Theresa Schiffl In der Metzgerei Brunner hat sich seit Jahresbeginn nicht wirklich etwas verändert. "Bei uns kommen die Kassenzettel ohnehin schon automatisch mit in die Tüte hinein", sagt Renate Wolfschmidt. Gerade bei der Bäckerei Bachermeier, die lose Gummibärchen zum Mischen verkauft, sei das ein größeres Problem, meint sie.

Jedes Gummibärchen mit Beleg

"Wir haben innerhalb von zwei Tagen schon eine kleine Plastikbox voll gesammelt und ungefähr dreiviertel einer Kassenbeleg-Rolle verbraucht", sagt Gabriele Steidl, die Inhaberin der Bäckerei. Unter der Woche habe die Bäckerei täglich ungefähr 200 Kunden, am Samstag bis zu 250: Das ergibt pro Woche um die 1250 Kassenbelege.

Direkt nach dem Jahreswechsel sei es noch verhältnismäßig ruhig gewesen, sagt Steidl. Jetzt, wo die Schulkinder wieder kommen, sehe das schon anders aus. Wenn sich ein Kind nun in der Bäckerei ein Gummibärchen kauft, gibt es immer einen Kassenbon dazu. Seit dem 1. Januar 2020 gibt es nämlich die Belegausgabepflicht, die besagt, dass Verkäufer ihren Kunden immer einen Beleg ausdrucken müssen. Egal, ob sie diesen mitnehmen oder nicht. Dadurch soll Steuerhinterziehung und Manipulation vorgebeugt werden.

Testkäufe als Kontrolle

Walter Nussel, Mitglied des Landtags und Beauftragter für Bürokratieabbau, hält diese Form der Kontrolle für den falschen Weg. Er schlägt stattdessen vor, dass Betriebsprüfer der Finanzbehörden regelmäßig unangekündigte Testkäufe durchführen. "Damit würde automatisch der Druck auf schwarze Schafe erheblich steigen, aber die Zusatzbelastung von Unternehmen, Verbrauchern und nicht zuletzt der Umwelt vermieden", heißt es in einer Pressemitteilung.

Viele kommentierten das neue Gesetz nur mit einem Kopfschütteln, erzählt Gabriele Steidl. "Unsere Kunden haben wir auch schon darauf hingewiesen, dass es nun etwas länger beim Einkauf dauern kann. Das sind sie nämlich von uns eigentlich nicht gewohnt."

Doris Ehrenschwender vom "BioLett" findet die Änderung ebenfalls nicht sinnvoll. "Wir haben unter unseren Kassen Kisten für Bons und abends haben wir, wenn man es gut zusammendrückt, immer einen 10-Liter-Eimer voll mit Papier." Eine enorme Ressourcenverschwendung, wie sie meint. Aber zumindest könne das bisphenolfreie Papier des Bioladens einfach im Altpapier entsorgt werden.

Auch auf große Supermärkte wie Rewe kommen aufgrund der Änderung Massen an Papiermüll zu. Bis vor Kurzem konnten die Kunden dort ihren Bon auf Wunsch bekommen. Nun müssen die Belege jedoch grundsätzlich gedruckt werden. Laut einer Presseinformation rechnet Rewe durch das neue Gesetz mit einem zusätzlichen Papierverbrauch von 632 Tonnen oder 140 000 Kilometer mehr Einkaufszetteln. Für dieses Problem hat die Supermarkt-Kette schon eine Lösung gefunden: elektronische Kassenbons. Diese Funktion ist immerhin von Kunden mit einem Rewe-Kundenkonto oder einer Payback-Karte nutzbar. Für alle anderen gibt es Zettel. Jedes Mal.