Burghaslach/Nürnberg — Vier Männer, zwei Unternehmer, zwei Brüder: Alle vier waren am gestrigen Donnerstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth angeklagt, doch sie kämpften gegeneinander. "Wir waren eigentlich vier Freunde", sagte einer der Räuber vor Gericht.

Bereits im Mai 2016 verübten drei von ihnen einen schweren Raub. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft fuhren sie aus dem Allgäu nach Burghaslach, wo sich eine Zustellstation für Wertguttransporte befindet.

In einem nahe gelegenen Waldstück haben sie ihre zwei Fahrzeuge abgestellt, sind anschließend durch ein offenes Fenster in die dortige Firma eingedrungen und warteten auf den Paketfahrer, der wenige Zeit später kam. Laut der Anklageschrift soll einer der Angeklagten dem Fahrer einen Schlag ins Gesicht versetzt haben, sodass dieser von den Komplizen gefesselt werden konnte. Sie hinterließen den Fahrer gefesselt und mit verbundenen Augen, Mund und - laut Anklage - Nase und machten sich mit dem gestohlenen Transporter auf den Weg zum Waldrand, wo sie die Pakete in ihre Fahrzeuge umluden.

Darin befanden sich Schmuck, Silber, Gold und Waffen.Anschließend fuhren sie damit ins Allgäu, um die Beute in dem Wohnanwesen eines der Angeklagten unterzubringen. Im Dezember desselben Jahres haben die drei den gleichen Überfall erneut begangen - wieder in Burghaslach.

Diesmal allerdings war auch noch der zweite Unternehmer, der gestern mit vor Gericht stand, beteiligt. Der überwältigte Paketfahrer wurde - so der ursprüngliche Plan - beim zweiten Raub allerdings in ein Waldstück mitgenommen und dort im Transporter zurückgelassen.

Die Tat eingeräumt

Am ersten von insgesamt sieben angesetzten Verhandlungsterminen bezogen alle vier Angeklagten Stellung. Die zwei Brüder räumten die Tat ein, bekräftigten aber, dass einer der anderen beiden federführend gewesen sei, Anweisungen gegeben und einen Tatplan erstellt habe.

Dieser Angeklagte soll nach den Taten dafür zuständig gewesen sein, die erbeutete Ware zu verkaufen. Das Geld sollte fair aufgeteilt werden, sagte einer der Angeklagten vor Gericht.

Fünfstellige Summen

Die erwirtschafteten Summen pro Räuber belaufen sich laut ihren eigenen Angaben jeweils auf 10 000 bis 40 000 Euro. Zu welchem Preis der beauftragte Kumpan die Ware verkauft hat, wussten die Angeklagten aber nicht genau. "Das lief alles auf Vertrauensbasis", erklärte einer der Angeklagten.

Einige Verwirrung gab es um die Rolle des angeblich Federführenden. "Er hat von mir das Hintergrundwissen bekommen", sagte einer der Angeklagten über den angeblichen Chef der Bande.

Dieser habe durch sein technisches Know-how die Firma in Burghaslach gut einschätzen können, da er in einer ähnlichen Firma andernorts bereits das IT-System installiert hatte. Anschließend belastete einer der Angeklagten wiederum einen anderen Komplizen. Sein Vorwurf: Dieser sei zuerst auf die Idee gekommen, in Burghaslach einzubrechen. Nach dem ersten Raub sei er sehr daran interessiert gewesen, noch einmal diese Straftat zu begehen und habe versucht, alle anderen zu überzeugen. "Ein zweites Mal war nie geplant", behauptet der Angeklagte. Er habe sich dann überreden lassen.

Paketfahrer "ruhigstellen"

Tatsächlich räumte dieser ein, Geldprobleme zu haben. Aufgrund seiner Spiel- und Drogensucht habe er damals der Tat zugestimmt, "um seinen Lebenswandel zu finanzieren." Er bekräftigte zudem, dass der Mann, der beim ersten Raub nicht dabei war, auch Geld vom ersten Mal bekommen habe. Dieser stritt das zunächst ab - wenig später belastete ihn aber auch noch einer der anderen und er gestand.

Zunächst behauptete er, es seien vorab keine Absprachen getroffen worden. Nach und nach räumte er aber ein. "Es war ausgemacht, dass wir den Paketfahrer ruhigstellen", sagte er. Das, so der Richter, sei ein weit gefasster Begriff.

Genau sei das jedoch nicht besprochen worden, es sei aber allen klar gewesen, dass der Mann nicht verletzt werden sollte. Vielmehr habe einer der Beteiligten laut eigenen Angaben das Klebeband, das über den Mund des Opfers angebracht wurde, entfernt. Der Mann klagte zuvor über Atemnot, weil er an einer Erkältung litt.

Aktuell gibt es noch viele Unklarheiten in dem Fall. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 11. März geplant.