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) wohl dafür grünes Licht gibt? Für einen Thesenanschlag an der Rathaustür am Maxplatz? Dekan Hans-Martin Lechner wiegt zweifelnd denn Kopf und lacht. Eine solche Erlaubnis sei eher unwahrscheinlich. Trotzdem ist am Freitag für echte Holztüren gesorgt, an die Jugendliche ihre selbst formulierten Thesen für einen Neuaufbruch in der Kirche nageln dürfen.
Diese Aktion à la Martin Luther ist nur ein Höhepunkt in einem bunten Programm, mit dem das evangelische Dekanat Bamberg am Freitag und Samstag das 500. Reformationsjubiläum feiert. Und zwar nicht als "Selbstdarstellung, sondern um Menschlichkeit in die Welt zu tragen", wie Dekan Lechner sagt. Natürlich dienten alle Veranstaltungen im Jubiläumsjahr "für uns als evangelische Kirche der Vergewisserung und der Profilbildung", räumt er ein. Doch dazu gehöre unbedingt "die freundschaftlich-geschwisterliche Ökumene dazu". Schließlich werde 2017 in erster Linie als "ökumenisches Christusfest begangen" - dank der gemeinsamen Wurzeln und des Glaubens, die die evangelische Kirche mit der katholischen verbinden.
So ist es für Erzbischof Ludwig Schick eine Selbstverständlichkeit und ein Herzensanliegen, an dem Reformationsempfang am Samstag (18 bis 22 Uhr im Stephanshof) aktiv teilzunehmen. Der katholische Oberhirte wird an den weiß gedeckten Tafeln Platz nehmen und eine Tischrede halten zu der ihm gestellten Frage "Was bedeutet Reformation für mich heute?"


Reden, Musik und Brotzeit

Auch OB Starke und Landrat Johann Kalb (CSU) werden in Anlehnung an Luthers berühmte Tischreden sprechen, die Präsidentin der Dekanatssynode Uta von Plettenberg oder Dekanatsvertreter aller Generationen. Dazu gibt es "viel Musik der verschiedenen Chöre und Bläser, einen fröhlichen Abend der Begegnung, eine Brotzeit und Reformationsbier und zum Abschluss eine Nacht der Lichter in der Stephanskirche, wie es sie sonst nur im Dom gibt", listet Diakonin Andrea Hofmann auf. Der Erzbischof werde auch diese Lichternacht mitgestalten, freut sich Dekan Lechner.
Er lädt jeden ein, der zu diesem Reformationsempfang kommen möchte. Wie auch jeder dazu eingeladen sei, am Freitag "die Reformation auf dem Maxplatz zu erleben" - auch diejenigen, die sonst mit Kirche nichts am Hut haben. Blickfang wird ab 10 Uhr der "Wort.Transport" sein: drei Trucks, die als Bühne, Ausstellungsort und Botschafter dienen: Botschafter "für das Wort Gottes, das durch diese Fahrzeuge in die Gesellschaft transportiert wird", erklärt der Dekan. Reformatorische Grundeinsichten würden in die heutige Sprache übersetzt.
Allein 500 Grundschüler haben sich für die Bühnengeschichten und Workshops über "Luther im Kinderzimmer" angemeldet. Von 14.30 bis 17.30 Uhr ist "Katharinas Teatime" mit eben dem Thesenanschlag der Jugend, einem Filmprojekt, einer Schatzsuche oder Kunstaktion.
Von 19 bis 21 Uhr öffnet "Luthers Biergarten" bei Reformationsbier und Bratwürsten, in dem Martin Luther höchstpersönlich - beziehungsweise in der Gestalt von Martin Neubauer - musikalisch-szenisch auftreten wird. Die musikalische Gestaltung übernehmen der Teeniechor und die Kantorei St. Stephan sowie der Kantatenchor der Erlöserkirche und die "Brasserie" unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper und Dekanatskantor Martin Wenzel.