Die Meisterschule Ebern ist seit 35 Jahren Bestandteil der Eberner Schullandschaft. "Wir feiern aber heute mit dem Abschluss Ihrer Meisterausbildung auch zwei Jahre Bauhaus-Meis-terschule Ebern, denn die Meis-terschule war während Ihrer gesamten Ausbildungszeit immer nur Bauhaus. Aber genauso wie das Bauhaus Weimar unmittelbar nach der Gründung sich bereits größter Beliebtheit erfreute, übt auch unsere Schule in Ebern eine starke Anziehungskraft aus." Dies betonte Schulleiter Oliver Dünisch bei der Verabschiedung des Meisterkurses 67, mit der die Präsentation der Meisterstücke verbunden war.

Dünisch begab sich bei seiner Abschlussrede auf eine kurze Spurensuche zu Parallelen zwischen dem "Bauhaus Ebern" und dem zugegebenermaßen etwas bekannteren anderen Bauhaus in Weimar. Dabei erinnerte er daran, dass das Bauhaus Meisterschule Ebern zu Beginn der Ausbildung dieses Kurses eingerüstet war und teilweise auch Räume nicht genutzt werden konnten. "Die sonst so beliebten Wohnheimplätze gab es nicht, WLAN war Fehlanzeige und die Heizung war nur sporadisch im Einsatz."

Erfolgreicher Abschluss

Aber Kursleiter Stefan An-dritschke sei mit Bedacht gewählt worden, weil man ihm einen gewissen Hang zum Bauhaus nachsage. Dies spüre man auch beim Betreten seines Unterrichtsraumes Nr. 4 mit klaren, modular aufgebauten kubischen Formen, farblich in einer unsichtbaren Mischung aus Rot, Grün und Blau, was in der Summe ja die ziemlich unbunte Farbe Weiß ergebe. Am Ende komme es beim Unterrichtserfolg ja gar nicht so sehr auf die Infrastruktur, sondern auf die Lehrerpersönlichkeit an, wie auch die jüngsten Bildungsstudien immer wieder bestätigten. "Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie in den vergangenen 18 Monaten mit uns trotz der schwierigen Rahmenbedingungen so vertrauensvoll und konstruktiv zusammengearbeitet haben. Am Ende steht trotz alltäglicher Widrigkeiten heute für Ihren Kurs ein genauso erfolgreicher Abschluss wie für Meisterkurse, die ohne entsprechende Beeinträchtigungen durchgeführt werden konnten."

Auch das Bauhaus in Weimar und später in Dessau habe seine Blüte in den sogenannten "wilden Zwanzigern" erlebt. "Sie in Anlehnung hieran als ,Wilde 20‘ zu bezeichnen, wäre sicherlich etwas an den Haaren herbeigezogen. Sie haben das soziale Leben an der Schule wesentlich mitgeprägt, und ich danke Ihnen für viele kleine und große Gesten und Gespräche, die Schule eben nicht nur zu einem Lern-, sondern auch zu einem Lebensort werden zu lassen."

Grußworte und Glückwünsche an die Absolventen sprachen stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Adelheid Zimmermann und der Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, Walter Heußlein, während für den Kurs 67 Kurssprecher Fritz Gocht lobende Worte über die Ausbildung und die Meisterschule fand.

Für besondere Leistungen wurden auch Preise übergeben. Stefan Hutzler aus Niedermurach (Niederbayern) erhielt für herausragende Leistungen in den kaufmännischen Fächern den Preis der Raiffeisenbank Ebern. In den gestalterischen Fächern wurden Tom Scherzer, Nürnberg, vom Münchner Verein und in den technisch-handwerklichen Fächern Lukas Kofer, Küps-Oberlangenstadt, durch die Firma Dictum ausgezeichnet.

Die Abschlussbesten

Kursleiter Stefan Andritschke stellte als Abschlussbeste heraus: 1. Stefan Hutzler, Niedermurach, Note 1,3; 2. Johannes Kiefer, Hünfeld/Hessen, mit 1,62; 3. Lukas Kofer, Küps-Oberlangenstadt, mit 1,66

Den Sozialpreis überreichte Schulleiter Oliver Dünisch an Steve Kröger aus Forchheim.

Aus unserem Verbreitungsgebiet legten mit großem Erfolg auch folgende Kursteilnehmer die Meisterprüfung ab: Fritz Gocht, Fabrikschleichach/Haßberge; Christoph Göller, Roßdorf am Forst/Bamberg; Jan Habermann, Untermerzbach/Haßberge; Niklas Herrnböck, Ebern/München; Michael Hesselbach, Herbstadt/Rhön-Grabfeld, Ben Hübner, Baunach/Bamberg; Lukas-Maximilian Kofer, Küps/Kronach; Steve Kröger, Forchheim; Marc Lienert, Trabelsdorf/Bamberg; David Osburg, Ebern/Haßberge und Jonathan Roth, Memmelsdorf/Bamberg.

Auf großes Interesse stieß die Ausstellung der "Meisterstücke", auf die am Nachmittag ein regelrechter Run stattfand, denn man sah ja dabei auch besondere und neueste Ideen für die verschiedensten Möbelstücke, teilweise auch mit technischen Raffinessen.

"Viel gelernt"

Kurssprecher Fritz Gocht aus Fabrikschleichach im Landkreis Haßberge zeigte eine "Arbeitsplatzerweiterung für die Küche" aus Ulme. Er sprach von "super eineinhalb Jahren in der Meisterschule Ebern", wo er viel gelernt habe. "Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, und von der Reinigungskraft über die Schüler bis hin zum Rektor zählt hier jeder gleich viel. Das hat die ganze Ausbildungszeit sehr angenehm gemacht." Für seinen weiteren Werdegang sei nun erst einmal eine Anstellung geplant, "und auf lange Sicht kann ich mir auch den Weg in die Selbstständigkeit vorstellen".

Niklas Ben Herrnböck, mit derzeitigem Wohnort in Ebern, kam im Rückblick auf seinen eineinhalbjährigen Aufenthalt in Ebern regelrecht ins Schwärmen. Ursprünglich eigentlich ein Münchner war er auch schon mit einem Freund zu einer Ausbildung in Garmisch und hatte sich nun Ebern für den Meisterkurs ausgewählt. Der 24-Jährige, der seine Wäschekommoden zeigte, nannte als Grund dafür die "günstigen Lebensverhältnisse, auch wenn das Wohnheim noch nicht fertig war. Aber ich wäre da auch reingegangen. Zum Glück habe ich mit einem Kollegen eine süße Wohnung in Ebern gefunden, mitten im Zentrum am Marktplatz. Natürlich war auch noch die Nähe zu Bamberg ein Ausschlag, denn dort gibt es ja auch Studenten." Freilich habe er auch versucht, die Franken besser kennenzulernen. "Der Franke ist schon etwas Spezielles. Man braucht schon mehr Zeit zum Zueinander, und schnell kommt man an ihn nicht heran."

"Es stehen viele Wege offen"

Die Meisterschule war für ihn "ein guter Deal", denn berufsbegleitend hätte die Ausbildung für ihn einen zu großen Aufwand bedeutet. Wie geht es nun bei ihm weiter? "Wahrscheinlich geht es nun auf den Philippinen weiter. Ich bin mit 24 Jahren ja noch jung, und dort läuft etwas über ein Projektmanagement. Natürlich geht dies dann auf Englisch. Dennoch könnte ich mir auch noch vorstellen, in der Zimmerei die Meisterprüfung zu machen. Es stehen viele Wege offen."